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Fabian Schulze


Die Reichskreise im Dreißigjährigen Krieg

Das Heilige Römische Reich war seit dem frühen 16. Jahrhundert in 10 Kreise unterteilt, die hauptsächlich im Bereich exekutiver Aufgaben als vermittelnde Instanzen zwischen Reichs- und Landesgewalt fungierten. Über Kreistage sollte sichergestellt werden, dass Reichstagsbeschlüsse auch ihre regionale Umsetzung erfuhren. Durch eine schrittweise Übernahme zusätzlicher Zuständigkeiten durchliefen mehrere Reichskreise eine organisatorische und institutionelle Weiterentwicklung und formten eigene permanente Einrichtungen aus. Dank ihres regionalen und föderalen Charakters blieben viele Reichskreise auch in der Epoche des Dreißigjährigen Krieges funktionsfähig und wurden im Gegensatz zu anderen Reichsinstitutionen von den meisten Reichsständen weiterhin anerkannt. Somit stellte der Kreistag in manchen Regionen zeitweise das einzige konfessions- und ständeübergreifende Kommunikationsforum dar. Im Gegensatz zu den in ihrer Legitimität nie völlig unumstrittenen Sonderbünden bildeten die Reichskreise auch eine etablierte und reichsrechtlich abgesicherte Form einer überterritorialen militärischen Organisation der Reichsstände, die im Lauf des Krieges von den verschiedensten Parteien zu instrumentalisieren versucht wurde.

Eine eingehende Untersuchung zum Themenkomplex „Die Reichskreise im Dreißigjährigen Krieg“ scheint damit sehr lohnenswert. Auch sind neue Erkenntnisse zur Funktionsweise und zur Leistungsfähigkeit föderal strukturierter politischer Institutionen in der Frühen Neuzeit zu erhoffen.

Gefördert durch ein Promotionsstipendium der Gerda-Henkel-Stiftung.