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Projektübersicht


  • Rainer Florie: "P. Paul Laymann SJ (1574-1635) als Moraltheologe". Rainer Florie ()
    Der Jesuitenpater Paul Laymann, der vor allem wegen seiner kanonistischen Gutachten in den konfessionellen Auseinandersetzungen seiner Zeit und seiner Stellungnahmen in der Hexenfrage im historischen Gedächtnis geblieben ist, verfasste im Jahr 1625 eine „Theologia moralis“ in fünf Bänden, die er zu seinen Lebzeiten in zwei weiteren Auflagen überarbeitete und die zuletzt 1729 erschien. Ein Jahrhundert galt sie als Standardwerk, noch von Matthias J. Scheeben 1867 gerühmt wegen ihrer „klassischen Ruhe und Klugheit sowie ihrer großen Erudition“. Dieses Werk gehört in die Anfangszeit der Moraltheologie als eigenständige Disziplin, ausgezeichnet vor allem durch die Betonung des Gewissens und die Wiederaufnahme des Tugendschemas des heiligen Thomas von Aquin.
    Das Anliegen dieser Forschungsarbeit ist es, die Originalität des Ansatzes von Paul Laymann innerhalb der frühneuzeitlich-scholastischen Kasuistik zu ergründen und ihn gegebenenfalls als einen Brückenpfeiler für die Entwicklung der Moraltheologie in der kommenden Zeit zu erweisen.

  • Dr. phil. Rupert Scheule: "Gut entscheiden. Werterwartungstheorie und theologische Ethik". ()
    Die Werterwartungstheorie (auch "rational choice theory", im Folgenden mit "WE-Theorie" abgekürzt) dürfte heute das neben der Systemtheorie wichtigste soziologische Paradigma sein. Anders als die Systemtheorie wurde die WE-Theorie bislang aber kaum innerhalb der Theologie beachtet. Die Arbeit "Gut Entscheiden" stellt nun einen ersten umfassenden Rezeptionsversuch der WE-Theorie für die theologische Ethik dar. Ein wichtiges Spezifikum der WE-Theorie ist ihr "methodischer Individualismus" , also der Grundsatz, dass jedwede soziologische Erklärung bei der Entscheidungssituation des Indidviduums anzusetzen habe. Dies macht sie für die christliche Ethik besonders interessant, wird dadurch doch die Forderung, dass der Mensch "Wurzelgrund [...] Träger und Ziel aller gesellschaftlichen Institutionen ist" (GS 25), gleichsam methodisch eingeholt. Vor allem aber erlaubt der Fokus der WE-Theorie auf die Entscheidungssituation des Einzelnen die Formulierung einer soziologisch sensibilisierten ethisch-theologischen Entscheidungslehre. Und gerade eine solche ist das Hauptanliegen der Arbeit. Thematisiert werden u.a.:

  • Entscheidungen mit mehreren Zielen
  • mehrgliedrige Entscheidungen
  • Entscheidungen unter den Bedingungen strategischer Gegnerschaft
  • Gruppenentscheidungen
  • Entscheidungen in Organisationen


  • Das Schlusskapitel bringt den praktischen Ertrag der bis dato angestellten Überlegungen im Projekt "MEFES" (einem vom Verfasser entwickelten Design für ethische Fallbesprechung in der Klinik) zur Sprache.

    Weitere Informationen auf den Netzseiten des einschlägigen DFG-Projekts und des Projekts "MEFES"

  • Die Entstehung des Konfliktes staatlicher und göttlicher Ansprüche nach Dan 6 (Alttestamentliche Wissenschaft)
    Die Textgeschichte des Daniel-Buches liegt weitgehend im Dunkeln. Neben der zu beobachtenden Mehrsprachigkeit stellt auch ein Vergleich mit dem Text der Septuaginta eine Fülle von Fragen. Insbesondere die Kapitel Dan 4-6 unterscheiden sich in nur schwer erklärbarem Ausmaß. In der Vergangenheit war das Ziel vergleichender Untersuchungen meist text-, literarkritischer oder philologischer Art. Das vorliegende Projekt versucht diese Ergebnisse aufzugreifen und - im Zug des neu erwachten Interesses für die Septuaginta - den Vergleich auf inhaltliche, theologische Fragen auszuweiten. Die für das Daniel-Buch prägende Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Verhältnis von göttlicher Macht und staatlicher Machtausübung steht dabei beispielhaft im Zentrum der Untersuchung. Ausgangspunkt für die Untersuchung sind die in dieser Hinsicht besonders virulenten Texte Dan 3 und Dan 6 in ihren beiden Textfassungen.

  • Die Feinde des Beters und ihre Reden in den Psalmen (Alttestamentliche Wissenschaft)
    Das Dissertationsprojekt behandelt das Motiv der propagandistischen Rede im Munde der Feinde des Beters in den Psalmen. Es geht in diesen Äußerungen der Feinde und des frommen Beters nicht um eine private Kontroverse, sondern um eine grundlegende theologische Auseinandersetzung: um die öffentliche Bestreitung der Wirklichkeit Gottes als einer geschichtsmächtigen Größe.

    Neben einer systematisierenden Analyse der sog. Zitate soll deren diachrone Entwicklung, u.a. im Hinblick auf eine eventuelle Apokalyptisierung, untersucht werden. An den Psalmen 9-10 (Armentheologie) und 73 (Krise der Weisheit) wird das Thema konkretisiert.

    Durch eine Aufschlüsselung der Motive will die Dissertation zum besseren Verständnis der oft als „unchristlich“ abgelehnten Feindaussagen in den Psalmen beitragen. Die Untersuchung bietet zudem einen Einblick in den sozial- und religionsgeschichtlichen Hintergrund Israels in der nachexilischen Zeit.

  • Das religiöse Bewusstsein der Bevölkerung in Nördlingen in Spätmittelalter und Früher Neuzeit Patrick Rotter (Kirchengeschichte)
    Neben der bedeutenden Stadt Augsburg gab es im Heiligen Römischen Reich weitere drei Reichsstädte, die bis zum Reichsdeputationshauptschluss paritätisch, also konfessionell gemischt waren. Die heute in Franken gelegene, jahrhundertelang aber zum schwäbischen Reichskreis gehörende Stadt Dinkelsbühl war eine davon.

    Das Anliegen dieser Dissertation ist es, bereits vorhandene Forschungsarbeiten über die historischen Entwicklungen der vor- und nachreformatorischen Zeit um den mentalitätsgeschichtlichen Blick zu erweitern. So sollen die Denkstrukturen der Menschen im Zeitraum zwischen 1400 und 1650 in Dinkelsbühl aufgezeigt sowie die Gedanken, Gefühle und Einstellungen der Bewohner erklärt werden.

    Neben schriftlichen Quellen werden hierfür Belege u.a. aus Kunst, Architektur sowie den alltäglichen Gebrauchsgegenständen analysiert, um einen Beitrag zur (kirchen-) historischen Stadt- und Regionalgeschichte zu liefern.

    Auswirkungen auf die Entwicklung der Stadt werden so z.B. in den Bereichen Umgang mit Naturphänomenen, Angst, Freude, Arbeit, Sexualität und Liebe sowie – was den Schwerpunkt der Arbeit bildet – der Religiosität thematisiert.