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Biologisierung des Sozialen oder neue Biosozialität?



Biologisierung des Sozialen oder neue Biosozialität? Die Erosion alltagsnaher Natur-Gesellschafts-Unterscheidungen und ihre Konsequenzen, Teilprojekt A2 des SFB536 'Reflexive Modernisierung'

In der dritten Projektphase (2005-2009) soll das Augenmerk auf die Entgrenzung alltagsnaher und alltagsrelevanter Natur-Gesellschafts-Unterscheidungen in Handlungsbereichen wie Gesundheit, Körperverhältnis oder Erziehung gerichtet werden, die in deutlich geringerem Maße von den stabilisierenden Grenzziehungsaktivitäten institutioneller Akteure geprägt sind. Unser Interesse gilt dabei - unter wissens-, herrschafts- und ungleichheitssoziologischen Aspekten - den Formen und Prozessen der diskursiven wie technisch-materialen Engrenzung von Unterscheidungen wie krank/gesund, Heilung/Verbesserung, natürlich/künstlich, Geist/Körper sowie den sich in Wechselwirkung damit herausbildenden sozialen Praktiken und Deutungsmustern. In vier exemplarischen Fallstudien sollen die unterschiedlichen Entgrenzungsdynamiken der Medikalisierung, der Entgrenzung von Therapie, der Entzeitlichung von Krankheit sowie der Perfektionierung und Transformation der menschlichen Natur analysiert werden. Fragen wollen wir hierbei insbesondere danach, inwieweit sich am Horizont einer möglichen 'Biologisierung des Sozialen' neuartige Formen von Herrschaft und sozialer Ungleichheit herausbilden, etwa indem sich Normen des 'perfekten' Körpers, der unbegrenzten Leistungsfähigkeit und des 'unauffälligen' Verhaltens oder auch Mechanismen der genetischen Diskriminierung durchsetzen. Zu untersuchen ist aber gleichzeitig, ob sich gegenläufig dazu Chancen für eine neue 'Biosozialität' (Paul Rabinow) eröffnen, d. h. für die Bildung von sozialen Gemeinschaften (bspw. Patientenorganisationen) und die kollektive Artikulation von Interessen auf der Grundlage einer kulturell reflektierten und gestalteten Natur. Abschließend werden die Ergebnisse aller drei Forschungsphasen im Hinblick auf die Frage, wie reflexiv gewordene moderne Gesellschaften in verschiedenen Feldern und auf unterschiedlichen Handlungsebenen auf die offenbar irreversible Erosion eindeutiger Natur-Gesellschafts-Abgrenzungen reagieren, gesellschaftstheoretisch integriert und systematisiert.

Projektbeteiligte