Okkulte Phänomene im High Tech-Zeitalter?
Unser Zeitalter ist geprägt von technischem Know-How und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Weshalb glauben dann aber immer noch viele Menschen an okkulte Phänomene? Diese Frage erläutert Sabine Doering-Manteuffel, Professorin für Europäische Ethnologie/Volkskunde.
Aufklärer haben seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert versucht, Weltbilder auszurotten, die nicht den Erkenntnissen der Naturgesetze entsprachen. Bereits seit dem 19. Jahrhundert entstanden in Europa und den USA neue Weisheitslehren, die sich vor allem mit Jenseitskontakten befassten. Sie waren auch Folge technischer Erfindungen jener Zeit wie etwa dem Telegraphen. Geisterseher zogen über Land, allerorts wurden in bürgerlichen Kreisen Séancen abgehalten.
Es bildete sich eine unvermutete Allianz aus Wissenschaft und Okkultismus. Eine breite esoterische Bewegung machte sich Begriffe wie Energie, Strömung, Kraft oder Impuls zu eigen und unterlegte ihnen neue Bedeutungen. Die englischen Kornkreise sind ein Beispiel für diese enge Verwobenheit. Sie stammen nach Ansicht vieler Esoteriker von Weltraumbewohnern. Nach Meinung der 'Enthusiasten' sind die Kreise mit einer besonderen Energie aufgeladen. Es seien Botschaften aus einer anderen Welt, die an uns Menschen gerichtet werden. Stets geht es um die Bewältigung unserer spannungsreichen Gegenwart, auf deren Probleme letztlich niemand abschließende Antworten formulieren kann. Pseudowissenschaften leiten diese Spannungen in mythologische Erklärungen um.