Die Heterogenität von Schulen gründet in der zunehmenden grenzüberschreitenden Internationalisierung und dem binnengesellschaftlichen Pluralismus von Kulturen, Herkünften und Sprachen. Kulturelle Verschiedenheit findet sich in allen Schulformen und Schulklassen. Die Themen Interkulturalität und interkulturelle Verständigung haben in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung in den letzten Jahrzehnten einen starken Aufschwung erfahren. Interkulturelle Pädagogik fragt nach den Konsequenzen für das Aufwachsen, die Sozialisation und die Prozesse der Erziehung und Bildung; sie gilt als Querschnittsaufgabe, die für alle pädagogischen Bereiche relevant ist. Interkulturelle Kompetenz wird gerade von Lehrerinnen und Lehrern gefordert. Allerdings scheinen deutsche Schulen von einem sog. ‚monokulturellen Habitus‘ geprägt zu sein. Das deutsche Schulsystem hat die Schwierigkeit, Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen sprachlichen und soziokulturellen Hintergründen angemessen zu fördern.
An diesem Ausgangspunkt setzt die Lehrerfortbildungsreihe des ZdFL der Universität Augsburg an und widmet sich im Wintersemester 2008/09 der wissenschaftlichen Erörterung des Zusammenhangs von Migration, Integration und Bildung durch den international renommierten Migrationsforscher Klaus J. Bade sowie der Förderung interkultureller Kompetenzen in Form zweier Workshops. Die Workshops sind auf die schulpraktischen Bedürfnisse der Lehrkräfte aller Schulformen sowie auf Schulsozialpädagogen und -psychologen ausgerichtet. Der Vortrag von Herrn Prof. Dr. Klaus Bade (s.u.) wendet sich an Lehrkräfte ebenso wie an Mitglieder der Schulleitungen und der Schulverwaltung sowie an interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Vortrag:
Migration, Integration und Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg
Immer weiter geht die Schere auf zwischen der Mehrheitsgesellschaft und den Zuwanderern, so urteilt Klaus J. Bade über die jetzige Bildungs- und Ausbildungssituation von Migrantenkindern und –jugendlichen. Daten zur Bildungsbeteiligung, zu Schulabschlüssen und zur Ausbildungsbeteiligung sprechen eine deutliche Sprache. Das Bildungsdefizit von vielen Zuwanderern der ersten Generation wird an die nachkommenden Generationen weitergegeben und es wurden in der Vergangenheit keine Anstrengungen unternommen, um dies zu verhindern. Es gibt in Deutschland eine Mittelschicht, die zugleich zur Migrantengruppe zählt, aber sie ist klein, im Vergleich zur deutschen Bevölkerung, und sie könnte größer sein, so der Migrationsforscher Klaus J. Bade, hätte man rechtzeitig in Aufstiegschancen investiert. Die jetzige Integrationspolitik hat diese Versäumnisse nun in Angriff genommen, Erfolge sind zu erwarten – es geht voran; aber die Folgen der Versäumnisse der Vergangenheit bleiben eine Zusatzbelastung für die Gegenwart und die Gestaltung der gemeinsamen Zukunft in der Einwanderungsgesellschaft.
Der Referent: Klaus J. Bade
Prof. Dr. phil. habil., geb. in Sierentz (Elsass) 1944, o. Univ. Prof. em. (Neueste Geschichte), Universität Osnabrück. Historiker, Migrationsforscher, Politikberater. Begründer des Osnabrücker ›Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien‹ (IMIS), des ›Rates für Migration‹ (RfM) und der ›Gesellschaft für Historische Migrationsforschung‹ Autor und Herausgeber von rund 40 Büchern und zahlreichen anderen Veröffentlichungen zur Kolonialgeschichte, zur Sozial-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte sowie zur Entwicklung von Bevölkerung und Wanderung in Geschichte und Gegenwart.
Der Vortrag wird von den Lehrerbildungszentren der Ludwig-Maximilian-Universität München, der Technischen Universität München sowie der Universität Augsburg gemeinsam veranstaltet und ist Teil der Reihe "Brennpunkte der Lehrerbildung".
Interkulturelles Lernen - interkulturelle Kompetenzen - reflexive Interkulturalität im Kontext Schule
Die Gesellschaft hat sich durch die Globalisierung und durch Migrationsprozesse grundlegend verändert. Sie ist multikultureller geworden, (kulturelle) Differenzen haben zugenommen. Dies wirkt sich auch auf alle gesellschaftlichen Institutionen aus. Immer mehr Schülerinnen und Schüler haben einen familiären Migrationshintergrund. Welche Konsequenzen hat das für Schule und Unterricht?
Ausgehend von den Erfahrungen der am Workshop teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer wird auf grundlegende Zusammenhänge eingegangen: Was bedeutet die Zunahme von (kulturellen) Differenzerfahrungen? In welchem Ausmaß kommen Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit vor? Wie können kulturalistische Zuschreibungen vermieden und wie kann das Zusammenleben von Mehrheit und Minderheiten gestaltet werden? Welcher Zusammenhang besteht zwischen interkulturellen Kompetenzen und sozialen Kompetenzen? Wie können interkulturelle Lernprozesse in der Schule organisiert werden?
Arbeitsmethoden sind unter anderem Erfahrungsaustausch, fachlicher Input, Diskussion und Gruppenarbeit. Vorgestellt werden unter anderem aktuelle Ergebnisse der Identitätsforschung und das Konzept der Reflexiven Interkulturalität.
Der Dozent:
- Peter Nick (2003): Ohne Angst verschieden sein. Differenzerfahrungen und Identitätskonstruktionen in der multikulturellen Gesellschaft. Frankfurt / New York: Campus.
- Ders. (2008): Evaluation: „Das Mitmachen hat richtig Spaß gemacht“ – Auswertung der Erfahrungsberichte der Kooperationsprojekte von „Multi Action – aber wie!“ des Bayerischen Jugendrings zur Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. In: Veröffentlichung des Bayerischen Jugendrings. München (im Erscheinen).
Kompaktworkshop:
Interkulturelles Lernen und Integration im Schulsport
„Integration durch Sport“ ist ein Werbeslogan des Landessportverbands, der verdeutlicht, welche Leistungen vom Vereinssport zwischenzeitlich erwartet werden. Auch vom Schulsport wird in immer deutlicherer Form verlangt, dass er nicht nur die motorische Leistungsfähigkeit und die Teilhabe an der aktuellen Sportkultur sicherstellen kann, sondern zudem das interkulturelle Verständnis fördert.
Doch wie ist die Befundlage zur Thematik? Dieser Frage wird in einem ersten (theoretischen) Teil anhand eines Forschungsüberblicks zur Integrationsproblematik im Sport nachgespürt. Ein zweiter Teil widmet sich anschließend der praktischen Umsetzung anhand einiger Spiele und Übungen, mit denen sowohl das interkulturelle Lernen als auch die gezielte Integration verschiedener Schülergruppen erreicht werden kann.
Dieser zweite Teil findet in der Sporthalle statt, weshalb das Mitbringen von Sportbekleidung notwendig ist.
Anfahrt Skizze Universität Augsburg
Die Dozenten:
Prof. Dr. Helmut Altenberger (Universität Augsburg), Lehrstuhlinhaber für Sportpädagogik an der Universität Augsburg beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit Fragen zum Schulsport, seit neuestem auch in Verbindung mit der Thematik „Integration“.
Jürgen Hofmann (Universität Augsburg) besitzt fundierte Kenntnisse im Bereich der empirischen Sport-Jugend-Forschung sowie der interkulturellen Bildungsarbeit und arbeitet seit zwei Jahren intensiver im Bereich der Integrationsproblematik.
Jürgen Kothy (angefragt, Ruhr-Universität Bochum) hat schon in den 80er Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich der Sportsoziologie die Integrationsforschung beim Deutschen Sportbund (DSB) wissenschaftlich begleitet und ist mit den Problemlagen aus verschiedenen Perspektiven vertraut.
Workshop:
Interkulturelles Training - Erfolgreiche Verständigung im Unterricht
Lehrerinnen und Lehrer betreuen eine „bunte Vielfalt“ von Kindern und Jugendlichen aus einheimischen Familien, Migrantenfamilien der ersten, zweiten und dritten Generation, in Deutschland geborene Kinder bi- oder multinationaler Familien, Familiennachzügler sowie Flüchtlinge.
Die Grundmuster des Verhaltens, des Fühlens und Denkens von pädagogischen Fachkräften und Kindern und Jugendlichen aus Familien mit und ohne Migrationshintergrund sind oft sehr unterschiedlich. Daraus ergeben sich im beruflichen Alltag oft Befremden und Befangenheit in der Verständigung. Enttäuschungen, Spannungen, Missverständnisse sowie Prozesse der Abgrenzung hindern die Lern- und Lehrmotivation.
Das Interkulturelle Training sieht kulturelle Vielfalt als gesellschaftliche Ressource und setzt an den Fähigkeiten, Stärken und Ressourcen der Beteiligten in Lernprozessen an. In diesem Workshop werden bewährte Methoden aus dem interkulturellen Training vorgestellt und geübt. Die Reflexion über die Umsetzung dieses Trainings in der pädagogischen Arbeit von Lehrkräften ist integrierter Bestandteil des Trainings. Der Workshop bietet somit die Möglichkeit, sich praxisorientiert mit interkultureller Kompetenz auseinander zu setzen und Impulse für die eigene Arbeit zu gewinnen.
Anfahrt Skizze Universität Augsburg
Bildungsreferentin für Interkulturelle Kommunikation und freiberufliche Referentin an der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen, dem PI München und der Stadtakademie Augsburg, Koordinatorin für interkulturelle Konfliktmediation bei der AWO München,
Ausbilderin für interkulturelle Fachberater/Innen am BFZ Augsburg, für Genderpädagogik am Institut für Jugendarbeit in Gauting sowie Dozentin für die Schulung interkultureller Dolmetscher der Stadt Ludwigsburg. Frau Mühlig-Versen hat zahlreiche Zusatzausbildungen zum Thema Interkulturelle Verständigung, Coaching und Mediation absolviert.
Anmeldung zu den Workshops bitte unter: https://fibs.schule.bayern.de/ Suchkennwort "zdfl" (bitte mit Anführungszeichen) oder per Email an zdfl@uni-augsburg.de