Beteiligte Personen
Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden (Erstbetreuerin)
Kurzbeschreibung
Im deutschen Bildungssystem hängen Bildungschancen unter anderem mit der sozialen und ethnischen Herkunft, der sozio-ökonomischer Situation, sowie körperlicher und geistiger Merkmale zusammen. In dem Promotionsprojekt wird der Umgang mit ethnisch-kultureller Vielfalt in der Schule untersucht. Dabei werden sowohl Unterrichts- als auch Pausenräume berücksichtigt.
Ausführliche Projektbeschreibung
Forschungsstand, theoretischer Hintergrund und Fragestellung
Hintergrund des Promotionsprojektes sind die Ergebnisse der PISA-Studien seit 2000 (vgl. Baumert et al. 2003; 2000; Prenzel et al. 2007; 2004), die zeigen, dass Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund im Durchschnitt schlechtere Chancen auf Bildungserfolge (Schulleistungen, Bildungsabschlüsse) haben als autochthone Kinder und Jugendliche. In Deutschland hängen die soziale, kulturelle und ethnische Herkunft verglichen mit anderen Ländern stark mit dem schulischen Bildungserfolg zusammen. Die OECD-Studie aus dem Jahre 2009 (vgl. Liebig/Widmaier 2009) stellt signifikante Leistungsunterschiede zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund fest, wobei auch die so genannten „Migrant(inn)en zweiter Generation“ betroffen sind. Das Institut für Demoskopie in Allensbach gibt bei einer Studie unter Menschen mit Migrationshintergrund aus dem Jahr 2009 an, dass sich ca. 25% der Zuwanderer und Zuwanderinnen in der Schule im Vergleich zu Autochthonen benachteiligt fühlten.
Vor diesem Hintergrund wird in der Studie die Gestaltung des schulischen Alltags untersucht. Es interessiert, welche Bedeutung ethnisch-kulturelle Unterschiede im täglichen Schulleben haben und wie damit umgegangen wird. Des Weiteren wird danach gefragt, wie im Schulalltag eine Teilhabe am Unterricht gefördert wird.
Untersuchungsdesign und Methoden
Interaktions- und Kommunikationsmuster, Verhalten und soziale Praxis spielen sich weitestgehend auf der Ebene des Unbewussten ab. Deshalb wird eine ethnographische Herangehensweise gewählt. Die Studie beginnt mit teilnehmenden Beobachtungen, die durch Videoaufnahmen und durch Interviews mit einzelnen Akteuren der beobachteten Schulklassen ergänzt und um weitere Perspektiven erweitert werden. Die Studie folgt in der permanenten Verschränkung von Erhebung und Analyse den Prämissen der Grounded Theory nach Anselm Strauss und Barney Glaser.
Erwarteter Ertrag des Vorhabens
Das Promotionsvorhaben leistet einen Beitrag zur Bedeutung von und zum Umgang mit ethnisch-kulturellen Unterschieden am Ort der Schule. Der Fokus liegt dabei auf der Verhaltens- und Interaktionsebene.
Vorarbeiten, Publikationen und Vorträge
Hey, Marissa: Analyse von Differenzkonstruktionen bei Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund. Eine qualitative Studie am Beispiel von Interaktionen in schulischen Unterrichts- und Pausenräumen (Arbeitstitel). Posterpräsentation im Rahmen des Auftakts zum Promotionskolleg „Heterogenität und Bildungserfolg“, 29.04.-30.04.2010, Universität Augsburg.