Warum lernen wir Geometrie?
Die Antwort auf diese Frage und was das Ganze mit Fussball zu tun hat, gibt Prof. Dr. Katrin Wendland, Lehrstuhlinhaberin für Analysis und Geometrie.
Geometrie wird schon seit mindestens 4000 Jahren betrieben. Bereits die Ägypter entwickelten geometrische Techniken für die Landvermessung nach jedem Nilhochwasser. "Geometrie" heißt in der wörtlichen Übersetzung aus dem Griechischen ja auch "Erdvermessung". Noch heute hat diese "elementare Geometrie" viele Anwendungen - nicht nur beim Kochen spielt Volumen eine wesentliche Rolle! Vom Modedesigner bis zum Architekten, bei der Abschätzung der Kurvenlage eines Rennwagens oder des idealen Torschusses im Fußball wird Geometrie angewandt, auch wenn oft unbewusst. Etwas schwieriger wird es, wenn z.B. ein Lederball gebraucht wird, der ja aus ebenen Lederstücken zusammengenäht werden muss, und trotzdem möglichst kugelähnlich aussehen soll oder wenn ein künstliches Gelenk so modelliert werden soll, dass es denselben Belastungen wie natürlich gewachsene Knochen standhält. Tatsächlich löst auch ein Geometer solche Probleme nicht exakt. Der Fußball ist keine perfekte Kugel. Um aber Vereinfachungen sinnvoll anzusetzen, wird eine sehr genaue geometrische Analyse benötigt. Viele nahe liegende Fragen in der Geometrie sind bis heute offen. Z.B. ist nicht einmal mit letzter Sicherheit geklärt, wie man möglichst viele Orangen am platzsparendsten lagert. Mathematische Probleme werden oft erst durch Erfassung einer übergeordneten Struktur gelöst. Darum ist es nicht nur schön, sondern auch wichtig, neue Geometrien zu suchen und zu verstehen.