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Studium und Lehre


Prof. SchneiderIn Deutschland gibt es gegenwärtig 36 Universitäten, an denen ein Medizinstudium angeboten wird. Nun soll auch in Augsburg Medizin auf dem Stundenplan stehen. Damit an der neuen Fakultät die auszubildenden Ärztinnen und Ärzte optimal vorbereitet werden, wird ein Modellstudiengang entwickelt. Davon gibt es in Deutschland bisher neun Stück – in Bayern ist Augsburg der erste. Über den geplanten Medizinstudiengang, der gemeinsam mit Medizindidaktikern aus München und Kollegen aus dem Klinikumkonzipierten  entwickelt wurde, berichtet Prof. Dr. Werner Schneider, Vizepräsident für Lehre und Studium der Universität Augsburg.


Was ist ein Modellstudiengang?

Verlauf, Inhalte und Prüfungen des Studiums der Humanmedizin sind in Deutschland verbindlich in der Approbationsordnung festgelegt. Um innovative Studiengänge gestalten und somit die Medizinerausbildung auch verbessern zu können, sind seit 1999 Modellstudiengänge möglich. Diese können von den verbindlichen Regeln in manchen Aspekten abweichen. Der Wissenschaftsrat hat 2013 die neun Modellstudiengänge in Deutschland evaluiert und ausgehend davon Empfehlungen für das Medizinstudium entwickelt.

Was wird in Augsburg anders?

Grundsätzlich wird in Augsburg die gleiche medizinische Ausbildung vermittelt,
wie an anderen Standorten. Der Aufbau des Studiengangs orientiert sich aber
stärker an den ärztlichen Rollen und den Kompetenzen, die dabei gefordert sind als an der klassischen Fächerstruktur. Die Studieninhalte werden größtenteils themenzentriert vermittelt. Das bedeutet konkret, dass die Studierenden ein Modul „Sinnesmedizin“ absolvieren und die dazu passenden Fächer wie z. B. Augenheilkunde, Chirurgie, Labormedizin, Pathologie oder Pharmakologie die zugehörigen Inhalte beisteuern. Auch wenn die einzelnen Fächer für die Studierenden erkennbar bleiben werden, sind die Inhalte doch thematisch bzw. nach Organen gebündelt.

Ein weiterer Aspekt ist, dass unser Studiengang nicht strikt in eine vorklinische Phase – hier werden die natur- und sozialwissenschaftlichen, theoretischen Grundlagen der Medizin vermittelt – und eine darauf folgende klinische Phase – hier findet sich z. B. Innere Medizin, Neurologie, Arbeitsmedizin – gegliedert ist, sondern beide miteinander verschränkt. Die Studierenden dadurch früher klinische Inhalte kennenlernen und somit auch früher Einblicke in die medizinische Praxis am Klinikum Augsburg erhalten. So können Sie bereits früh Kompetenzen im Umgang mit Patienten aufbauen, wenn sie erfahrene Ärztinnen und Ärzte bei deren Arbeit begleiten. Hier sieht unser Konzept vor, dass die angehenden Mediziner in Kleingruppen arbeiten und nicht ein großer Tross an Studierenden einem Chefarzt bei der Visite folgt. Außerdem ist uns wichtig, dass wir Ärztinnen und Ärzte ausbilden, die die wissenschaftliche Denkweise, die an der Universität vermittelt wird, auch später im Beruf stärker beibehalten. Für die passende Auswahl diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist das sehr wichtig.

Wie viele Medizinstudierende erwartet die Universität Augsburg?

Insgesamt werden letztendlich 1500 Studierende der Medizin bei uns eingeschrieben sein. Natürlich erfolgt der Aufbau des Studiengangs in einzelnen Schritten. So werden im ersten Jahrgang etwas über 80 junge Medizinerinnen und Mediziner starten. Später wird ein Jahrgang dann über 200 Studierende umfassen.

Was bedeutet das dann für das Klinikum Augsburg?

Das Klinikum Augsburg ist aktuell ein Lehrkrankenhaus für die Münchner Universitäten und hat daher bereits Erfahrung mit Studierenden, die im klinischen Teil ihres Studiums regelmäßig an einer Klinik sind. Die Voraussetzungen sind hier also sehr gut.

Der Wissenschaftsrat regt die Ausbildung von „data scientists“ im Rahmen eines Masterstudiengangs an.

Der Wissenschaftsrat regt konsequenterweise an, neben Ärztinnen und Ärzten
auch Experten im Bereich Medical Information Sciences auszubilden. Das ist eine stimmige Idee, die sich auch mit den Überlegungen der Universität deckt, passend zu den Forschungsschwerpunkten auch weitere Studienangebote zur Humanmedizin zu entwickeln.