Darf der Glaube Bilder haben?
Prof. Dr. Peter Hofmann, Lehrstuhlinhaber für katholische Fundamentaltheologie geht der Frage nach, ob der christliche Glaube Bilder haben darf.
Der christliche Glaube hat Bilder und verehrt sie, aber er hat auch Probleme mit ihnen: Gehören die Bilder in den Glauben und darum auch in den Kult? Oder sollten sie besser nur die Verkündigung illustrieren?
Die Gefahr scheint in der Macht der Bilder zu liegen: Sie können etwas zeigen, was ohne sie nicht zu sehen wäre. Sie können aber auch etwas simulieren, und dies wäre gefährlich, wenn es um den Glauben geht. Denn der Glaube muss wissen, wem und was er glaubt, vor allem aber, ob er mehr „vor Augen“ hat als eine Projektion oder Fiktion. Darum darf er keine Idole („simulacra“) haben.
Das entscheidende Datum für den christlichen Glauben ist das, was theologisch „Offenbarung“ genannt wird. Gott zeigt sich, deswegen ist etwas zu sehen. Gott wird Mensch, deswegen hat bei aller Göttlichkeit eine konkrete Gestalt. Jesus Christus ist „das Bild des unsichtbaren Gottes“ (Kol 1,15). So sagt es ein alter Hymnus, der im Brief an die Kirche von Kolossä zitiert wird.
Dieses Bild ist kein Idol, das Menschen machen und zu Unrecht verehren, sondern ein Bild, das auch in den vielen Bildern des Kultes verehrt werden darf. Die Verehrung gilt ja dabei nicht dem Kunstwerk und seiner menschlichen Kreativität, sondern dem, den es zeigt: dem konkreten, Mensch gewordenen Gott. Dieser Gott ist aber keine Idee oder gar Fiktion. Deswegen hat der christliche Glaube nicht nur Bilder, sondern er verehrt sie auch mit gutem Grund.