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Grundsätze und Perspektiven


Mit Schreiben vom 30. 4. 1997 (Az.: IX/9-24g/12 (1)-24/50 074) hatte das Bayerische Staatsministerium für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst gem. Art. 41, Abs. 1 Satz 1 des Bayerischen Hochschulgesetzes (BayHSchG) das Institut für interdisziplinäre Informatik (I3) als fakultätsübergreifende Einrichtung der Universität Augsburg gegründet. Nach Ernennung des Leitungsgremiums am 22. 12. 1997 lud als ältestes Mitglied Prof. Dr. H.-J. Töpfer, Lehrstuhl für Praktische Informatik, zur konstituierenden Sitzung des Instituts ein. Auf seinen Vorschlag wurde Prof. Dr. Klaus Mainzer, Lehrstuhl für Philosophie und Wissenschaftstheorie, einstimmig zum geschäftsführenden Direktor gewählt. Als seinen Stellvertreter schlug Prof. Mainzer den Lehrstuhlinhaber für Praktische Informatik Prof. Dr. Werner Kießling vor, der ebenfalls einstimmig gewählt wurde. Dem Leitungsgremium des I3 gehören folgende Augsburger Professoren an: Prof. Dr. G. Bamberg, Prof. Dr. H.-U. Buhl, Prof. Dr. B. Fleischmann, Prof. Dr. H. Giegler, Prof. Dr. P. Hänggi, Prof. Dr. H. Hanusch, Prof. Dr. W. Heintschel v. Heinegg, Prof. Dr. R. H. Hoppe, Prof. Dr. D. Jungnickel, Prof. Dr. K. Kienzler, Prof. Dr. W. Kießling, Prof. Dr. K. Mainzer, Prof. Dr. B. Möller, Prof. Dr. O. Opitz, Prof. Dr. F. Pukelsheim, Prof. Dr. H.-J. Töpfer, Prof. Dr. A. Unwin, Prof. Dr. W. Vogler. (Siehe auch Leitung).

Die modernen Computer- und Informationstechnologien führen zu grundlegenden Veränderungen der Arbeits- und Lebenswelt. Damit sind neue Herausforderungen an nahezu alle Wissenschaften in Forschung und Lehre verbunden. Das I3 hat daher das Ziel, fachübergreifende Anwendungen der Computer- und Informationstechnologien in der Universität zu fördern und in Forschung und Lehre zum Ausdruck zu bringen. Gemäß seiner Zusammensetzung aus Informatikern, Mathematikern, Natur-, Wirtschafts-, Sozial-, Rechts- und Geisteswissenschaftlern ergeben sich für das I3 eine Reihe aktueller Forschungsthemen:

So führen in den Naturwissenschaften die gesteigerten Rechenkapazitäten von Computern (z.B. Parallelrechner, Supercomputing) zum verstärkten Einsatz von numerischen Verfahren, Computermodellen und 3D-Visualisierungen ('Virtual Reality'). Computerexperimente werden sogar in der reinen Mathematik bei der Problem-, Beweis- und Lösungsfindung angewendet. In der Physik werden z.B. komplexe Materialstrukturen oder Strömungsdynamik computergestützt modelliert. Komplexe Molekülstrukturen können durch CAMD ('Computer Aided Molecular Design')-Verfahren anschaulich visualisiert werden. Damit ergeben sich neue Perspektiven für z.B. technische Anwendungen der Materialforschung. Umweltfragen lassen sich in Computermodellen untersuchen, die aufgrund umfangreicher Datenerhebungen erstellt wurden. In den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sind mathematische Verfahren ohne Computereinsatz kaum noch denkbar. In Augsburg tragen Wirtschaftmathematik und Wirtschaftsinformatik dieser Entwicklung Rechnung. Die Herstellung von Kontakten zur Computer- und Informationsindustrie, aber auch z.B. zu Banken mit ihrem umfangreichen informationstechnologischen Einsatz ist ein erklärtes Ziel des I3. Computer- und Informationstechnologien führen zur weltweiten Vernetzung von Wirtschaft und Gesellschaft im 'World Wide Web'. Die Rede ist bereits von Teleworking, Telebanking und Teleshopping in virtuellen Märkten, Firmen, Banken und Kaufhäusern. Multimedia macht erst Globalisierung möglich. Die Trends der Multimedia-Gesellschaft werfen neue und schwierige Rechtsfragen auf. In den Geisteswissenschaften werden Computer- und Informationstechnologien nach der gesprochenen und gedruckten Sprache zur neuen Kulturtechnik. Im PC läßt sich Wissen aus Literatur, Geschichte und Kunst als computergestützter Hypertext multimedial erschließen. Der Leser navigiert nach seinen Interessen durch einen Informationsraum, dessen Daten-, Ton- und Videodokumente durch 'Hyperlinks' verbunden sind. Multimedia-Datenbanksysteme erlauben navigierenden Zugriff auf gespeichertes Bildmaterial und bildinhaltliche Recherchen. Die Gutenberg-Galaxis mit ihren klassischen Bibliotheken scheint sich im World Wide Web aufzulösen. Die computergenerierte ('virtuelle') Realität dieser Netzwelten wird bereits in der Philosophie diskutiert. Fragen der 'Künstlichen Intelligenz' und des 'Künstlichen Lebens' führen in das Zentrum moderner Erkenntnistheorie.

Neben der Forschung engagiert sich das I3 auch für den verstärkten Einsatz von Multimedia in der Lehre. Traditionelle Frontal-Vorlesungen in den Massenfächern könnten durch multimediale Hypertext-Systeme ergänzt werden, die von einzelnen StudentInnen oder kleinen Studiengruppen am PC interaktiv genutzt werden. Auf dem Internet erhöhen solche Lehrangebote die Attraktivität und Wettbewerbschancen einer Universität. Teleworking in virtuellen Universitäten wird in wenigen Jahren zum lebenslangen Lernen in der Informationsgesellschaft gehören. Am Ende ist klar: Im Computerzeitalter ist Know-How im Umgang mit den Informationstechnologien unverzichtbar. Das I3 dringt daher darauf, Zusatzqualifikationen aus dem Computer- und Multimedia-Bereich in allen Fakultäten anzubieten, um die Arbeitsplatzchancen aller Universitätsabsolventen zu erhöhen. Technisches Know-How ersetzt aber nicht soziale und kommunikative Kompetenz: Die Erziehung zum verantwortungsbewußten Umgang mit den Computer- und Informationstechnologien ist eine neue ethische Herausforderung.