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Lisa Kolb


"Une révolution avantageuse et nécessaire". Strategien der sprachlichen und medialen Vermittlung von Reformprojekten der OeG Bern

Im Zentrum meines Forschungsvorhabens steht die Frage nach einer charakteristischen Sprache der Ökonomischen Aufklärung im Berner Ancien Régime. Die Oekonomischen Gesellschaft Bern versuchte von 1759 an, verschiedenste (meist landwirtschaftliche) Reformprojekte zu entwickeln, zu propagieren und zu implementieren. Ziel war die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Berner Republik und damit einhergehend die Sicherstellung einer guten und gerechten Ordnung. Angesichts der Zweisprachigkeit der Berner Bevölkerung einerseits und der Ansprache eines gelehrten wie eines breiteren ungebildeten Publikums andererseits waren spezifische und differenzierte Wege der Popularisierung und Legitimierung der Reformvorschläge erforderlich. Die Vielzahl verwendeter Medien, die sich dezidiert am jeweiligen Zielpublikum ausrichteten, korrespondierte, so die Grundannahme meiner Arbeit, mit einer Ausdifferenzierung auf sprachlicher Ebene. Wie unterschieden sich die Argumentationslogiken, die Begriffe, Bilder und Topoi in Preisausschreiben, Flugblättern, Volkskalendern, Enzyklopädien und Journalen der Gesellschaft? Lassen sich dennoch Gemeinsamkeiten feststellen, die es erlauben, von einer typischen Sprache zu sprechen? Das europaweite Renommee der Gesellschaft dürfte nicht zuletzt ihrer sprachlichen und medialen Anschlussfähigkeit gegenüber verschiedenen Adressatenkreisen geschuldet gewesen sein. Um diese These zu überprüfen, analysiere ich in meinem Dissertationsprojekt gleichermaßen das aufgefächerte Medienportfolio wie auch prägende Diskurse mit einem besonderen Augenmerk auf Übersetzungsvorgänge – zwischen der deutschen und französischen Sprache und umgekehrt, aber auch zwischen verschiedenen soziokulturellen Sprachsystemen.

Das Promotionsprojekt wird gefördert durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes.