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Jong Pil Kim


Eduard Mörikes Erzählpoetik in den Vier Erzählungen

 

Seit einigen Jahrzehnten werden die Erzählwerke des Lyrikers Eduard Mörike in der Forschung mehr diskutiert als je zuvor. Meine Dissertation behandelt die 1856 von dem Autor eigenhändig im Sammelband Vier Erzählungen zusammengestellten Märchen und Novellen, die von seiner erzählerischen Entwicklung - vom Erstlingswerk Maler Noltea bis zu seinem letzten Prosawerk Mozart auf der Reise nach Prag zeugen, aber bislang in der Forschung nicht die verdiente Beachtung fanden.

Als ein Dichter der Biedermeierzeit, in welcher nach der Klassik und Romantik literarische Möglichkeiten fast erschöpft schienen und manche Dichter sich selbst sogar als Epigonen sahen, reflektierte Mörike in seinen und durch seine Novellen und Märchen die literarischen Gattungen und das Erzählen selbst. Gattung und Erzähltechnik fungieren bei ihm nicht als literarische Raster, sie sind vielmehr als gegenständliches Material in die Thematik integriert. Der Sammelband ist in diesem Sinne ein poetologischer Selbst-Dialog, wo und wodurch Mörike, bewusst oder unbewusst, ästhetische Differenzen geschaffen hat. Hinter der scheinbaren Schlichtheit und Harmlosigkeit der Vier Erzählungen verbirgt sich somit poetologische Selbstreflexion des literarischen Biedermeier.