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Impulse für eine geschlechtergerechte Schule
SS 2010


Der produktive und kreative Umgang mit Heterogenität ist eine der zentralen Herausforderungen für Schule und Unterricht. Im Gegensatz jedoch zu den sozialen Unterschieden, deren Wirkungen bereits beim Eintritt in das Bildungssystem deutlich auszumachen sind, ist im Hinblick auf die Geschlechterdifferenz ein besonderer Effekt zu konstatieren: Ausgehend von weitgehend identischen Startbedingungen, driften Qualität und Quantität von Bildungsbeteiligung der Geschlechter zwischen dem Eintritt in vorschulische Erziehungs- und Unterrichtsformen und dem Hochschulstudium bzw. der Berufsausbildung deutlich auseinander.

An der somit ausgewiesenen Verantwortung institutionalisierter Bildungs-prozesse setzt die Lehrerfortbildungsreihe des Zentralinstituts für didaktische Forschung und Lehre der Universität Augsburg im kommenden Sommer-semester an. Ein Vortrag zweier in der Forschung zu Geschlechterfragen ausgewiesener Nachwuchsforscherinnen, Dr. Verena Schurt und Dr. Wiebke Wabung, wendet sich an Lehrkräfte ebenso wie an Mitglieder der Schulleitungen und der Schulverwaltung sowie an interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Zwei praxisorientierte Workshops sind zudem auf die konkreten Bedürfnisse der Lehrkräfte aller Schulformen sowie von Schulsozialpädagogen und -psychologen ausgerichtet.

Flyer zur Veranstaltung


Vortrag:

Geschlechtergerechtigkeit in der Schule: Aktuelle Befunde und Perspektiven

Im Zuge der Bildungsexpansion der 1960/1970er Jahre hat sich die Situation der Schülerinnen im bundesdeutschen Bildungswesen deutlich verbessert. Mittlerweile sind Mädchen in der Schule erfolgreicher als Jungen, beispielsweise besuchen sie häufiger das Gymnasium und seltener die Hauptschule. Übersehen werden sollte jedoch keinesfalls, dass zum einen nicht alle Jungen benachteiligt sind, sondern dies vor allem für jene aus bildungsfernen Schichten und Familien mit Migrationshintergrund gilt. Zum anderen zeigt sich nicht für alle Mädchen eine vorteilhafte Situation; vielmehr finden sich ebenfalls Schülerinnen mit ungünstigen Chancen. Zudem sind mit Blick auf die Ergebnisse empirischer Studien nach wie vor Leistungs-, Interessens- und Selbstkonzeptunterschiede zwischen einem großen Teil der Jungen und Mädchen zu konstatieren.

Um zu einer verbesserten Förderung von Kindern und Jugendlichen hinsichtlich ihrer Bildungschancen beizutragen und eine schulische Ausbildung möglichst fern von Klischees zu erreichen, ist die intensive Auseinandersetzung mit der Thematik Gender und Schule in theoretischer wie praktischer Hinsicht unabdingbar. Im Rahmen des Vortrags werden dementsprechend aktuelle Daten und Fakten zur schulischen Situation von Mädchen und Jungen präsentiert. Ein zweiter zentraler Teil des Vortrags fokussiert auf Erklärungsansätze für die geschlechtsbezogenen Unterschiede. Den Abschluss bilden Anregungen, wie die Arbeit in der Praxis des Schulalltags möglichst geschlechtersensibel gestaltet werden kann.

Die Referentinnen

Dr. Verena Schurt, Dipl. Päd., studierte an der Universität Augsburg Pädagogik und war anschließend wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt „Schulkultur, Geschlechtersegregation und Mädchensozialisation“. In diesem Forschungskontext erstellte sie ihre Dissertation zu der Frage „Mädchenschulen – Dramatisierung oder Entdramatisierung von Geschlecht?“ Seit Juli 2009 ist Verena Schurt wissenschaftliche Koordinatorin des von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Promotionskollegs ‚Heterogenität und Bildungserfolg’ am ZdFL und leitet die Geschäftsstelle des Kollegs. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Gender Studies, qualitative und quantitative empirische Schul-/Unterrichtsforschung sowie Heterogenität als Faktor im Bildungswesen.

Dr. Wiebke Waburg, Dipl. Soz., studierte an der Universität Potsdam Soziologie und arbeitete anschließend im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt „Schulkultur, Geschlechtersegregation und Mädchensozialisation“. Im Rahmen des Projektes verfasste sie ihre Dissertation mit dem Titel „Mädchenschule und Geschlecht“. Seit 2008 ist Wiebke Waburg wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Pädagogik der Kindheit und Jugend und betreut das Wahlpflichtfach ‚Interkulturelle Pädagogik’. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Frauen-, Männer und Geschlechterforschung, qualitative Forschung, Interkulturelle Pädagogik.

Zielgruppe: Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten
Termin: Donnerstag, 20. Mai 2010
Zeit:18.15 - 19.45 Uhr
Ort: HS 1004, Physik-Hörsaalzentrum (Geb. T), Universitätsstraße 1
                               

Workshop 1:

Geschlechtergerechtigkeit in der Schule - Gender Mainstreaming als Basis einer geschlechtergerechten Lehr- und Lernkultur

PISA brachte es an den Tag: Die Leistungen von Schülerinnen und Schülern in den unterschiedlichen Fächern variieren geschlechtsspezifisch. Während die Stärken der Jungen im mathematisch-naturwissenschaftlich/technischen Bereich liegen, sind die Kompetenzen von Mädchen im sprachlichen und künstlerischen Bereich angesiedelt. Diese Differenzen sind jedoch weniger auf tatsächliche Unterschiede in der Begabung und den individuellen Fähigkeiten zurückzuführen, als vielmehr auf die implizite Vermittlung von Geschlechtsnormen durch den „heimlichen Lehrplan“ im Schulalltag. Schule ist ein Ort, an dem Schülerinnen und Schüler tagtäglich geschlechtstypische Rollen und Verhaltensweisen erfahren und ausbilden sowie auf Rollenbilder fixiert werden. Geschlechtergerechtigkeit im Allgemeinen und die Gender-Thematik im Speziellen sind daher inhaltlich, methodisch und didaktisch in allen Schularten als Querschnittsaufgabe zu realisieren, um eine geschlechtergerechte Schulkultur zu schaffen.

Ziel des Workshops ist die Analyse von Geschlechtsrollenzuschreibungen und Verhaltensmustern, die kritische Reflexion der eigenen Geschlechtsrolle, die Sensibilisierung für die unterschiedlichen Bedürfnisse von Mädchen und Jungen sowie das Erlernen von Möglichkeiten zur Gestaltung eines geschlechtergerechten Schulalltags und Unterrichts. Dabei sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie alle Beteiligten - Lehrer/innen, Schüler/innen, Eltern und Schulleitung - in die Schaffung einer geschlechtersensiblen Lehr- und Lernkultur miteinbezogen werden können. 

Das Seminar bietet eine praxisorientierte Einführung in die Strategie des Gender Mainstreaming in der Lebenswelt Schule, um Didaktik, Lehrpläne, Lernmaterialien, alltägliches Handeln analysieren und optimieren zu können sowie die aktive Sensibilisierung für geschlechtergerechte Wahrnehmung und die Ausarbeitung qualifizierter Handlungsmöglichkeiten.

Zielgruppe: Schulleitungen, Lehrer/innen aller Schularten
Vorläufiger Termin: Donnerstag, 10. Juni 2010
Zeit: 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr
Ort: Raum 3040, Präsidiumsgebäude (A)
Veranstaltungsgröße: max. 16 Teilnehmer/innen

Die Moderator/innen:

Sandra Struthmann, Dipl. Päd. Univ., Bereichsleiterin Wissenschaft und Forschung im Gender Zentrum der Universität Augsburg, systemische Beraterin (Univ.), zertifizierte Trainerin (Univ.)

Quirin Bauer, M.A., Bereichsleiter Projektmanagement & Organisationsberatung im Gender Zentrum der Universität Augsburg, stellvertretender Frauenbeauftragter der Universität Augsburg, systemischer Berater (Univ.), zertifizierter Trainer (Univ.)


Workshop 2:

Jungenarbeit an Schulen

In Ermangelung einer zielgruppenangepassten Jungenpädagogik geraten heute viele Anforderungen für die Jungen „plötzlich und unerwartet“ zu Überforderungen. Traditionelle männliche Rollenmuster korrespondieren nicht mehr mit gesellschaftlich lebensnotwendig gewordenen Flexibilitäten.

Jungenarbeit an Schulen muss sich daher verstärkt mit einem modernisierten Verständnis von Geschlechterrollen befassen, sowohl für deren Lebensplanung als auch in der täglichen Auseinandersetzung mit anderen Jungen, Mädchen, männlichen und weiblichen Erwachsenen. Ebenso ist der „Blick“ von Männern als auch von Frauen auf die Jungen als reflektorischer Prozess unabdingbar notwendig, um geschlechtsbewusst interagieren zu können.

Die Fortbildungsveranstaltung wird in drei Phasen eingeteilt:

• die Sensibilisierungsphase mit Übungen zur Reflexion von Geschlechterrollen

• einen theoretischen Input zur Jungenarbeit (Wissensvermittlung)

• einen handlungsorientierten Arbeitsteil, in dem mit Übungen und Gruppenarbeit eine konkrete Umsetzung für die eigenen Aufgabenbereiche erarbeitet wird (Transferphase).

Themen für die Transferphase können u.a. sein:

• Bildung von Jungen-AG’s

• Themen für die Jungenarbeit

• Geschlechterbewusster Unterricht

• Geschlechtsspezifische Angebote für Jungen

 

Der Moderator:

Andreas Haase, Jg. 1961, freiberuflich tätig als Gendertrainer und -berater, Jungen- und Männerarbeiter, Coach, Organisationsberater und -aufsteller, z. Zt. in Ausbildung als systemischer Familienberater und Affektkontrolltrainer, Mitherausgeber von „Switchboard - Zeitschrift für Männer und Jungenarbeit“ (www.maennerzeitung.de).

 

Zielgruppe: Lehrer/innen aller Schularten
Vorläufiger Termin: Dienstag, 29. Juni 2010
Zeit: 8.30 - 12.30 Uhr und 13.30 - 16.30 Uhr
Ort: Raum 3040, Präsidiumsgebäude (Geb. A)
Veranstaltungsgröße: max. 20 Teilnehmer/innen

Dieser Workshop wird im Rahmen des Programms „SchulePlus“ finanziell und organisatorisch unterstützt vom Schulreferat der Stadt Augsburg.


Hinweise:
Eine Anmeldung zum Besuch des Vortrags ist nicht erforderlich.
Ihre Anmeldung zur Teilnahme am Workshop sowie Rückfragen zu beiden Veranstaltungen können Sie richten an: anja.erdl@zdfl.uni-augsburg.de

Konzeption und Organisation (federführend):

Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden, Dr. Harry Kullmann, Anja Erdl

Veranstalter:

Zentralinstitut für didaktische Forschung und Lehre (ZdFL) der Universität Augsburg

Das ZdFL ist eine fakultätsübergreifende Einrichtung der Universität Augsburg, zu dessen Aufgabenspektrum u.a. die Konzeption und Organisation von Lehrerfortbildungen gehört.

Kontakt:

Anja Erdl (Geschäftsstelle)
Zentralinstitut für didaktische Forschung und Lehre
Universitätsstraße 10
86135 Augsburg
Telefon: + 49 (0) 821-598-5522
Telefax: + 49 (0) 821-598-145522