Die Textgeschichte des Daniel-Buches liegt weitgehend im Dunkeln. Neben der zu beobachtenden Mehrsprachigkeit stellt auch ein Vergleich mit dem Text der Septuaginta eine Fülle von Fragen. Insbesondere die Kapitel Dan 4-6 unterscheiden sich in nur schwer erklärbarem Ausmaß. In der Vergangenheit war das Ziel vergleichender Untersuchungen meist text-, literarkritischer oder philologischer Art. Das vorliegende Projekt versucht diese Ergebnisse aufzugreifen und - im Zug des neu erwachten Interesses für die Septuaginta - den Vergleich auf inhaltliche, theologische Fragen auszuweiten. Die für das Daniel-Buch prägende Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Verhältnis von göttlicher Macht und staatlicher Machtausübung steht dabei beispielhaft im Zentrum der Untersuchung. Ausgangspunkt für die Untersuchung sind die in dieser Hinsicht besonders virulenten Texte Dan 3 und Dan 6 in ihren beiden Textfassungen.