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Christian Weiblen


Weltbeschreibung zwischen Literatur und Naturwissenschaft: Raoul Schrotts Erste Erde. Epos im Kontext von Alexander von Humboldts Kosmos - Entwurf einer physischen Weltbeschreibung

Raoul Schrott hat mit Erste Erde. Epos einen Text vorgelegt, der das gesamte Wissen über die Welt zu fassen versucht – und sich somit in die Tradition eines Universalgelehrten wie Alexander von Humboldt eingeschrieben, der mit seinem Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung ein ähnliches Unterfangen anstrebte, wenn auch mit anderen Mitteln, Zielen und Voraussetzungen. Schrotts Anspruch, das Wissen über die Welt in einem Text zu vereinen, erscheint im ausdifferenzierten 21. Jahrhundert, in dem eine allumfassende Beschreibbarkeit von Welt stark infrage gestellt wird, erstaunlich. Gerade diesem – nicht zuletzt von den Erkenntnissen der modernen Physik ausgelöstem – Zweifel stellt Schrott ein Werk entgegen, das Dichtung und Wissenschaft zu einem universalen Epos vereint. Mit welchen literarischen Stilmitteln und narrativen Strategien versucht der Autor seinem Anspruch gerecht zu werden? Ist es überhaupt noch möglich, Welt zu beschreiben und wenn ja, welche Rolle spielt hierfür die Imaginationskraft der Literatur? Diese Fragen dienen als Ausgangspunkt dafür, das sich wandelnde Verhältnis von Literatur und Naturwissenschaft von Humboldt bis heute sichtbar zu machen sowie die von Schrott verwendete Gattung Epos neu zu begründen, sie als Wegweiser für ein Verständnis der wechselseitigen Verwobenheit der beiden Welterklärungsmodelle zu begreifen und Konsequenzen für eine zeitgenössische Ethik des Schreibens aufzuzeigen.