„Zentralbanken als politische und ökonomische Akteure auf nationaler und supranationaler Ebene“ (Arbeitstitel)
Geht es nach einem der profiliertesten deutschen Geldtheoretiker des 20. Jahrhunderts, Rudolf Stucken, so handelt es sich bei Fragen rund um das Thema Zentralbanken um Schicksalsfragen eines Volkes. Kaum ein Thema beherrscht die tägliche Medienberichterstattung seit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers und dem Bekanntwerden der desaströsen Haushaltssituation in sämtlichen südeuropäischen Staaten so sehr wie die Frage nach der Stabilität des Geldes und der Zukunft des Euro-Währungsraumes.
In der jüngsten Finanz-, Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise ist ein Akteur in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt, dem bis vor ein paar Jahren häufig noch der Nimbus des Diskreten, Unverständlichen und Mystischen anhaftete: Die Zentralbank. Trotz oder vielleicht gerade wegen der immensen Bedeutung und Reichweite ihrer geldpolitischen Entscheidungen an der Schnittstelle von Ökonomie und Politik stößt man in der deutschsprachigen politikwissenschaftlichen Forschung auf eine geradezu bemerkenswerte Leerstelle in der Auseinandersetzung mit Funktion und Rolle von Notenbanken als mehr oder weniger unabhängige Gebilde eigener Art.
Das Forschungsvorhaben soll die bisher in der wissenschaftlichen Debatte stark unterschätzte politische Bedeutung von Notenbanken aus systemvergleichender Perspektive am Beispiel der Fed und der EZB beleuchten und dabei der Frage nachgehen, welche Handlungsspielräume deren institutionelle Beschaffenheit für adäquate Systemeingriffe zulässt. Sind es doch gerade besondere Stressphasen wie Finanzkrisen und deren Folgen, welche sich nicht selten zum Prüfstein für die Unabhängigkeit der Zentralbanken entwickeln.
Projektstart: Wintersemester 2012/13
Kontakt: zentralbanken.vogt@kabelmail.de