Die Nation im Kochtopf – Nationalismus und kulinarischer Diskurs in Deutschland und Frankreich (1800-1913)
Im Sinne der Kulturgeschichte der Ernährung stützt sich das Projekt auf die Feststellung, dass es sich bei der menschlichen Ernährung nicht nur um eine biologische Notwendigkeit sondern vielmehr um einen komplexen kulturellen Akt handelt. Gesellschaften statten das Essen und die Verhaltensweisen rund um das Essen mit Bedeutungen aus, sie setzen Werte fest und konstruieren Ideologien. Ernährung wird so zu einem entscheidenden Element menschlicher Identität und zu einem wirkungsmächtigen Instrument diese zu kommunizieren.
Darauf aufbauend will das vorliegende Projekt nun eine vergleichende Analyse des deutschen und französischen kulinarischen Diskurses des Zeitraums 1800 bis 1913 durchführen. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf der Einbeziehung der zeitgleichen, nationalistischen Diskurse und den damit verbundenen Konstruktionen nationaler Küche. Durch das Aufzeigen der Präsenz nationalistischer Vorstellungen in den kulinarischen Diskursen soll auf die politische Dimension und die identitätsstiftenden Merkmale dieser Diskurse aufmerksam gemacht werden.
Die transnationale Perspektive ermöglicht zudem das Aufzeigen von Gemeinsamkeiten, Wechselbeziehungen und Unterschieden während der Herausbildung und in den Vorstellungen von Nationalküchen. So stehen sich zwar die deutsche und französische Nation auf politischer Ebene als Erbfeinde gegenüber. Ihre kulinarischen Systeme sind jedoch durch zahlreiche Verbindungen (international mobiles Küchenpersonal, Übersetzungen von Kochbüchern und aufkommender Tourismus) in hohem Maße von internationalem Austausch geprägt.
Kontakt: eva.coydon@gmail.com