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Geistliche Literatur des Spätmittelalters


– Handschriften, Überlieferung, Edition 

Interdisziplinärer Workshop für DoktorandInnen und PostdoktorandInnen aus dem Bereich der Mediävistik

(Raum 4056, Gebäude D)


Freitag, 20. Februar 2015

14.00        Begrüßung
14.20 Angila Vetter (Kiel): Retextualisierung zwischen Hof und Kloster. Zwei Bearbeitungen von Unser vrouwen hinvart Konrads von Heimesfurt
15.20 Sebastian Holtzhauer (Osnabrück): Retextualisierung durch Kontextualisierung — Die Reise des hl. Brandan und das Fegefeuer-Narrativ im Codex Palatinus germanicus 60 der UB Heidelberg
16.40 Ine Kiekens (Gent): Von der abegescheidenheit. The evolution of the Eckhartian concept of abegescheidenheit in the dissemination of Vanden twaelf doghenden (On twelve virtues)
17.40 Eva Vandemeulebroucke (Gent): From cook to authority. How Jan van Leeuwen (†1387) was made an author
18.40 Prof. Dr. Youri Desplenter (Gent): Jan van Leeuwen and the Ten Commandments


Samstag, 21. Februar 2015

09.00        Katrin Sturm (Leipzig): Vom Praxis- zum Universalvokabular. Das Frenswegener Vokabular und seine Verarbeitung im Mainz-Leipziger Vocabularius universalis
10.00 Eva Rothenberger (Berlin): Com-Passio. Performative Signale der compassio im Marienlied Hört zu (Kl 114) des Oswald von Wolkenstein
13.00 Simon Falch (Eichstätt): Das Predigtœuvre des Rebdorfer Augustiner-Chorherren Balthasar Boehm als vorreformatorische Wissenssumme
14.00 Julia Gold (Gießen): Dorothea als lutherische Heilige — Überlegungen zum protestantischen Märtyrerdrama des 16. Jahrhunderts
15.00 Abschlussdiskussion







Zum Anlass des Colloquiums

Im späten Mittelalter, der großen 'Krisenzeit', blüht die geistliche Literatur in all ihren Formen. Die Zahlen sprechen für sich: Dreiviertel der Handschriften aus dieser Epoche, so schätzt man, haben religiöse Themen zum Inhalt. Schreibend versucht man, sich seines Heils und eines gottgefälligen Lebens zu versichern, während Seuchen und Kriege die Hinfälligkeit des Menschen eindrucksvoll vor Augen führen und die Institution Kirche mit sich selbst beschäftigt ist. Lesen und Schreiben von geistlicher Literatur ist keine Unterhaltung, sondern Existenzbewältigung.

Dabei hat die Germanistik dieser geistlichen Literatur noch immer nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die sie verdient hat. Liegt das – ironischerweise – vielleicht gerade daran, dass sie so außerordentlich stark verbreitet war? Gefragte Werke erreichten leicht Überlieferungszahlen im dreistelligen Bereich. Frömmigkeitsbewegungen wie die verschiedenen Klosterreformen und die Devotio Moderna trugen die Texte in jeden Winkel des Reiches und nahmen dabei alles auf, was sie für ihre Zwecke brauchen konnten: Mystik, Legenden, volkssprachliche Scholastik, Ars moriendi und Katechese in jeglicher Form, und banden all das zwischen den Deckeln geistlicher Sammelhandschriften zusammen. Aber nicht nur die Masse der Überlieferung stellt vor Herausforderungen, sondern auch die Art der Überlieferung: Man exzerpierte, legte Spruchsammlungen an, kürzte, erweiterte, änderte und ließ damit keinen Zweifel, dass es bei allen Texten auf den persönlichen Bedarf ankam und nicht auf den Respekt vor Autor und Werk.

Der Forschung bietet sich hier ein breites Aufgabenfeld: Wie lassen sich die Texte mit ihrer oft genug verworrenen Text- und Überlieferungsgeschichte editorisch am besten darstellen? Welche Informationen sind aus der Art und Weise ihrer Überlieferung zu gewinnen? Wie lassen sich über Einzeltexte hinaus die Handschriften als Ganzes würdigen? Was erzählen uns die Handschriften über die Frömmigkeit des späten Mittelalters und die Rolle, die die Literatur darin spielte? Das zweitägige Colloquium soll jungen Forschern Gelegenheit geben, eigene Projekte aus dem Bereich der geistlichen Literatur des Spätmittelalters vorzustellen, gemeinsam zu diskutieren und im wechselseitigen Austausch von den Erfahrungen der anderen zu profitieren. Vorgesehen sind Vorträge von 30–40 Minuten Länge mit anschließender Diskussion und der Möglichkeit für offene Gesprächsrunden.


Förderung und Organisation

Dieser Workshop wurde gefördert durch die Graduiertenschule für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Augsburg.

Organisatoren: Janina Franzke, Laurentiu Gafiuc, Michael Hopf (Doktoranden am Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters bei Prof. Dr. Freimut Löser)

Plakat, Flyer, Bericht


Unsere Gäste aus Belgien

Foto Ine

Ine Kiekens


eva_vandemeulebroucke

Eva Vandemeulebroucke


youri_desplenter

Youri Desplenter


Gruppenfoto

Foto

Michael Hopf, Hedwig Suwelack, Angila Vetter (hinten), Katrin Sturm (vorne), Eva Rothenberger, Janina Franzke, Julia Gold, Laurentiu Gafiuc, Sebastian Holtzhauer, Simon Falch, Freimut Löser, Klaus Wolf, Verena Linseis


Wir bedanken uns sehr herzlich bei

- unseren Gästen und allen Mitwirkenden,

- Stefan Hartmann für die Beratung und die finanzielle Unterstützung,

- Diana Albrecht und Marlies Grasse für das Catern

- sowie Markus Weber für die vielen Fotos.