Die etwa 2800 Arbeitsplatzcomputer der Universität setzen zu 80% ein Microsoft Betriebssystem, zu 15% Linux und zu 5% ein anderes Betriebssystem ein. Eine manuelle Installation dieser Computer ist sehr zeitaufwändig und wenig effizient. Für jedes einzelne System würde die Installation und Konfiguration mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Daher arbeiten die beiden Arbeitsgruppen Windows-und Linux-Installation an einheitlichen Methoden zur schnellen, flexiblen Installation und Konfiguration von Betriebssystem und Anwendungen. Wichtig bei diesen Konzepten ist, dass die Methoden die derzeit noch heterogene IT-Landschaft und die spezifischen Verwaltungsstrukturen der Universität berücksichtigen.
Als Grundlage der Arbeitsplatzinstallation wurden Installations-, Betriebs-und Sicherheitsrichtlinien entworfen, um eine standardisierte Installation zu erhalten. So wurde bei der Konzeption der Installation auf eine konsequente Trennung von computer- und benutzerspezifischen Daten geachtet, wodurch der Arbeitsplatzcomputer ohne Verlust der persönlichen Daten neu installiert werden kann. Diese Standardisierung bietet viele Vorteile aus Sicht des Kunden und der für die PC-Arbeitsplatz-Installation verantwortlichen Mitarbeiter. Beispielsweise kann präzise bestimmt werden, welchen Einfluss eine Änderung auf den Inhalt der Arbeitsplatzinstallation hat. Auch ermöglicht die Standardisierung eine effektivere Betreuung des Kunden, da die Konfiguration der Anwendungen auf allen Arbeitsplatzrechnern einheitlich und dokumentiert vorliegt, wodurch sich Fehlerquellen schneller identizieren lassen.
Für Microsoft Betriebssysteme orientiert sich die Installationsmechanik am Microsoft Business Desktop Deployment Solution Accelerator (BDD 2007), für Linux am Fully Automatic Installation (FAI) System des Debian GNU/Linux Projektes. Beide Verfahren wurden weiterentwickelt und erweitert, um den Anforderungen der Universität Augsburg gerecht zu werden: so verfügen beide Installationsverfahren über je ein versionierbares Konfigurationsverzeichnis, über das eine zentrale Verwaltung individueller Arbeitsplatzinstallationen möglich wird. Die Administration dieser Verzeichnisse ist delegierbar und fügt sich somit in die Strukturen der Universität gut ein.
Damit konnte eine schnelle und individualisierbare Installation für die Betriebssysteme Microsoft Windows XP und Debian GNU/Linux erreicht werden. Durch die standardisierte Installation ist gewährleistet, dass sowohl unter Windows als auch unter Linux die Werkzeuge für die Erfüllung alltäglicher Aufgaben eines Endbenutzers bereitgestellt sind. Alle erfoderlichen Anwendungen sind in der Grundinstallation für beide Betriebssyteme enthalten. Die Notwendigkeit, sich für eines der beiden Betriebssystem entscheiden zu müssen, liegt - vom technischen Standpunkt aus gesehen - nur noch an zusätzlichen Spezialanwendungen, die nur für eines der beiden Betriebssysteme verfügbar sind. In der Praxis spielen natürlich noch andere Faktoren bei der Entscheidung für das eine oder andere Betriebssysteme die ausschlaggebende Rolle. Das Ziel aber, für beide Betriebssystemwelten einheitliche Ziele und einheitliche Vorgehensweisen zu entwicklen, ist erreicht worden. Die entwickelten Verfahren haben sich im Universitätsalltag bereits etabliert.
Zusammenfassend darf festgestellt werden, dass für die Installation von Arbeitsplatzcomputern Verfahren bereitstehen, welche auf universitär oder industriell bewährten Mechanismen und Standards beruhen. Innerhalb des ersten Projektabschnitts wurden die Arbeitsplatzcomputer mit den entwickelten Methoden installiert. Die Möglichkeit einer schnellen, standardisierten und individualisierbaren Installation wurde von den DV-Betreuern und Anwendern sehr positiv aufgenommen. Anhand der Ergebnisse werden nun fehlende Funktionen der Installationsmethoden ergänzt und die eingesetzten Verfahren optimiert.
Zur Zeit wird an der Unterstützung der neuen Betriebssysteme Microsoft Windows Vista und Debian GNU/Linux 4.0 (Codename "Etch") durch die entworfenen Installationsmechanismen gearbeitet. Dazu werden die Anwendungen, die in den bereits standardisierten Installationen vorliegen, auf ihre Kompatibilität zu den neuen Betriebssystemen untersucht. In Kooperation mit den Arbeitsgruppen zur Softwarestandardisierung werden die bestehenden Richtlinien für Arbeitsplatzcomputer an die Konditionen der neu hinzukommenden Betriebssysteme angepasst und erweitert
Mit dem Installationsdienst, den die Arbeitsgruppen Windows-und Linux-Installation bereitstellen, kann ein Arbeitsplatzcomputer von der Softwareseite aus in einen betriebsbereiten Zustand versetzt werden. Die dabei erzeugte Konfiguration ist jedoch nur eine Momentaufnahme. Möchte ein Kunde beispielsweise einige Wochen nach der Installation eine weitere Anwendung hinzufügen, gibt es für ihn keinen definierten Weg, diese Applikation auf seinem Arbeitsplatzcomputer geregelt zu installieren. Zwar kann sich der Kunde die Anwendung aus dem Internet (oder von einer CD/DVD) laden und manuell installieren. Auf diese Weise ist aber nicht garantiert, dass die Konfiguration des Arbeitsplatzcomputers weiterhin den Richtlinien der Universität entspricht. Es fehlt somit eine Möglichkeit, auf einem vorgegebenen Weg Änderungen an der Konfiguration und dem Softwarebestand eines Arbeitsplatzcomputers vorzunehmen.
Diese Möglichkeit wird durch die Arbeitsgruppen Windows-und Linux-Installation innerhalb eines Rahmens geschaffen, welcher sich an das ITIL Application Management anlehnt. Dadurch wird jede Anwendung während ihres Lebenszyklus begleitet:
Diese Prozesse werden von den Arbeitsgruppen Windows- und Linux-Installation konzipiert und die Schnittstellen zu weiteren ITS-Arbeitsgruppen herausgearbeitet, deren Dienste während des Anwendungslebenszyklus in Anspruch genommen werden. Die Arbeitsgruppen Windows-und Linux-Iinstallation koordinieren die Zusammenarbeit der am Applikationslebenszyklus beteiligten Arbeitsgruppen und sind für die Umsetzung der Verfahren verantwortlich.
In Kooperation mit den Arbeitsgruppen IT-Support und Softwarestandardisierung wird die Menge an Anwendungen festgelegt, welche an der Universität Augsburg unterstützt werden sollen und das Anwendungsportfolio bilden. Ein Teil dieses Anwendungsportfolios wird in Absprache mit den DV-Betreuern für eine Konfiguration auswählt, die allen universitären Arbeitsplatzcomputern gemeinsam sein soll. In Verbindung mit den IT-Richtlinien bilden diese Anwendungen den "Standard Desktop"-Arbeitsplatzcomputer der Universität Augsburg.
Als weiterer Dienst der Arbeitsgruppen Windows-und Linux-Installation ist eine Funktion geplant, über die Kunden selbstständig den Applikationslebenszyklus anstoßen können, beispielsweise um neue Anwendungen für ihren Arbeitsplatzcomputer zu beantragen. Diese Funktionalität ließe sich beispielsweise in Form eines Software-Shops manifestieren.
In diesen Arbeitsbereichen, die sich mit Betriebskonzepten beschäftigen, wird eine weitgehend automatisierte Installation für PCs aufgebaut, die auch die passende Konfiguration für die Einbindung der Systeme in die IT-Infrastruktur vornimmt. Trotz des Namens WARIKO (Windows Arbeitsplatz Installation und Konfiguration) handelt es sich dabei um ein einheitliches Installationssystem sowohl für Linux- als auch Windows- Arbeitsplätze. Eine ausführliche Beschreibung findet sich unter http://www.uniaugsburg.de/wariko.
Die wesentlichen Konstruktionsprinzipien von WARIKO: Auf dem Installationsserver wird „Wissen“ über die zu installierenden Arbeitsplatzsysteme abgelegt, das im Wesentlichen aus Informationen wie Betriebssystemart und Version, Konfiguration und Sicherheitseinstellungen sowie den zu installierenden Anwendungen besteht. Diese Informationen werden in einer hierarchischen Struktur organisiert, die der Struktur der Rechneradministration innerhalb der Universität entspricht. Da die Konfigurationen innerhalb des Baumes nach unten vererbt werden, können globale Einstellungen für ganze Bereiche oder sogar für die gesamte Universität durchgesetzt werden, wie es beispielsweise bei den Sicherheits- und Update-Einstellungen der Fall ist.
Je nach gewünschtem Betriebssystem stellt der Installationsdienst passende Skripten zur Verfügung, die eine vollautomatische Installation gewährleisten. Außerdem werden die Betriebssysteme mit aktuellen Sicherheitsupdates und alle geforderten Anwendungen in vorkonfigurierter Form über NFS- oder SMB-Freigaben angeboten. Für die eigentliche Installation stehen verschiedene Installationswege zur Verfügung: vollständig über das Netzwerk, mittels CD/DVD plus Netzwerk oder vollständig per DVD. Letzteres ermöglicht die Offline-Installation auf Rechnern mit schlechter Netzwerkanbindung oder die Installation beim EDV-Lieferanten. Die benötigten CD- und DVD-Medien werden seit August 2007 monatlich aktualisiert zur Verfügung gestellt. Als Installationsziel werden Linux- und Windows(XP)-Systeme unterstützt. WARIKO wird sowohl für die Erstinstallation, als auch zum Zwecke der Systemwartung und - rettung auf Arbeitsplatz-, Notebook- und auch auf Serversystemen eingesetzt. Eine komplette Installation dauert je nach Softwareumfang und Rechnerhardware zwischen 20 Minuten und einer Stunde und kann beim Booten des Rechners „auf Knopfdruck“ angestoßen werden. Obwohl derzeit noch weitere Verbesserungen am System vorgenommen werden, ist die Nachfrage bereits sehr hoch. So werden heute alle neu ausgelieferten Arbeitsplatzsysteme, die Rechner aller CIP-Pools der Universität, die Server des Rechenzentrums und ein Großteil der Mitarbeiter-PCs mit WARIKO installiert. Die vorkonfigurierten Anwendungen und Systemeinstellungen lassen sich auch nachträglich vollautomatisch auf die Systeme aufspielen. Pro Installationsvorgang werden mindestens fünf Arbeitsstunden eingespart. Universitätsweit bedeutet das eine Zeitersparnis im Umfang von mehr als fünf Stellen jährlich.
Die weiteren Arbeiten bis 2009 umfassen den Ausbau der Unterstützung mobiler Geräte, eine Erweiterung um die Betriebssysteme Windows Vista und Ubuntu Linux und den Ausbau des Angebots an vorkonfigurierten Anwendungen. Die für den laufenden Betrieb anfallenden Arbeiten bestehen darin, die Betriebssystem-Updates und das Anwendungsepository auf dem aktuellen Stand zu halten und in regelmäßigen Abständen erforderliche CD- und DVD-Medien bereitzustellen.