Warum Mathe pauken?
Weshalb man in der Schule Mathematik pauken "darf", haben sich schon viele Schüler gefragt. Prof. Dr. Volker Ulm, Didaktiker der Mathematik, verrät die Antwort auf diese Frage.
"Warum soll man das lernen?" Diese Frage zum Mathematikunterricht stellen sich Schüler und Eltern immer wieder. Bei Grundrechenarten, Brüchen, Prozenten oder Dreisatz ist der Nutzen des Mathematikunterrichts im Alltag vielleicht noch unmittelbar einsehbar. Warum sollen sich Schüler aber mit Parabeln, Sinus, Exponentialfunktionen und mehr herumplagen? Warum sollen sich alle Schüler über ihre gesamte Schulzeit hinweg mit Mathematik beschäftigen, also auch die, die Krankenschwester, Kfz-Mechaniker, Rechtsanwältin oder Arzt werden möchten? Der Grund hierfür ist ganz einfach, aber auch tiefliegend: Mit Mathematik trainiert man das Gehirn, das Organ des Denkens. Mathematikunterricht leistet einen ganz spezifischen Betrag zur Entwicklung der Denkfähigkeiten. Durch die Beschäftigung mit Mathematik lernt man beispielsweise, in komplexen Situationen die zugrunde liegenden Strukturen zu erkennen und mit diesen zu arbeiten. Man lernt, mit abstrakten Objekten gedanklich umzugehen, trainiert universelle Strategien für das Bearbeiten von Problemen und schult die Fähigkeiten zu schlüssigem Argumentieren und Begründen. In einem nicht-technischen Beruf wird man die Inhalte der Schulmathematik höherer Jahrgangsstufen kaum mehr brauchen. Sehr nützlich sind jedoch die Denkfähigkeiten, die man beim Arbeiten mit den mathematischen Inhalten in der Schulzeit entwickelt hat.