1. Forschungsgegenstand und wissenschaftliche Ziele
Großflächige Starkniederschläge sind mit einer hohen Eintrittswahrscheinlichkeit hydrologischer Extremereignisse verbunden und lassen sich auf bestimmte Muster der atmosphärischen Zirkulation zurückführen.
Im Rahmen von WETRAX findet eine Untersuchung von Zirkulationsmustern statt, die in einem statistisch signifikanten Zusammenhang mit extremen Gebietsniederschlägen im Raum von Österreich und Süddeutschland stehen. Für das Zeitintervall 1951-2010 wird ein Katalog mit starkniederschlagsrelevanten Wetterlagen und Zugbahnen von Tiefdruckgebieten entworfen. Weiterhin werden zwei verschiedene Generationen globaler Klimamodelle auf ihre Eignung überprüft, diese atmosphärischen Charakteristika über Mitteleuropa reproduzieren zu können. Aus zugehörigen Klimaszenarien werden Abschätzungen über starke Gebietsniederschläge in der Zukunft abgeleitet.
Das übergeordnete Ziel von WETRAX ist also die zirkulationsbezogene Bestimmung der veränderten Eintrittswahrscheinlichkeit großflächiger Starkniederschläge im Bereich von Österreich und Süddeutschland im Zuge des Klimawandels. Daraus ergeben sich potentielle Änderungen des Hochwasserrisikos innerhalb der betrachteten Einzugsgebiete. Die erarbeiteten Ergebnisse werden eine wichtige Planungsgrundlage für die deutsche und österreichische Wasserwirtschaft bilden.
2.
Durchführung und Ergebnisse der Arbeitspakete
Eine kombinierte Auswertung von großflächigen Niederschlägen, atmosphärischen Zirkulationsmustern und charakteristischen Zugbahnen von Zyklonen auf Tagesbasis stellt einen wissenschaftlichen Mehrwert gegenüber bislang durchgeführten Untersuchungen dar. Mit der Erstellung eines Katalogs hydrologisch relevanter Wetterlagen und Zugbahnen im süddeutschen und österreichischen Raum wird es möglich, Veränderungen im räumlichen und zeitlichen Auftreten von Starkniederschlägen im Klimawandel und im daraus resultierenden potentiellen Hochwasserrisiko in der Zukunft zu untersuchen und fundiert zu bewerten.
3. Allgemeine Relevanz
Durch die Emission von strahlungsaktiven Treibhausgasen findet eine anthropogene Beeinflussung des Klimasystems statt. Eine globale Erwärmung innerhalb der letzten Dekaden lässt sich eindeutig feststellen, auch wenn der anthropogene Anteil nicht exakt zu quantifizieren ist. Neben der Temperatur können aber auch weitere Klimaelemente wie z.B. der Niederschlag oder der Feuchtegehalt der Luft Veränderungen unterworfen sein. Ein höheres Temperaturniveau kann etwa zu einem höheren Feuchtegehalt der Luft führen. Dieser wiederum kann unter anderem für häufigere bzw. kräftiger ausfallende Starkniederschläge verantwortlich sein. Dabei sind jedoch insbesondere die atmosphärischen Zirkulationsverhältnisse zu berücksichtigen, die eine regional differenzierte Ausgestaltung des Klimaänderungssignals herbeizuführen vermögen. Im Kontext von Starkniederschlägen und Hochwasserereignissen sind dabei vor allem spezifische Wetterlagen (Zirkulationstypen) und Zyklonenzugbahnen sowie ihre klimawandelbedingten Veränderungen ins Zentrum der Untersuchungen zu rücken.
All
diese
Veränderungen
besitzen weitreichende Auswirkungen, etwa auf
das direkt beobachtbare Niederschlagsgeschehen und die potentiellen
Hochwasserrisiken. Es sind gerade die extremen Wetter- und
Klimaphänomene, zu welchen auch der Starkniederschlag gehört, die
großen regionalen Unterschieden unterworfen sind und bei denen somit
ein erhöhter Forschungsbedarf besteht.
4. Praxisbezogenheit und Anwendbarkeit
Der
unmittelbare
Zusammenhang
zwischen verbreitet auftretenden
Starkniederschlägen im Untersuchungsraum und einer hohen
Eintrittswahrscheinlichkeit hydrologischer Extrem-ereignisse verweist
auf die reale Gefährdung sowohl infrastruktureller Einrichtungen als
auch von Menschenleben selbst. Die aus dem WETRAX-Projekt gewonnenen
Ergebnisse sollen daher, neben ihrer Bedeutsamkeit für die
Wissenschaft, als Planungsgrundlage für die politischen
Entscheidungsträger und für die Wasserwirtschaft beider Länder
eine praktische Anwendungsdimension finden.
5. Handlungsbedarf
Spezieller
Untersuchungsbedarf
besteht
insbesondere bei einem markanten
atmosphärischen Zirkulationsmuster, der sog. „Vb-artigen“
Wetterlage. Tiefdruckgebiete auf einer Vb-Zugbahn stehen unter
anderem im Zusammenhang mit einigen der stärksten mitteleuropäischen
Hochwasserereignisse der letzten Dekade, wie z.B. August 2002 oder
August 2005. Das aus diesem synoptischen Vorgang resultierende
verstärkte Hochwasserpotential wird auch von der Wasserwirtschaft in
Österreich und Deutschland als noch nicht ausreichend untersucht
angesehen. Hier besteht in besonderem Maße ein weiterer
Forschungsbedarf, da wichtige Faktorenkomplexe erst unzureichend
analysiert worden sind. Insbesondere ist der Zusammenhang zwischen
räumlich differenziertem Niederschlag und dem daraus resultierenden
Hochwasserrisiko nicht vollständig geklärt. Eine unbekannte
Relevanz besteht zudem bei den von „Vb-artigen“ Ereignissen
ausgelösten Intensitäten und Dauerstufen im Niederschlag. Diese
ungeklärten Aspekte und die sich aufdrängende Frage nach
zukünftigen Modifikationen insbesondere im
Starkniederschlagsgeschehen aufgrund von klimawandelbedingten
Veränderungen von Zugbahnen und Wetterlagen sollen im Rahmen des
WETRAX-Projekts systematisch untersucht werden.
6. Projektorganisation
6.1. Projektdurchführung
Projektleitung:
Zentralanstalt
für
Meteorologie und Geodynamik
Abteilung für
Klimaforschung
Mag. Michael Hofstätter (Projektleiter)
Projektpartner: Universität Augsburg
Lehrstuhl für Physische Geographie und
Quantitative Methoden
Prof. Dr. Jucundus
Jacobeit
Fachliche
Mitwirkung auf deutscher Seite:
Deutscher
Wetterdienst
Abteilung für Hydrometeorologie
6.2.
Projektauftraggeber
Projektauftraggeber
auf
österreichischer
Seite:
Bundesministerium für Land- und
Forstwirtschaft,
Umwelt und Wasserwirtschaft
Sektion VII -
Wasser
Projektauftraggeber
auf
deutscher
Seite:
Bayerisches Landesamt für Umwelt
Mitwirkung/Beteiligung
auf
deutscher
Seite:
Bundesanstalt für Gewässerkunde
Referat
M2 – Wasserhaushalt, Vorhersagen und Prognosen