Warum graben Archäologen?
Archäologen graben häufig verdeckte Spuren unserer Zivilisationsgeschichte aus. Warum die Zeugnisse der Vergangenheit aufgedeckt werden, erklärt Valentin Kockel, Professor für Klassische Archäologie.
Errichtet man heute ein Gebäude, werden die Reste älterer Bauten weggeräumt und damit die geschichtlichen Dimensionen eines Platzes zerstört. Das war früher anders. Aus baufälligen Häusern wurden wiederverwendbare Teile entfernt, das Übrige planiert und auf diesen Resten das Neue errichtet. In Gegenden, in denen man Lehm als Baumaterial verwendete, konnten so in Jahrhunderten ganze Hügel aus Siedlungsschutt entstehen. Der berühmteste von ihnen ist die Anhöhe von Troja. In Flusstälern, wie in Olympia, kann auch angeschwemmter Schotter die eingestürzten Ruinen bedecken. Ganz selten führt sogar eine Naturkatastrophe wie ein Vulkanausbruch zur Versiegelung ganzer Landstriche, wie in Pompeji. Alle diese Ablagerungen schützen die antiken Reste. Ausgrabungen bringen sie an den Tag, zerstören aber gleichzeitig unwiderruflich ihren Kontext. Weshalb graben Archäologen also noch immer? Grabungen werden oft durch Straßen- oder Hausbau notwendig. Ohne solche Zwänge sollten Grabungen heute nur noch mit einer klaren Fragestellung begonnen werden. Dabei geht es nicht um sensationelle Funde. Der Fortschritt der Grabungstechniken, insbesondere auch die Möglichkeiten naturwissenschaftlicher Analysen, erlauben es aber, differenziertere Auskunft zum Leben der Menschen zu bekommen und erweitern damit auch an alten Grabungsorten unser Wissen um viele wichtige Facetten.