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Projektübersicht


  • Filme analysieren - Kulturen verstehen. Prof. Dr. Th. Hausmanninger (Christliche Sozialethik)
    Die Film- und Fernsehanalyse ist vor dem Hintergrund der Globalisierung und des exponentiell gewachsenen internationalen Medienaustauschs, der auch ein interkultureller Austausch ist, zu einer kulturtheoretischen Sensibilisierung herausgefordert. In den Medienwissenschaften hat dies bis zu einem gewissen Grad mit den Cultural Studies eingesetzt, die sich kulturellen Differenzen innerhalb der europäisch-amerikanischen Kultur widmen und dabei vor allem die Multikulturalität und die Effekte der Migrationen neben der Pluralisierung der Lebenswelten und der "Subkulturen" in Blick nehmen. Im deutschen Sprachraum findet sich eine ähnliche Sensibilisierung für die Bedeutung des Kulturbegriffs in der Soziologie seit den 1980er Jahren. Die deutschen Medienwissenschaften, die lange von der Kritischen Theorie auf der einen und von einem positivistischen Empirismus auf der anderen Seite geprägt waren, haben gleichwohl noch einen gewissen Entwicklungsbedarf, speziell bei der Werkanalyse und darin bei der Film- und Fernsehanalyse, die weitgehend "ontologisierend" verfährt, d.h. von einer generellen Erschließbarkeit der Werke mit einem objektiven Instrumentarium ausgeht. Die Dissertation von Evi Hallermayer macht einen konkreten Schritt in diese Richtung, indem sie sich drei konsekutiv voneinander abhängigen Filmen widmet, die gleichwohl in drei unterschiedlichen Kulturräumen entstanden sind. Die Räume und Filme sind so gewählt, dass einerseits signifikante kulturelle Differenzen aufgrund der Verschiedenheit der Kulturen erwartet werden können, andererseits die Vergleichbarkeit durch die konsekutive Abhängigkeit ermöglicht wird: Gewählt sind aus Japan "Yojimbo" von Akira Kurosawa, aus Europa, genauer: Italien, "Per un pugno di dollari" von Sergio Leone und aus den USA "Last Man Standing" von Walter Hill. Dabei sind die beiden letztgenannten Filme Remakes des ersten. Die Wahl dieser Filme für eine kulturtheoretische perspektivierte Filmanalyse verhilft der Erarbeitung der kulturspezifischen Differenzen der Werke zu prinzipieller Deutlichkeit - der Samurai ist eine Figur, die sehr stark mit der japanischen Identität und den Diskursen über deren Wandel durch die Aneignung der bzw. Überformung mit der westlichen Moderne verbunden ist; der Italowestern stellt zwar kein originäres europäisches Genre dar, sondern ist eine Reaktion auf den amerikanischen Western, doch hat er sich von diesem als spezifisches Produkt weit entfernt und gerade bei Leone genuin europäische Züge angenommen; der Western und der (amerikanische) Gangsterfilm wiederum sind Genres, die geradezu Grundmythen des amerikanischen Selbstverständnisses konstituiert haben und zugleich selbst Diskurse zu diesen Mythen entwickeln. Die Nähe zwischen dem Italowestern und dem amerikanischen Western wiederum verhilft zusätzlich zum gemeinsamen inhaltlichen Bezug auf "Yojimbo" der Vergleichbarkeit von "Per un pugno di dollari" und "Last Man Standing" zu größerer Validität.