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„Einen richtigen Jungen, ein richtiges Mädchen gibt es nicht.“ – Geschlechterpositionierungen von Mädchen und Jungen in der Schule


Dr. Monika Jäckle, Kyra Schneider, Sandra Eck (Schulpädagogik)

Die Schule wird in diesem Vortrag als Spannungsfeld  vielfältiger und widersprüchlicher Diskurse verstanden: Mädchen und Jungen bekommen in der Schule diskursive Angebote, »geschlechtlich zu sein« bis hin zu normativen Fremdzuschreibungen, wie sie »geschlechtlich sein sollten«. Das Geschlecht beinhaltet als diskursive, dichotome Sinnkategorie vielfältige Positionierungsmöglichkeiten, die dem Einzelnen geschlechtliche Wahrnehmungs-, Performanz- und Handlungsweisen anbieten. In diesen »Geschlechtervorlagen« (auch »Geschlechterfiguren«), sind Normalisierungs-prozesse eingelassen, die als Strategien der Geschlechterwahrheiten wirksam sind.

Innerhalb dieses diskurstheoretischen Verständnisses rückt das Verhältnis von institutionalisierter Geschlechter(re-)produktionen und subjektiven Erfahrungsweisen ins Zentrum der Betrachtung. Auf Basis der Dispositivforschung wird auf die Studie „Geschlechterpositionierungen von Mädchen und Jungen in der Schule“ rekurriert, die in einer Befragung von 242 Schüler*innen an bayerischen Gymnasien das Verhältnis von Schule als Genderregime und den subjektiven Positionierungsmöglichkeiten und -strategien in den Blick genommen hat.

So steht in dieser Studie die Geschlechtersubjektivierung und die Frage im Mittelpunkt, wie Jugendliche in und durch (subjektivierende) Adressierungspraktiken ihr geschlechtliches Selbstverhältnis konstituieren. Dies geschieht auf der Grundlage ihrer (diskursiv vermittelter) Erfahrungen in der Schule als einem machtdurchwobenen dispositiven Raum. Unsere Interessensspur folgt der geschlechtlichen Subjektivation unter dem Aspekt des jeweiligen Selbstverständnisses des jungen Menschen: als wer verstehe ich mich als Mädchen oder Junge vor dem schulischen Hintergrund.

Welche möglichen Geschlechterangebote bzw. »geschlechtlichen Existenzvorlagen« in Gestalt von Subjektpositionen junge Menschen in und durch Diskurse annehmen oder auch ablehnen und ob sie ihre gelebten Erfahrungen aus dieser Positionierung als aktiv Handelnde oder passiv Erleidende machen, welche Erfahrungen Mädchen und Jungen in der Schule mit diskursiven Kämpfen um die Deutung von Geschlecht, aber auch um die geschlechtliche Deutung schulischer Prak­tiken im Allgemeinen machen und wie sie dabei ihre Identität als Mädchen oder Junge dis­kur­siv konzeptionieren,  wird Inhalt dieses Vortrages sein.

Poster zum Forschungsprojekt "Geschlechterpositionierungen von Jungen und Mädchen in der Schule"