Beteiligte Personen
Gabriele Steuer, Diplom-Psychologin (Promovendin)
Prof. Dr. Markus Dresel (Erstbetreuer)
Kurzbeschreibung
In Deutschland ist ein deutlicher Zusammenhang von Bildungserfolg und Heterogenitätsfaktoren, wie beispielsweise soziale Herkunft und Migrationshintergrund, festzustellen, der zuungunsten der Schüler(innen) ausfällt, die solche Heterogenitätsmerkmale aufweisen. Diese unterschiedlich ausgeprägten Koppelungen von Heterogenität und Bildungserfolg sollen innerhalb des Promotionsvorhabens, unter genauerer Betrachtung der vermittelnden Unterrichtsorientierungen und -merkmale, sowie deren Interaktion mit individuellen Lernvoraussetzungen der Schüler(innen) differenziert untersucht werden. Das Promotionsprojekt ist im Projektfeld „Unterschiede zwischen Schulklassen und Lehrkräften im Umgang mit und in der Auswirkung von Heterogenität“ des Promotionskollegs verortet. Mittels dieses Projekts sollen wichtige Erkenntnisse gewonnen werden, die dabei helfen, die Wahrscheinlichkeit auf Bildungserfolg von Schüler(inne)n mit Migrationshintergrund und/oder geringem sozioökonomischen Status zu steigern.
Ausführliche Projektbeschreibung
Forschungsstand und theoretischer Hintergrund
In Deutschland ist ein deutlicher Zusammenhang von Bildungserfolg und Heterogenitätsfaktoren, wie beispielsweise soziale Herkunft und Migrationshintergrund, festzustellen, der zuungunsten der Schüler(innen) ausfällt, die solche Heterogenitätsmerkmale aufweisen. Diese unterschiedlich ausgeprägten Koppelungen von Heterogenität und Bildungserfolg sollen innerhalb des Promotionsvorhabens, unter genauerer Betrachtung der vermittelnden Unterrichtsorientierungen und -merkmale, sowie deren Interaktion mit individuellen Lernvoraussetzungen der Schüler(innen) differenziert untersucht werden. Schüler(innen) mit Migrationshintergrund zeigen nicht nur schlechtere Schulleistungen als ihre deutschen Mitschüler(innen), sondern erreichen auch weniger hohe Schulabschlüsse, werden häufiger an Förderschulen überwiesen und studieren seltener an Fachhochschulen und Universitäten (Gogolin, 2002). Bislang ist wenig darüber bekannt, ob es einzelnen Schulen oder einzelnen Klassen besser als anderen gelingt, Disparitäten auszugleichen (Stanat, 2006). Genau hier erscheint es sinnvoll und notwenig mit den Studien anzusetzen. Zielführend scheint es also neben strukturellen Klassenmerkmalen und Lehrer(innen)überzeugungen und -einstellungen, auch die Merkmale Fehlerklima, Klassenzielstruktur und Bezugsnormorientierung sowie deren Auswirkungen auf Lernprozesse und den daraus resultierenden Bildungserfolg genauer zu untersuchen.
Fragestellung
Dazu ist eine zweiphasige Studie geplant, die zunächst einen quantitativen Schritt mit einer großen Stichprobe vorsieht.
Ziel der ersten Phase der Studie soll zum einen sein, Unterschiede bezüglich des Umgangs und der Auswirkungen von Heterogenität zwischen Klassen aufzuzeigen. Des Weiteren soll es möglich sein, aus den Ergebnissen der ersten Phase eine Stichprobe für die zweite Phase zu generieren (vgl. Schwippert, 2001), in der sich deutlich eine Entkoppelung von Migrationshintergrund und Bildungserfolg zeigt.
Das Ziel der zweiten Phase ist die Identifikation von Unterrichtsmerkmalen, die zur Folge haben, dass Heterogenitätsmerkmale nicht als Nachteile wirken bzw. diese Wirkung abgeschwächt wird, so dass Empfehlungen zu einem adaptiveren Umgang mit Heterogenität möglich werden.
Untersuchungsdesign und Methoden
Im ersten Schritt werden neunzig Schulklassen mit insgesamt etwa 2250 Schüler(inne)n der vierten, siebten und zehnten Jahrgangsstufen im Hinblick auf die Intensität und die prozessualen wie strukturellen Bedingungsfaktoren der Koppelung von Heterogenität und Bildungserfolg untersucht. Ein besonderer Fokus wird auf die theoretischen Konstrukte Klassenzielstruktur, Fehlerklima und Bezugsnormorientierung gelegt. Dieser Schritt findet in Kooperation mit einem BMBF-Projekt zur beruflichen Zielorientierung von Lehrkräften statt.
In einem zweiten Schritt sollen mittels einer Kombination aus quantitativen und qualitativen Methoden bei Optimalklassen die Merkmale erforscht werden, die eine Nivellierung des Zusammenhangs bewirken. Dabei werden besonders die Aspekte Feedbackkultur, Grad der Individualisierung, Differenzierung und Strukturierung, Autonomie, Interessensorientierung und Kooperation beleuchtet. In dieser zweiten Phase soll also deutlich werden, welches konkrete Unterrichtshandeln sich als hilfreich erweist, um eine Reduktion von Bildungsbenachteiligungen realisieren zu können.
Zur Auswertung werden im ersten Schritt mehrebenenanalytische Zugänge gewählt, denn nur so können möglichen Wechselwirkungen der Prädiktoren auf unterschiedlichen Ebenen Rechnung getragen werden. Im zweiten Schritt werden unterschiedliche qualitative und quantitative Methoden herangezogen, um die Optimalklassen zu untersuchen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf den qualitativen Verfahren.
Die Ergebnisse der Optimalklassen sollen schließlich in Form von empirisch fundierten Best-Practice-Beispielen aufbereitet und in einem separaten Praxisband veröffentlicht werden. Dadurch soll ein praxistauglicher Beitrag zur Lehrkraftbildung geleistet werden.
Erwarteter Ertrag des Vorhabens
Innerhalb dieses Promotionsvorhabens sollen Informationen darüber gewonnen werden, wie der vielfach beschriebene negative Zusammenhang von Heterogenität und Bildungserfolg auf Klassenebene abgemildert werden kann. Bisher sind keine umfassenden Studien zu diesem gesellschaftspolitisch relevanten Thema vorhanden. Mittels dieser Promotion werden wichtige Erkenntnisse gewonnen, aus denen als praktischer Ertrag direkt Maßnahmen abgeleitet werden, die in der Lehrkräfteausbildung eingesetzt werden können. Dadurch kann die Wahrscheinlichkeit auf Bildungserfolg bei Schüler(inne)n mit Migrationshintergrund und/oder geringem sozioökonomischen Status gesteigert werden.
Vorarbeiten, Publikationen und Vorträge
Dresel, M., Steuer, G. & Berner, V.-D. (2009). Zum Zusammenhang von Geschlecht, kultureller Herkunft und sozialer Herkunft mit Lernen und Leistung im Kontext von Schule und Unterricht. In J. Hagedorn, V. Schurt, C. Steber & W. Waburg (Hrsg.), Ethnizität, Geschlecht, Familie und Schule. Heterogenität als erziehungswissenschaftliche Herausforderung (S. 333-349). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.