Die Untersuchung will anhand von Gefangenensituationen in Geschichtsdramen der Frühen Neuzeit einen Beitrag zur Erkenntnis der im Umgang mit konfligierenden ethischen Normen verwendeten Strategien leisten, d. h. die literarischen und ästhetischen Bewältigungsformen angesichts der stets im Sinne eines pluralen Wahrheitsangebots deutbaren Geschichtskonflikte aufzeigen. Diese ethische Lesart der Geschichte im Drama bedarf des Konflikts mit dem Anderen, der anderen Konfession, der anderen Kultur (Orient, Slawentum), um die höher als das individuelle Leben stehende und unhinterfragbare Norm in ihrer tödlichen Konsequenz beglaubigen zu können. Damit wird eine Situation der Dialogunfähigkeit und Kompromisslosigkeit zwischen sich unterscheidenden ethischen Normen oder kulturellen Welten konstruiert, die es auf ihre historische, theologische, aber vor allem auch dramentheorethische Bedingtheit zu hinterfragen gilt. Es soll untersucht werden, wie das Ge-wissen, um in der Auseinandersetzung mit der Macht des Anderen als unhinterfragbare Auto-rität bestehen zu können, immer wieder neu gedeutet und definiert werden muss.
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