Gibt es Popmusik erst seit den Beatles?
Musikwissenschaftler Dr. Daniel Mark Eberhard geht der Frage nach, ob es Popmusik erst seit den Beatles gibt?
Zuvor stellt sich die Frage, was man eigentlich unter „Popmusik“ zu verstehen hat. Popmusik ist ein Sammelbegriff für jene Musikformen afroamerikanischen Ursprungs, die vorwiegend elektroakustisch produziert, massenhaft verbreitet und angeeignet werden, musikalische Extreme meiden und auf eine möglichst breite Zielgruppe ohne spezielle Vorbildung sowie auf Kommerz hin ausgerichtet sind. Der Begriff findet in der Tat erst seit den Beatles Verwendung, einhergehend mit einer Wandlung von einer rein jugendkulturellen Musik zum zwischenzeitlich lukrativsten und gesamtgesellschaftlich akzeptierten Zweig der Musikindustrie. Popmusik ist eine Kurzform von „populärer Musik“, auch wenn die Begriffe nicht gleichbedeutend sind. Heutzutage handelt die Musikindustrie in einem ständigen, hochkomplexen Prozess mit Musikern und dem Publikum aus, was jeweils unter „populär“ zu verstehen ist. 1780 mahnt auch Leopold Mozart seinen berühmten Sohn in einem Briefwechsel: „[...] vergiß das so genannte populare nicht, das auch die langen Ohren kitzelt.“ Retrospektiv kann man z.B. W. A. Mozart oder die Walzerkönige der Strauss-Familie durchaus als Popstars und so manche Marsch-, Caféhaus-, Schlager- oder Operettenmelodie als Frühformen der Popmusik bezeichnen, noch lange bevor die etablierte, bürgerliche Gesellschaft und die Massenmedien die Bahn für den Urknall der Popmusikentwicklung durch die Beatles ebneten.