Seit wann gibt es Universitäten?
Prof. Dr. Wolfgang Weber, Direktor des Instituts für Europäische Kulturgeschichte, erklärt, seit wann es Universitäten gibt, und wie sich die heutigen von ihren Vorgängern unterscheiden.
Die Universität entstand um 1200 gleichzeitig in Bologna (mit Schwerpunkt Recht) und Paris (Schwerpunkt Theologie) als in bestimmten Hinsichten autonome, selbst verwaltete, mit dem Recht der Titelverleihung ausgestattete Anstalt. Komplexes Wissen sollte erzeugt und weitergegeben werden. Von diesen beiden Urgründungen aus verbreitete sie sich bis um 1900 in der gesamten von Europa beeinflussten Welt. Auch ihre traditionelle innere Gliederung nach Fakultäten (Fach- bzw. Fächerbereichen) und ihre Ämterorganisation mit Lehrstuhlinhabern, Dekanen und Rektor wurden bereits im Mittelalter entwickelt. Das Gleiche gilt für die Ränge und Formen der universitären Titel (Baccalaureus, Magister, Doktor).
Die heutige Universität unterliegt erstens fortschreitender Einschränkung ihrer Autonomie, um zu einer für alle Bedürfnisse der Gesellschaft und Wirtschaft offenen Hochschule zu werden. Zweitens ist sie dabei, ihre Selbstverwaltung zugunsten professionalisierten Managements und betriebswirtschaftlicher Durchrationalisierung aufzugeben. Der Rückgang an öffentlichen Finanzierungsmitteln zwingt sie zur Orientierung und Bewährung am Markt, was u.a. die wissenschaftlich problematische, aber finanziell attraktiv erscheinende Einführung modischer Studiengänge und im Extremfall den Konkurs einschließen kann.