"Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle, es ist das Grundgefühl, das an der Wiege wahrer Wissenschaft steht." (Albert Einstein)
| Kennzeichen von Wissenschaft (nach Ken Wilber) |
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| Thema: | Was wird untersucht? |
| Methode: | Wie wird der "Gegenstand" untersucht? (empirisch, experimentell, statistisch, interpretativ-argumentativ, usw.) |
| Systematik: | Welche Forscher haben bereits den "Gegenstand" untersucht, mit welchen Fragestellungen, Methoden, Ergebnissen (Theorien) |
| Kommunikation / Diskussion: |
Wissenschaftliche Untersuchungen werden veröffentlicht und zur Diskussion gestellt in Fachzeitschriften, Büchern, in Vorträgen auf Tagungen und Konferenzen, in den Forschungsnetzen des Internet |
| Konvention: | Wissenschaft ist das Ergebnis eines Gedankenaustausches zwischen den Forschern; sie ist Ausdruck von Denkregeln, Sprach- und Verhaltensgewohnheiten, auf die sich die Forscher im Verlauf der Geschichte ihrer Wissenschaft geeinigt haben. |
Jede Fachwissenschaft hat im Laufe ihrer Entwicklung ihre besondere Perspektive entwickelt, unter der sie Ausschnitte des Lebens und der Welt betrachtet und Erkenntnisse darüber gewinnt. Der Gegenstand eines Faches, ein Problem, eine Hypothese oder These, oder einfach nur ein "Thema" ist Ausgangspunkt wissenschaftlichen Forschens.
Was ist das Besondere an einer "wissenschaftlichen" Erkenntnis? Wann bekommt eine Erkenntnis die Qualität von "Wissenschaft"? Wann gelten Meinungen, Aussagen und Lehrsätze als "wissenschaftlich fundiert"? Wer bürgt für die Richtigkeit einer Information, einer Theorie?
Es ist sicher nicht wissenschaftlich einfach zu behaupten: "heute regnet es". Diese Aussage gewinnt jedoch dann an "wissenschaftlicher" Qualität, wenn ich gleichzeitig beschreibe, wie ich zu dieser Erkenntnis gelangt bin. Woher habe ich mein Wissen? Habe ich aus dem Fenster geschaut, bin ich gerade selbst im Regen vor der Tür gestanden, habe ich meine Information aus dem Wetterbericht der Tageszeitung, dem Fernsehen, dem Bauernkalender oder aus dem Internet?
Wissenschaft ist wesentlich gekennzeichnet durch ihre Methode. Wissen gilt dann als wissenschaftlich, wenn der Weg zur Erkenntnis nachzuvollziehen ist. In der Wissenschaft geht es nicht um Behauptungen, Glauben und Dogmen, sondern um transparente, überprüfbare Erkenntniswege. Das aus dem griechischen stammende Wort "Methode": ("meta"=nach, hinter und "hodos"=der Weg) meint einen Weg, dem man folgen, den man nachgehen kann.
Das kann ein Gedankengang, ein bestimmtes Denkmuster oder ein Experiment sein. Wird es beschrieben, so kann man ihm folgen wie einer Landkarte, die hilft einen bestimmten Ort zu finden.
Gespräche und Diskussionen unter den Gelehrten bestimmten im Laufe von Jahrhunderten die Weiterentwicklung der Wissenschaft und ihre Aufsplitterung in die heutigen Fachgebiete. Im wissenschaftlichen Diskurs werden Erfahrungen widerlegt oder bestätigt. Man einigt sich auf eine gemeinsame Sichtweise und Sprache, findet neue Begriffe, formuliert unterschiedliche Standpunkte oder differenziert ganz neue Fachgebiete heraus.
Durch den ständigen gedanklichen Austausch, die tägliche Kommunikation der Wissenschaftler untereinander, haben sich die Fachwissenschaften - ihre Grundbegriffe, Methoden und Theorien -, d.h. ihre Systematik im Laufe vieler Jahre entwickelt.
Auf die Vergangenheit bezogen ist Wissenschaft Tradition, Übereinkunft und Konvention. In Bezug auf die Zukunft ist sie ein offener, evolutionärer Prozeß. Jeder Abiturient, der sich heute für ein Studium entscheidet, kann diesen Prozess mitgestalten.