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Projektübersicht


  • Lehrbuch Mittelhochdeutsch

  • Modell "Zauberflöte": Die Glaubwürdigkeit des Möglichen. Kulturgeschichtliche Spiegelungen erfundener Wahrheiten

  • Mystik und Kunstutopie bei Thomas Bernhard (Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
    Das Werk Thomas Bernhards ist – offenkundig - geprägt von einer durchwegs negativen, dis-paraten und im Grunde lebensverneinenden Weltsicht, die sich etwa in kranken, isolierten Individuen oder unerschöpflichen Hasstiraden auf beinahe alles und jeden manifestiert. Diese Resignation an der modernen Welt resultiert allerdings, wie es mitunter zwischen oder in den Zeilen herauszulesen ist, aus einer Haltung des Verlustes, einer verlorengegangenen und unmöglich gewordenen Einheit mit der ‚Natur’ oder den Mitmenschen (insbesondere im familiären Zusammenhang). Vorwiegend im Frühwerk, jedoch verborgen auch in späteren Texten, finden sich Ansätze einer quasi-romantischen Einheitsutopie, die sich immer wieder in „anderen Zuständen“, einem tatsächlich mystisch zu nennenden Zusammenfließen von Eindrücken darstellt; insbesondere der kreative Akt des Schreibens steht dabei als eine Möglichkeit zur Debatte, zumindest kurzzeitig ein Gefühl dieser Einheit mit dem Sein zu erreichen. In der Dissertation werden solche Zwischentöne einmal in den Vordergrund gestellt, der Autor wird sozusagen gegen sich selbst gelesen, um den Bernhardschen Kosmos auch über das, was darin verloren ist, zu definieren, wobei über die wichtige Rolle des Schreibens auch der Weg zu einer bis jetzt nicht ganz erfassten Poetik des Autors führen soll.

  • Der blaue Reiter ist da – ein schöner Satz, fünf Worte – lauter Sterne. Der Briefwechsel von Else Lasker-Schüler und Franz Marc, ein grenzüberschreitender Dialog Karin Rossmanith-Haslinger (Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
    Der private und öffentliche Briefwechsel von Else Lasker-Schüler mit Franz Marc findet in unterschiedlichen Zeichensystemen statt. Malerei steht im Dialog mit Sprache. Es soll nun in dieser Arbeit untersucht werden, auf welchen Ebenen die Begegnung der Medien verläuft. Anhand des Beispiels der Korrespondenz der Dichterin mit dem Maler werden folgende Gesichtspunkte betrachtet:
    • Strukturen der Sprache und der Malerei im jeweils anderen Medium, Grenzen der Literatur und des Bildes, Zusammenwirken beider Zeichensysteme
    • Masken und Symbole: Tiermotiv, Farbsymbolik Liebe, Religion
    • Ein Dialog im Zeichen des Expressionismus
    • Grenzziehung, Grenzauflösung: Überschneiden von Leben und Werk, Aufhebung der Ge-schlechterpolarisation, Räume, Körper, Utopien, Überwindung des Todes

  • Die deutschsprachige geistliche Prosa des 13. Jahrhunderts im Spiegel der lateinischen Tradition: eine Untersuchung zur sprachlichen Variabilität und Stereotypie Prof. Dr. Freimut Löser (Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters)
    Die Spannung zwischen Variation und Wiederholung, zwischen grammatisch-lexikalischer Varianz und Konstanz in spätmittelalterlichen Texten bildet das zentrale Problemfeld der geplanten Untersuchung. Ihr Ziel ist, die Varianz stereotypischer Satz- und Texteinheiten am Beispiel der oberdeutschen geistlichen Prosa des 13. Jh. (mit Berücksichtigung der späteren Überlieferungstradition bis zum Ausgang des 15. Jh.) im korpusbasierten, systematischen und textsorten- und überlieferungsgeschichtlich orientierten Vergleich paradigmatisch und syntagmatisch zu beschreiben und mit den lateinischen Vorlagen zu konfrontieren. Die Auffassung der Stereotype als konzeptuell-formaler Muster, die natürlich noch hierarchisch zu klassifizieren sind, setzt die Füllungsfreiheit seiner bestimmten – oder gar aller? – Positionen voraus. Demzufolge soll die Analyse von Traktaten, Betrachtungen, Predigten, Klosterregeln und Spruchketten zur Bestimmung von Grenzen beitragen, die das Stereotyp als elementare Einheit einer literarischen Tradition von den üblichen Einheiten der natürlichen Sprache einerseits und von den Einheiten der traditionellen Poetik als solchen (d.h. ohne kontextuellen Bezug) andererseits abheben.

  • Erschließende Edition der 'Millstätter Predigtsammlung' Prof. Dr. Freimut Löser (Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters)
    Bei der ‘Millstätter Predigtsammlung’ handelt es sich um einen der letzten bedeutenden und weitgehend unedierten mittelhochdeutschen Prosatexte aus der Zeit um 1200. Er ist in nur einer Handschrift (um 1200), d.h. unikal überliefert. Besitzerwechsel und Kriegsfolgen haben bisher eine vollständige Edition dieses einzigartigen Denkmals früher deutscher Prosa verhindert. (Aus dem 19. Jahrhundert verfügen wir über Abdrucke von 20 bzw. vier Predigten der Sammlung.) Die ‘Millstätter Predigtsammlung’ ist mit ihren insgesamt 66 überlieferten Predigten die einzige unerschlossene der acht großen Sammlungen der Frühen deutschen Predigt, die im europäischen Vergleich ein quantitativ und qualitativ einzigartiges Corpus katechetischer und adhortativer Texte in der Volkssprache aus der Zeit um 1200 darstellen. Bei den Texten der Frühen deutschen Predigt handelt es sich um Musterpredigten für die Hand des Seelsorgers, die zwischen 1170 und 1230 entstanden und noch nicht der Bettelordenspredigt zuzurechnen sind. Wie sowohl zahlreiche Passagen innerhalb der Frühen deutschen Predigt als auch einzelne Handschriften belegen, ist ein auch im engeren Sinne literarisch interessiertes Publikum um 1200 als Zielgruppe der Frühen deutschen Predigt anzusehen. Es besteht demzufolge eine Schnittmenge zwischen den potentiellen Rezipienten der höfischen Literatur und denen der Frühen deutschen Predigt. Die Predigten besitzen für den theologischen und frömmigkeitsgeschichtlichen Verständnishorizont eines laikalen Adelspublikums einen zentralen Stellenwert, der bislang unterschätzt wurde. Weil die ‘Millstätter Predigten’ in geradezu idealtypischer Weise die katechetischen und liturgischen Standardinformationen zu jedem Predigtanlass enthalten, stellt die Edition dieses letzten unerschlossenen Textcorpus um 1200 ein dringendes Forschungsdesiderat dar. Die Bedeutung der ‘Millstätter Predigten’ für das Verständnis des theologischen Wissenshorizonts und Wissensbestands von Laien um 1200 kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

  • Die Erzählpoetik des Lyrikers Eduard Mörike. Zwischen Klassik/Romantik und Realismus. Kim, Jong-Pil (Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
    Seit einigen Jahrzehnten sind die Erzählwerke des Lyrikers Eduard Mörike in der Forschung mehr diskutiert als je zuvor, vor allem sein erster und einziger Roman Maler Nolten. Im Vordergrund dieser Dissertation stehen aber die 1856 eigenhändig von ihm im Sammelband Vier Erzählungen zusammengestellten Erzählwerke, die von der literarischen Entwicklung des Erzählers Mörike vom Nolten-Roman(1832) bis zur Mozart-Novelle(1856) zeugen, aber bislang in der Forschung vernachlässigt wurden. Durch die Betrachtung ihrer ästhetischen Eigentümlichkeit und literaturgeschichtlichen Zusammenhänge wird die Erzählpoetik des Lyrikers, der nur wenige erzähltheoretische Bemerkungen hinterließ, wiederhergestellt und mit der vorhergehenden bzw. nachkommenden literarischen Strömung verglichen. Somit wird der nicht unumstrittene Epochenwechsel am Übergang von der Weimarer Klassik/Romantik zum (poetischen) Realismus in die Arbeit mit einbezogen und die literahistorische Bedeutung der Werke und des Erzählers untersucht.

  • Emotion Talk Across Corpora (Englische Sprachwissenschaft)
    Das Forschungsprojekt 'Emotion Talk Across Corpora' untersucht Emotionsausdrücke (z.B. love, hate, fear, happiness) und ihren Gebrauch in vier Registern des britischen Englisch (Alltagssprache, literarische Sprache, Zeitungssprache, Wissenschaftssprache). Insbesondere geht es darum, folgende Aspekte in den ausgewählten Korpora zu untersuchen: (a) die Frequenz/Distribution von Emotionsausdrücken, (b) die Frequenz/Distribution unterschiedlicher Wortklassen, (c) den Unterschied im Gebrauch der ersten, zweiten und dritten Person und (d) die pragmatischen Funktionen des Gebrauchs von Emotionsausdrücken. Die Erkenntnisse werden auch fr benachbarte Disziplinen wie die Literatur- und Kulturwissenschaften von Interesse sein (z.B. bei der Analyse der emotionalen Perspektive von Texten).

  • Im Kerker des Gewissens. Dramatisierungen ethischer Normativität auf der Bühne der Frühen Neuzeit. Franz Fromholzer (Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
    Die Untersuchung will anhand von Gefangenensituationen in Geschichtsdramen der Frühen Neuzeit einen Beitrag zur Erkenntnis der im Umgang mit konfligierenden ethischen Normen verwendeten Strategien leisten, d. h. die literarischen und ästhetischen Bewältigungsformen angesichts der stets im Sinne eines pluralen Wahrheitsangebots deutbaren Geschichtskonflikte aufzeigen. Diese ethische Lesart der Geschichte im Drama bedarf des Konflikts mit dem Anderen, der anderen Konfession, der anderen Kultur (Orient, Slawentum), um die höher als das individuelle Leben stehende und unhinterfragbare Norm in ihrer tödlichen Konsequenz beglaubigen zu können. Damit wird eine Situation der Dialogunfähigkeit und Kompromisslosigkeit zwischen sich unterscheidenden ethischen Normen oder kulturellen Welten konstruiert, die es auf ihre historische, theologische, aber vor allem auch dramentheorethische Bedingtheit zu hinterfragen gilt. Es soll untersucht werden, wie das Ge-wissen, um in der Auseinandersetzung mit der Macht des Anderen als unhinterfragbare Auto-rität bestehen zu können, immer wieder neu gedeutet und definiert werden muss.

  • Wasser auf die Mühlen der Zeit - Eine elementare Kraft als Spiegel des Grenzraumes zwischen Fortschrittsglaube und Gesellschaftswandel. Christina Alexandra Hartmann, M.A. (Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
    Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Verhältnis des Menschen und der Gesellschaft zu der sie umgebenden Prozesshaftigkeit der Welt, ausgehend vom Beginn der französischen Revoluti-on bis hin zur Nachkriegszeit. Dabei soll insbesondere auf zwei Fragen eingegangen werden: Inwiefern fungiert das Element Wasser als Spiegel dieses Verhältnisses, sowohl inhaltlich als auch sprachlich? Wofür steht das Wasser als selbstständiger Elementarcharakter und wie setzt es der Autor ein? Unter anderem spielen ästhetische, mythologische, metaphysische, psycho-logische oder auch emanzipatorische Aspekte eine wesentliche Rolle im Zusammenhang mit dem historischen Umfeld, naturwissenschaftlichen, politischen und geistigen Entwicklungen, Industrialisierung und „Raumrevolution“. Findet über die Jahrzehnte oder Jahrhunderte hinweg ein Paradigmenwechsel bezüglich der „Wasser“-Darstellung statt, wird dieser bloß innerhalb eines Werkes thematisiert oder ist beides möglich? Aus diesem Grund nimmt die Dissertation Bezug auf Vertreter der Epochen von Klassik, Realismus- Industrialisierung und Symbolismus bis hin zur Nachkriegsliteratur: J.W. Goethe („Faust, der Tragödie zweiter Teil“), Th. Storm („Die Regentrude“, „Aquis submersus“), W. Raabe („Pfisters Mühle“), Th. Fontane („Der Stechlin“), abschließend I. Bachmann („Undine geht“) und G. Eich („Unter Wasser“).

  • Der romanische Wissenschaftsdiskurs Prof. Dr. Sabine Schwarze (Romanische Sprachwissenschaft )
    Die Beschäftigung mit der Heterogenität nationaler Wissenschaftsstile ist nicht nur im Hinblick auf mögliche allgemeinlinguistische Erträge, sondern auch auf die zu erwartenden Stimuli für die interkulturelle Kommunikationsforschung (und Fremdsprachendidaktik) ein eher vernachlässigtes Gebiet. Besondere Aktualität gewinnt sie aus der schnell fortschreitenden „sprachlichen Vereinheitlichung des wissenschaftlichen Markts“ (vgl. Bourdieu), auf dem das Englische als unbestrittene lingua franca mehr und mehr dominiert. Für den Romanisten bilden die romanischen Wissenschaftssprachen zwar weiterhin die zentrale Basis seiner fachlichen Profilierung und einen integrativen Bestandteil seiner sprachlichen Sozialisation im akademischen Bereich. Fragen muss er sich allerdings, welchen Veränderungen wissenschaftliche Textsorten, die sie tragenden Diskurstraditionen und damit das akademische Schreiben ganz konkret in den romanischen Sprachen durch die Internationalisierung der Forschung, die Partizipation in der internationalen wissenschaftlichen Öffentlichkeit und nicht zuletzt die immer bedeutender werdenden Modifikationen der Kommunikationstechniken unterworfen sind. Am Lehrstuhl bearbeitete Sprachbereiche sind: Frankreich, Italien, frankophones Kanada.

  • Menschenmaske und Tierantlitz. Eine Hermeneutik unlesbarer Gesichter. Doren Wohlleben (Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
    Das Rätsel – über die gattungstypologische Betrachtung der ,einfachen Form’ hinaus – als eine hermeneutische Grundfigur zu betrachten, in der sich Probleme des Verstehens, der Lesbarkeit sowie des Dialogs poetisch kristallisieren und ihre paradoxale Struktur im Kippspiel von Verschleiern und Enthüllen offenbaren, ist Ziel des diachron angelegten Forschungsprojektes (Schwerpunkt: 19./20. Jhd.). In einer systematischen Reflexion mit integrierten literarischen Modellanalysen wird eine Kulturgeschichte des Rätsels zu drei Theoriekomplexen in Bezug gesetzt: a.) Rätsel und Anfang, b.) Rätsel und obscuritas (,dunkles Sprechen‘), c.) Rätsel und Antlitz. Die exemplarischen Einzelinterpretationen sollen die gattungsüberschreitende und zugleich gattungskonstituierende Erzählfunktion von Rätseln vorführen (Gattungspoetik und Rätsel) und die Frage nach der Wesens- oder Wahlverwandtschaft von ,Rätsel und Literatur‘ hin zu der von ,Rätsel und Literaturwissenschaft‘ transzendieren. (Stand: Nov. 2008)