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Feiern am Geburtstag?


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Ethnologe PD. Dr. Friedemann Schmoll erläutert, wie und wann es dazu kam, dass das Fest des Namenstages von der Geburtstagsfeier abgelöst wurde.



Das Geburtstagsfest befindet sich fraglos auf dem Vormarsch und erscheint hierzulande weithin selbstverständlich. Genau dies ist es aber nicht. „bei den bauern noch jetzt nicht wirklich heimisch“, hieß es im 19. Jahrhundert im Wörterbuch der Brüder Grimm. Und das sollte besonders in katholisch geprägten Regionen noch bis weit ins 20. Jahrhundert so bleiben. Um die Existenz des Individuums zu feiern, bedarf es bestimmter historischer Voraussetzungen: die Kenntnis des exakten Geburtsdatums und ein Menschenbild, welches das irdische Leben überhaupt als Anlass zu festlicher Vergegenwärtigung erscheinen lässt. So besehen ist es ein recht junges und modernes Fest! Die Möglichkeit zur Popularisierung bestand erst im neuzeitlichen Verwaltungsstaat, in dem Lebensdaten eines jeden Menschen erfasst wurden. Die Katholische Kirche, die mit dem Namenstag zyklisch wiederkehrend die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Gläubigen feierte, rückte das Kollektiv in den Mittelpunkt. Sie stellte den Namens- über den Geburtstag, weil erst der irdische Tod den Eintritt ins ewige Leben markiere. Die Protestanten dagegen thematisierten mit dem Geburtstagsfest die Verwandlung des individuellen Lebens. Nachdem der Adel ihn als öffentliche Inszenierung seiner Macht beging, avancierte er im Bürgertum seit dem 18. Jahrhundert zu einer jährlich wiederkehrenden Bilanzierung des Lebenslaufs durch Geschenke, memorierende Reden und gemeinsames Feiern. Heute ist er längst selbstverständlich geworden, weil er als säkulares Fest unproblematisch erscheint und maßgeschneidert in eine Zeit lustvoller Selbstbeschäftigung und Betonung des Individuellen passt.