Im Wintersemester 2007/ 2008 veranstaltet das ZdFL eine Vortragsreihe zum Thema „Wie Schule gelingt – Beispiele für den erfolgreichen Umgang mit Heterogenität“. Diese erhält ihren Impuls aus der Tatsache, dass der produktive und kreative Umgang mit Heterogenität eine der zentralen Herausforderungen für Schule und Unterricht darstellt. Die Antworten auf die Verschiedenartigkeit der Schüler/innen erweisen sich nämlich immer dort als unzureichend, wo mangelnde Bildungserfolge zu verzeichnen sind – sei es im internationalen Vergleich der Bildungssysteme, in den Ergebnissen landesweiter Orientierungsarbeiten oder aus der Perspektive der lokalen Ausbildungsbetriebe. Gerade im deutschen Schulsystem muss zudem anhand des Bildungsverlaufs bestimmter Gruppen immer wieder die Frage nach der Bildungsgerechtigkeit gestellt werden. An diesem Punkt setzt die Vortragsreihe an und verknüpft die wissenschaftliche Perspektive auf den Zusammenhang von „Heterogenität und Bildungserfolg“ mit der Schulpraxis anhand erfolgreicher Beispiele. Die Vortragsreihe wendet sich an Lehrkräfte aller Schulformen ebenso wie an Mitglieder der Schulleitungen und der Schulverwaltung sowie an interessierte Wissenschaftler/innen.
Inhalte und Organisatorisches
Im Folgenden werden die Vorträge einzeln vorgestellt. Sie beginnen jeweils um 17.30 Uhr im Hörsaal 1004 des Hörsaalzentrums Physik der Universität Augsburg.
Vortrag am 08.11.2007:
Heterogenität in Schule und Unterricht – Ein aktueller Überblick
Prof. Dr. Herwartz-Emden & Gymnasiallehrer Harry Kullmann, Geschäftsführende Direktorin und Akademischer Rat am Zentralinstitut für didaktische Forschung und Lehre der Universität Augsburg.
Im Rahmen des Auftaktvortrages wird zunächst am Beispiel der Leistungsheterogenität sowie der Interkulturalität der Schülerschaft dargestellt, welche Defizite im Umgang mit Heterogenität hierzulande in den vergangenen Jahren evident geworden sind. Diskutiert wird zudem, wie die auf Systemebene diagnostizierten Probleme zur konkreten Herausforderung für Schule und Unterricht geraten und welche Lösungsansätze sich aktuell abzeichnen. Zum anderen erfolgt ein Ausblick auf die weiteren Vorträge der Reihe.
Vortrag am 15.11.2007:
Schatzsuche statt Defizitfahndung – Wege zur Begabungsförderung an Hauptschulen
OStD Christoph Weigert, Leiter der Hauptschule Weinbergerstraße, Neumarkt i. d. Oberpfalz.
Die Hauptschule Weinbergerstraße verzeichnet trotz einer schwierigen Ausgangslage – rund 70 Prozent der Eltern sind allein erziehend und rund 20 Prozent der Schüler haben einen Migrationshintergrund - große Erfolge. Besonders hervorzuheben ist die hohe Vermittlungsquote der Schule: 87 Prozent der Jugendlichen werden in Ausbildungsplätze und weiterführende Schulen vermittelt. Das Erfolgskonzept der Schule basiert auf einem systematischen, zielgruppenorientierten und nachhaltigen Vorgehen im Schulalltag. Vielfältige Unterrichtsmethoden geben den Jugendlichen die Möglichkeit, selbständiges Arbeiten kennenzulernen, ihre Lernzeit zu planen und Lernziele eigenständig zu verfolgen. Die Hauptschule Weinbergerstraße wurde mit dem Landeshauptschulpreis des Freistaats Bayern 2007 sowie den 2. Platz beim Bundeshauptschulpreis 2007 ausgezeichnet.
Link zur Hauptschule Weinbergstraße, Neumarkt i.d. Oberfalz
Vortrag am 29.11.2007:
Vom Recht auf freie Entfaltung der (Lern)Persönlichkeit - und wie man es in der Schule umsetzen kann
Direktorin einer Gesamtschule, Dr. Ingrid Ahlring, Leiterin der Helene-Lange Schule, Wiesbaden.
Die Helene-Lange-Schule ist eine Versuchsschule des Landes Hessen und Unesco-Projekt-Schule. 1986 wandelte sie sich von einem Gymnasium in eine integrierte Gesamtschule mit reformpädagogischer Prägung um. Sie gilt derzeit als eine der besten Schulen Deutschlands. Die Schule hat in vielen Veröffentlichungen Einblick in ihr Schulkonzept sowie ihre Unterrichtspraxis gegeben. Der Bildungsjournalist Reinhard Kahl machte sie durch verschiedene Filme bekannt. Dr. Ingrid Ahlring ist Mitglied im Redaktionsbeirat der Zeitschrift „Praxis Schule" und hat zahlreiche Publikationen zu Schulentwicklung und Unterricht veröffentlicht.
Link zur Helene-Lange-Schule, Wiesbaden
Vortrag am 13.12.2007:
Umgang mit Heterogenität im Gymnasium: Individualisierung durch Offenen Unterricht
OStD Dr. Erika Risse, Leiterin des Elsa-Brändström-Gymnasiums, Oberhausen, und Vorsitzende der Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime.
Das Elsa-Brändström-Gymnasium Oberhausen praktiziert seit vielen Jahren in unterschiedlicher Weise den Umgang mit der Vielfalt. Die auch an einem Gymnasium unterschiedlichen Schülerinnen und Schüler lernen individuell in offenen Unterrichtsformen: Ein langsamer Lerner bekommt Zeit zum Üben, dem schnellen wird die Möglichkeit geboten, die zu ihm passenden alternativen Lernwege zu beschreiten. Die Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung für ihr Lernen: Themenwahl, Sozialform und die Intensität des Lernens sind ihre Sache. Freiarbeit in den Klassenstufen 5 bis 7 und Projektarbeit in den Stufen 8 bis 10 gehören zum didaktischen Standardrepertoire dieses Gymnasiums. Lehrerinnen und Lehrer werden zu Beobachtern und Lernpartnern. Und Leistung bleibt nicht auf der Strecke.
Link zum Elsa-Brändström-Gymnasium, Oberhausen
Vortrag am 17.01.2008:
Umgang mit Vielfalt: Individuelle Förderung in der Schuleingangsphase
Gisela Schultebraucks-Burgkart, Leiterin der Grundschule „Kleine Kielstraße“, Dortmund.
"Was ist eine gute Schule für die Kinder, die hier aufwachsen?" hieß die Leitfrage der 1. Lehrerkonferenz der 1994 im Dortmunder Norden, einem Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf, neu gegründeten Grundschule „Kleine Kielstraße“. Sie wird beantwortet mit einem systemischen Ansatz, der die individuelle Förderung der Kinder, die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Eltern und die professionelle Kooperation im Kollegium miteinander verknüpft. Aufgrund ihres Konzepts gewann die Grundschule Kleine Kielstraße im Jahr 2006 den erstmals ausgeschriebenen Deutschen Schulpreis, der für herausragende Arbeit in mehreren Bereichen, darunter Leistung, Umgang mit Vielfalt, Schulleben sowie Schule als lernende Organisation verliehen wird.
Link zur Grundschule „Kleine Kielstraße“, Dortmund
Vortrag am 31.01.2008:
Wie Schule gelingt – Der schulpraktische Umgang mit Heterogenität aus wissenschaftlicher Perspektive.
Prof. Dr. Andreas Hartinger, Ordinarius für Grundschulpädagogik, Universität Augsburg.
Zum Abschluss der Vortragsreihe werden die dargestellten Beispiele aus der Schulpraxis zum Umgang mit Heterogenität aus wissenschaftlicher Perspektive beleuchtet und mit weiterführenden Erkenntnissen der didaktischen Forschung verknüpft. Diskutiert wird, inwieweit sich die einzelnen Beispiele verallgemeinern lassen, welche Maßnahmen für die Schulen der Region sinnvoll sein könnten und inwiefern wissenschaftliche Untersuchungen weiterführende Hinweise liefern.
Den Vortrag von Herrn Prof. Dr. Hartinger vom 31.01.2008 finden Sie hier.
Link zum Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik