- „Das positive Schweigen“– der Stellenwert der Mystik im lyrischen Werk von Ingeborg Bachmann
Susanne Fortdran
(Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
Die Dissertation hat sich zum Ziel gesetzt zu eruieren, in welcher Form das Mystische – „mystisch“ in der Deutung, die Ingeborg Bachmann in Anschluss an Wittgenstein diesem Term gegeben hat – in ihrer Lyrik zur Sprache kommt. Darüber hinaus soll untersucht werden, in welchem Verhältnis es zu einem gesellschaftlichen Anliegen in den Gedichten steht.
- Digitale Lehre: Handschriften – Projekt A/B
Prof. Dr. Freimut Löser
(Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters)
Das Projekt „Digitale Lehre: Handschrift“ zielt darauf ab, in einem hochschuldi- daktischen Rahmen auf textbezogener (Überlieferungsvarianzen) Ebene die Möglichkeit zu methodischem, nachhaltigem Arbeiten (selbstständig oder im Rahmen eines Seminars) zu garantieren. Auf diese Weise soll dank eines neu- artigen Lernprogramms der Blick für die Überlieferung einer bzw. mehrerer Handschriften in ihrer Gesamtheit geschult werden.
- Grammatik des Frühneuhochdeutschen: Besondere Verben
Dr. Helmut Graser
(Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters)
Nach langjährigen, immer wieder unterbrochenen Vorarbeiten ist Band V der „Grammatik des Frühneuhochdeutschen“, herausgegeben von Hugo Moser (†), Hugo Stopp (†) und Werner Besch im Carl Winter Verlag, Heidelberg, jetzt durch den Bearbeiter, Helmut Graser, in der Abschlussphase. Thema sind die „besonderen“ (d.h. nicht „starken“ oder „schwachen“) Verben: Präteritopräsentien (wissen, dürfen, sollen usw.), das Verb wollen, die Wurzelverben (sein, tun, gehen, stehen) sowie die kontrahierten Verben (hân ‘haben’ und lân ‘lassen’). Mit Band V wird die Darstellung der Flexionsmorphologie innerhalb der Grammatik des Frühneuhochdeutschen abgeschlossen. Materialgrundlage bilden umfangreiche Textexzerptionen und die möglichst umfassende Auswertung der einschlägigen Fachliteratur.
- Vom Handwerk zur Industrie
R. Kießling
(Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte)
Für einen Zeitraum von zwei Jahren hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) dem Augburger Lehrstuhl für Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte ab dem 1. Januar 2007 Mittel zur Bearbeitung des neu beantragten Projektes "Vom Handwerk zur Industrie - Wandlungsprozesse und Krisendiskurs im städtischen und ländlichen Textilgewerbe Augsburgs/Ostschwabens zwischen 1750 und 1850" bewilligt. Unter der Leitung des bisherigen Lehrstuhlinhabers Prof. Dr. Rolf Kießling wird das Projekt von Dr. Anke Sczesny bearbeitet werden. Als langjährige Mitarbeiterin am Institut für Europäische Kulturgeschichte der Universität Augsburg hat Sczesny bereits in ihrer Dissertation "Zwischen Kontinuität und Wandel. Ländliches Gewerbe und ländliche Gesellschaft im mittleren Ostschwaben des 17. und 18. Jahrhunderts" vertiefte Einblicke in das Textilgewerbe erarbeitet.
- Italienische Sprachgeschichte
Prof. Dr. Sabine Schwarze
(Romanische Sprachwissenschaft )
Inhaltlich unterscheidet sich die Sprachgeschichte von ihren Vorgängern dadurch, dass die neuere italienische Sprachgeschichte ab 1800 eine wesentlich stärkere Berücksichtigung findet, also die Entwicklung des Italienischen zu einer voll funktionstüchtigen Nationalsprache unter Einbeziehung aktueller Entwicklungstendenzen und der zahlreichen traditionellen wie neueren Sprachkontaktsituationen. Damit kann das Buch den Bedürfnissen der gegenwärtigen italianistischen Hochschullehre besonders gut gerecht werden. Denn diese setzt zwar Grundkenntnisse der älteren Sprachstufen (auch bei Lehramtsstudenten) voraus, doch spielt die Verbindung von Sprache, Identität und Kultur (nicht zuletzt im Rahmen neu geschaffener und noch zu schaffender Studiengänge wie Italienstudien) eine immer größere Rolle. Insofern kann und sollte eine Geschichte der italienischen Sprache, die für ein möglichst breites Publikum konzipiert ist, unbedingt auch die Verbindung zwischen Sprache und Kultur betonen und die zahlreichen von Italien ausgehenden geistesgeschichtlichen Stimuli ebenso erfassen, wie grundlegende Faktoren der inneren und äußeren Sprachgeschichte. Einem solchen Konzept stellt sich das vorliegende Projekt auch durch die Behandlung von Entwicklungsetappen der italienischen Textsortengeschichte sowie der Geschichte der italienischen Schreibkultur.
- „Iweinhandschriften“
Dr. Helmut Graser
(Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters)
Die älteste, noch aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammende Handschrift des Îwein-Romans Hartmanns von Aue, die Gießener Handschrift B, hat der jüngsten erhalten gebliebenen Îwein-Handschrift, der Lindauer Handschrift u, als unmittelbare Vorlage gedient. Dies ist innerhalb der Textüberlieferung der mittelhochdeutschen höfischen Dichtung ein wohl einmaliger Fall. Handschrift u, in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts möglicherweise in Augsburg geschrieben, ist unediert und wurde von der germanistischen Forschung bisher nicht gebührend beachtet. Unter rezeptionsgeschichtlichem Aspekt ist sie besonders wichtig, denn die spezifische Überlieferungskonstellation erlaubt es, sozusagen unter Idealbedingungen zu studieren, wie ein frühneuhochdeutscher Abschreiber mit einem klassisch-mittelhochdeutschen Text umging. Dies wiederum macht eine fundierte Kritik der bekannten „zurückübersetzten“ Editionen mittelhochdeutscher Dichtungen möglich, die allein, z.B. im Ambraser Heldenbuch, in frühneuhochdeutscher Sprache überliefert sind. Die beiden Îwein-Handschriften B und u sollen deshalb in diplomatisch getreuer Edition einander synoptisch gegenübergestellt werden. Der Edition wird eine Handschriftenbeschreibung, eine sprachliche Untersuchung, ein Reimlexikon und ein Glossar beigegeben werden.
- Kommentierte Edition der Melodien zu den lateinischen Osterfeiern und -spielen des Mittelalters
Prof. Dr. Johannes Janota
(Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters)
Die Textüberlieferung der lateinischen Osterfeiern und -spiele des Mittelalters, aus denen letztlich das volkssprachige geistliche Drama dieser Zeit hervorgegangen ist, läßt sich seit einiger Zeit anhand einer neunbändigen Ausgabe detailliert überblicken: Sie setzt in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts im ost- und westfränkischen Gebiet ein und reicht mit etwa 850 bekannten Überlieferungszeugnissen bis ins 16., teilweise sogar bis ins 18. Jahrhundert. Zwi-schen Spanien und Skandinavien verbreitet, liegt ihr Schwerpunkt in Deutschland. Während des langen Zeitraums haben sich verschiedene Typen und Varianten dieser Feiern ausgebildet. Keinen verläßlichen Überblick gibt es dagegen über die mehr als 300 Melodien, obwohl sie ein substantieller Teil der lateinischen Osterfeiern und -spiele sind: Es fehlt sowohl eine um-fassende Edition wie eine differenzierte Kommentierung der Melodien. Sie sollen als Ergeb-nis des Projekts der Mittelalterforschung zur Verfügung gestellt werden. Insbesondere der hymnologische Nachlaß von Walther Lipphardt, der neben dem von Konrad Ameln durch Vermittlung des Projektverantwortlichen von der UB Augsburg erworben werden konnte, trägt dazu bei, das aufwendige Vorhaben in nur drei Jahren zu verwirklichen.
- Sprachgeschichte Augsburgs und Ostschwabens
Dr. Helmut Graser
(Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters)
Seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden, zunächst unter der Leitung des damaligen Lehrstuhlinhabers Hugo Stopp, am Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters Sammlungen von Mikrofilmen und Textkopien aus den reichen Beständen der Augsburger Archive und Bibliotheken angelegt, die als Grundlage für Arbeiten zur Sprachgeschichte Augsburgs und Ostschwabens dienen sollten. Im Laufe der Zeit ist eine Reihe von Einzeluntersuchungen zu diesem Thema entstanden. In den letzten Jahren kam, in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Sozialhistorikerin B. Ann Tlusty und dem Inhaber des Lehrstuhls für deutsche Sprachwissenschaft, Stefan Elspaß, der Aspekt der „Sprachgeschichte von unten“ hinzu: die Analyse bisher noch nie untersuchter Dokumente vom unteren Alphabetisierungsrand, u.a. Schmäh- und Spottlieder, Pasquille, Falsch- und Erpresserbriefe, Gesuche und Berichte einfacher Leute, Familienchroniken, Bestätigungsschreiben geheilter Patientinnen, Anträge auf Erlaubnis zum Besuch der umliegenden Dörfer („Zechzettel“), Anträge auf Gestellung eines Geleits beim Eintritt in die Stadt („Judengeleitzettel“). Ziel des Projekts ist eine Darstellung der Sozialgeschichte der geschriebenen Sprache Augsburgs und der Region vom Spätmittelalter bis zum Ausgang der Frühen Neuzeit.