Warum spricht man in Amerika Englisch?
Auf diese Frage antwortet Prof. Dr. Hubert Zapf, Professor für Amerikanistik
Aus Sicht eines Amerikanisten ist die Frage zunächst erheblich zu differenzieren. Mit Amerika ist hier die USA gemeint und nicht etwa der gesamte amerikanische oder auch nur der nordamerikanische Kontinent. Englisch war die Sprache der wichtigsten Siedlerkolonien an der nordöstlichen Atlantikküste, aus denen die spätere USA hervorging, und wurde nach dem Unabhängigkeitskrieg 1775-1783 zur Sprache der neu gegründeten Republik. Zwar gab es zu Beginn Überlegungen, eine andere Sprache als Englisch als Landessprache der USA einzuführen, um sich von der einstigen Kolonialmacht England abzusetzen. Deutsch, aber auch Hebräisch, Griechisch, Latein oder eine Mischsprache mehrerer Indianersprachen wurden diskutiert, waren aber keine ernsthaften Alternativen. Das amerikanische Englisch ist ferner vom britischen Englisch zu unterscheiden und weist selbst verschiedene regionale, kulturelle und soziale Varianten auf. Auch heute ist die Sprachsituation in einem ständigen Wandel. Eine wachsende Zahl von Menschen spricht nicht Englisch als Muttersprache. Vor allem Spanisch macht dem Englischen Konkurrenz, aber es gibt aufgrund des hohen Migrationsfaktors auch andere, beispielsweise asiatische Sprachgruppen, die sich in der neuen Welt behaupten. Aufgrund der Globalisierung gewinnt das Englische als internationale Verkehrssprache (lingua franca ) der Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, der Jugend-, Pop-, und Massenkultur allerdings transnational gesehen verstärkte Bedeutung und erfährt dadurch erneute Veränderungen, die wiederum auf die USA zurückwirken.