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Projektübersicht


  • Ethik des Nichtwissens

  • Comics und Religion Prof. Dr. Th. Hausmanninger (Christliche Sozialethik)

    Forschungsprojekt: Der religiöse Diskurs der Comics.

    „Das Dritte Testament“, „Zehn Gebote“, „Heiligtum“, „Die Katze des Rabbiners“, „Preacher“ – unter den Titeln der Comics erscheinen in jüngerer Zeit vermehrt solche, die sich direkt und unmittelbar auf Religion beziehen. Schlägt man sie auf, so trifft man auf Ordensleute, Priester, Kardinäle, Päpste, muslimische Imame, jüdische Rabbiner und ihre Schüler; die Geschichten, die erzählt werden, drehen sich um die Frage nach der wahren Bedeutung des Evangeliums, die Rolle der apokryphen Schriften, die Historizität Jesu, die gesellschaftliche Rolle der Kirche, die geschichtliche Entwicklung des Islam und sein Verhältnis zu modernen Welt, die Interpretation der jüdischen Thora, das Theodizeeproblem und dergleichen mehr. Eine derart direkte, breite und explizite Beschäftigung mit Religion und ihrer geschichtlichen Erscheinungsgestalt, mit theologischen Problemen und Auslegungsfragen religiöser Schriften ist in der Geschichte der Comics durchaus ungewöhnlich, zumindest im franco-belgischen und amerikanischen Raum, dem die genannten Beispiele entnommen sind. Zwar arbeiteten die Comics, wie viele Erzeugnisse der populären Kultur, immer schon auch mit Anleihen an dem sprachlichen, bildhaften und narrativen Zeichenmaterial der Religionen, doch hielten sie sich gegenüber einer direkten Auseinandersetzung mit etablierten Religionen und deren Institutionen weitgehend zurück. Vereinzelte Bezugnahmen, wie etwa Jack Kirbys kritische Auseinandersetzung mit fundamentalistischen christlichen Erweckungspredigern in „Forever People“, die Warnung vor der Verführungskraft von Sekten in Neal Adams´ und Denny O´Neils „Green Lantern and Green Arrow“ in den 1970er Jahren oder in einer„X-Men“-Graphic-Novel von Christopher Claremont und Brent Anderson sowie Jim Starlins und Bernie Wrightsons „Batman“-Miniserie „The Cult“ in den 1980er Jahren, blieben eben dies: vereinzelt. In den USA trug ohnehin ab 1954 der Comics Code dazu bei, real existierende Religion möglichst weitgehend aus den Comics fern zu halten, um keine religiösen Gefühle zu verletzen; die Deutungshoheit ihres Glaubens blieb den Religionsgemeinschaften in dieser Hinsicht daher weitgehend selbst überlassen. In Europa, vor allem in dem ungeheuer wirkmächtigen franco-belgischen Raum, zeichnete sich eine ähnliche Verlagspolitik ab, getragen zweifelsohne auch von der Vorstellung, Religion sei Privatsache und habe im öffentlichen Raum und damit auch in der öffentlichen Kommunikation nichts zu suchen. Die Intensität, mit der vor allem seit den 1990er Jahren das Christentum, seine Geschichte, die katholische Kirche, der Islam, das Judentum und selbst nicht-theistische Glaubensformen zum Thema der Comics werden, ist daher ein neues Phänomen. Entsprechend drängt sich beinahe auf, diesen neuen religiösen Diskurs der Comics als ein Element jenes Prozesses zu sehen, der seit kurzem als „Wiederkehr der Religion“ in Wissenschaft und Journalismus thematisiert wird. Die explizite Präsenz der Religionen in den Comics als Medium unterhaltsamer Selbstverständigung und unterhaltsamer öffentlicher Kommunikation könnte im Kontext anderer Phänomene der genannten Wiederkehr auf ein neues Interesse an Religion und eine Art neuer kultureller Salonfähigkeit derselben verweisen. Diese Präsenz wäre dann ein zusätzlicher Beleg dafür, dass Religion sich (momentan) im „Aufwind“ (Arntz 2007) befindet, ein Übergang in eine „postsäkulare“ (Habermas 2001) Zeitsituation (oder zumindest Phase) stattfindet. Freilich – mit derart unmittelbar gegenwartsbezogenen Zeitdiagnosen ist auch vorsichtig zu verfahren. Schon die Rede von der Wiederkehr der Religion lässt die Frage stellen, ob die so begrüßte jemals wirklich abwesend war bzw. überhaupt hätte abwesend sein können. Auch der Terminus der Postsäkularität bereitet Schwierigkeiten, wenn man zu bestimmen versucht, nach welcher Säkularität sich dieses „Post-“ befindet. Einerseits gibt es Differenzen zwischen den einzelnen geographischen Räumen, andererseits verweisen Untersuchungen wie beispielsweise in Deutschland die von der DBK in Auftrag gegebene Sinus-Studie von 2006 darauf, dass Distanz zur Religion, befremdete Ungleichzeitigkeit mit deren Grundoptionen und schlichte Gleichgültigkeit geradezu milieuspezifisch zurechenbar sind, bestimmte Kreise sich also gegenüber der Wiederkehr der Religion nach wie vor abstinent verhalten. Mithin ist für diese Wiederkehr eher damit zu rechnen, dass religiöse neben postreligiösen, säkulare neben postsäkularen Momenten existieren (Höhn 2007). Das Projekt spannt daher zunächst die Diskussion um Säkularität und Postsäkularität als Referenzrahmen auf und konzentriert sich dabei konkret auf die USA, Frankreich (ggf. zusammen mit Belgien) und Deutschland. Geplant sind sodann drei aufeinander bezogene Teilprojekte, die konsekutiv abgearbeitet werden sollen: (1) „Verschwörung und Religion“: Zunächst untersucht werden Verschwörungserzählungen, die seit den 1990er Jahren auch im historischen Roman und im Thriller populäre Konjunktur haben. Hier zu beginnen, legt sich aus Gründen der Aktualität dieser Erzählungen nahe, die inzwischen beinahe ein Subgenre bilden. (2) „Die Weltreligionen in den Comics“: Danach soll die Ver- und Bearbeitung der Weltreligionen in den Comics in Blick genommen werden. Die Perspektive wird hierdurch generalisiert. (3) „Transzendente Mächte und Gewalten“: Einzelnen transzendenten Kräften wird figurativ Rechnung getragen. Hieraus entstehen kleine Subgenres, die sich bestimmten Figurentypen widmen – allen voran dem Bösen in Gestalt von Teufel und Dämonen, jedoch auch den Engeln, die generell in der Populärkultur und der Esoterik Konjunktur haben. Mit diesem Teil des Projekts werden so Schlaglichter gesetzt, die zugleich genretheoretische Differenzierungen ermöglichen. Die Teilprojekte sollen in jeweils einer eigenständigen Monographie vorgelegt werden, deren erste bereits begonnen ist. Die Analyse des neuartigen religiösen Diskurses der Comics als populäre Medien verspricht dabei einen spezifischen Einblick in den Zustand der medialen Beschäftigung mit Religion einerseits und erhellende Schlaglichter auf die säkular-postsäkulare Befindlichkeit der spätmodernen Gesellschaften andererseits. Vorveröffentlichung von Teilergebnissen: Thomas Hausmanninger: Mythen von Religion. Comicverfilmungen in den USA, in: Th. Bohrmann, St. Zöller, W. Veith (Hgg.): Handbuch Theologie und populärer Film, Bd. 2, Paderborn: Schöningh 2009, 31-52.


    Thomas Hausmanninger: Die Religionswelle im francobelgischen Comic, in: Comixene 2010, 20. Jhg., Nr. 107, 6-22. Thomas Hausmanninger: Garth Ennis und die Folgen. Die Religonswelle im anglo-amerikanischen Comic, in: Comixene 2010, 20. Jhg., Nr. 107, 10-11. Thomas Hausmanninger: Postreligiös und postsäkular. Die Religionswelle im deutschen Comic, in: Comixene 2010, 20. Jhg., Nr. 107, 14-15. Thomas Hausmanninger: Die Zwischentöne des Religionskritikers, in: Comixene 2010, 20. Jhg., Nr. 107, 47. Thomas Hausmanninger: Postsäkularität in Comics, in: Stimmen der Zeit 2010, 135. Jhg., Bd. 228, Nr. 6, 619-630.

  • Ariane Schroeder: "Prädiktive Gendiagnostik und theologische Ethik des Nichtwissens. Eine aktuelle Bedarfsanzeige". ()
    Am klassischen Beispiel der prädiktiven Brustkrebsdiagnostik als gendiagnostisches Untersuchungsverfahren wird die Problematik des Nichtwissens und das Recht auf Nichtwissen ethisch-theologisch thematisiert.
    Der Ratsuchende wird im Bereich der prädiktiven Diagnostiken mit vielfach ungesicherten Wissensbeständen konfrontiert, auf die er gestützt durch die ihm zugesprochene Patientenautonomie antworten soll. In Verbindung mit der in der Moderne vollzogenen Transformation der Gefahrenwahrnehmung in Risikowahrnehmung und der Unschärfe der kategorialen Begriffsunterscheidung von "gesung/ krank", welche die prädiktive Gendiagnostik mit sich bringt, wird von einer Verantwortungsüberlastung des Patienten ausgegangen.
    Auf diesem Hintergrund wird das Recht auf Nichtwissen als eine unerlässliche Konkretisierung und Ergänzung des in der medizinischen Ethik fest etablierten informed consent - Postulates dargestellt.

    Weitere Informationen

  • "Ich gönne mir das Wort Gott" (A. Maier): Schriftsteller unserer Zeit vor der Gottesfrage Prof. Dr. Georg Langenhorst (Didaktik des katholischen Religionsunterrichts und Religionspädagogik)
    Für einige Jahrzehnte galt die ernsthafte literarische Auseinandersetzung mit der Gottesfrage in der zeitgenössischen Literatur als Tabu. Vor allem - in weitesten Sinne - affirmative Annäherungen an die christliche Religion trugen den Verdacht des ästhetisch Minderwertigen: „schlechtes Stilprinzip, wenn man religiös wird“ (G. Benn)

    Seit etwa 20 Jahren gilt das Tabu nicht mehr. Zahlreiche SchriftstellerInnen schreiben „in neuer Unbefangenheit“ über eigene und gesellschaftliche religiöse Prägung, über Konfession, über die Gottesfrage. Ziel der zu erstellenden Studie ist es, dieses Phänomen auf breiter Ebene zu dokumentieren und zu deuten, sowie eine kritisch reflektierte Zuordnung zur Rede von der „neuen Religiosität“ in unserer Gesellschaft. Schließlich gilt es, die theologischen und religionspädagogischen Herausforderungen des Phänomens herauszuarbeiten. Wo liegen Chancen, wo Grenzen der Rezeption?

    Publikation: Georg Langenhorst: „Ich gönne mir das Wort Gott“. Annäherungen an Gott in der Gegenwartsliteratur. Herder-Verlag: Freiburg/Basel/Wien 2009.

  • Familia Dei - Katholisches Kirchenverständnis auf dem Weg [Arbeitstitel] Christian Mazenik (Kirchengeschichte)
    Das II. Vatikanische Konzil (1962-65) markiert einen Wendepunkt in der Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts. Eine Vielzahl von Dokumenten wurde hierbei verabschiedet, die sich mit Fragestellungen und Problemen im Bereich von Theologie, Kirche und Welt auseinandersetzen. Die dogmatische Konstitution „Lumen Gentium“ versucht, Wesen und Aufgabe der Kirche zu klären. Dazu greift sie auch auf verschiedene biblische Bilder (u. a. Kirche als Tempel des Heiligen Geistes, als Leib Christi, als Volk Gottes) zurück, um dasjenige zu erfassen und adäquat zu beschreiben, was Kirche ist und ausmacht. Mittlerweile sind etwas mehr als 40 Jahre vergangen und das Konzil ist damit Geschichte. Die Texte des Konzils wurden in dieser Zeit unterschiedlich stark rezipiert. Hier zeigt sich insbesondere, dass in der Redeweise von Kirche als „Communio“ ein weiteres Bild in den Blickpunkt nachkonziliarer Theologie geraten ist. Die Entwicklungslinie dieser Rezeptionsgeschichte nachzuzeichnen und die Schwerpunkte nachkonziliarer Ekklesiologie herauszuarbeiten, soll einerseits Ziel und Anliegen dieser Forschungsarbeit sein. Andererseits soll das in den Texten des II. Vatikanums angeführte Bild von Kirche als „Familie Gottes“ in seinen unterschiedlichen (sozial- und kirchengeschichtlichen sowie systematischen) Dimensionen näher untersucht werden. Die herausgearbeiteten Aspekte einer "Familia-Dei-Ekklesiologie" sollen die Vorteile (und den Vorzug?) dieses Kirchenbildes gegenüber den anderen herausstellen.

  • Die neuere Entwicklung des systematischen Gnadentraktates Prof. DDr. Thomas Marschler (Dogmatik)
    Ziel des Projekts ist die Herausarbeitung der formalen und inhaltlichen Transformationen, die der Gnadentraktat in dogmatischen Gesamtdarstellungen des 19. und 20. Jahrhunderts durchlaufen hat.