Das Zentralinstitut für didaktische Forschung und Lehre der Universität Augsburg legt seinen sechsten Arbeitsbericht seit der Gründung im Jahre 1999 vor.
Aus dem Vorwort der Geschäftsführenden Direktorin:
Das ZdFL wurde vor dem Hintergrund von Zielvereinbarungen zwischen der Universität Augsburg und dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie im Rahmen des Innovationsfonds mit erweiterten Zielsetzungen zu einem forschungsorientierten Lehrerbildungszentrum ausgebaut. Das zukunftsweisende, die aktuellen Problemlagen des Bildungssystems aufgreifende Leitthema ‚Heterogenität und Bildungserfolg’ wurde im Zusammenhang mit der Entstehung des Kompetenzzentrums Kultur- und Bildungswissenschaft (KKB) entwickelt und in den verschiedenen Arbeitsbereichen umgesetzt. Einer der großen Erfolge dieser Arbeit besteht darin, dass es gelungen ist, ein Promotionskolleg einzuwerben, das die Nachwuchsförderung in den Lehrerbildungsfächern nachhaltig fördert und mit neuen Impulsen versieht. Dafür danken wir der Hans-Böckler-Stiftung.
Internationale Vergleichsstudien haben immer wieder aufgezeigt, dass das deutsche Bildungssystem einer neuen Lernkultur und eines Wandels in den professionellen Kompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern aller Schulformen bedarf. Insofern stehen die universitären Leistungen in der Lehrerbildung unter einem hohen Erwartungsdruck durch die Bildungspolitik und die Öffentlichkeit. An der Universität Augsburg stellt die Lehrerbildung einen zentralen profilbildenden Bereich der Universität dar – ihre Gestaltung und Güte ist ein zentraler Faktor für die Qualität der Studiengänge wie auch für ihre Position und ihren Ruf im regionalen und überregionalen Zusammenspiel.
Für die Lehrerbildung verantwortliche Zentren, die eine Verkoppelung der beteiligten Disziplinen und eine Anbindung an die Forschung gewährleisten sollen, sind bei Weitem nicht an allen Universitäten in Deutschland etabliert. Das ZdFL hat mit seinen Aktivitäten und inhaltlichen Innovationen in Richtung einer forschungsorientierten Lehrerbildung insbesondere in der Region, aber auch darüber hinaus, ein hohes wissenschaftliches Ansehen erlangt. An der Universität Augsburg sieht sich das ZdFL dem drängenden Postulat verpflichtet, fachwissenschaftliche, fachdidaktische und erziehungs- bzw. bildungswissenschaftliche Anteile der Lehrerbildung kontinuierlich inhaltlich und organisatorisch zu integrieren sowie empirische Lehrerbildungsforschung begleitend und grundlagenorientiert zu initiieren.
Mit der leitenden Thematik ‚Heterogenität und Bildungserfolg‘ im Arbeitsbereich der Lehrerfortbildung ist der innovative Beitrag des ZdFL zur Frage des Umgangs mit Vielfalt und Diversität im Bildungssystem gekennzeichnet. Für die Formulierung von Bildungszielen und die Gestaltung von Bildungsprozessen sind der multilinguale und multikulturelle Kontext unserer Gesellschaft zunehmend von Bedeutung. In der Schule rückt die kulturelle, sprachliche und soziale Heterogenität der Schülerschaft ins Blickfeld der Akteure. Die zu vermittelnden Unterrichtsinhalte müssen anschlussfähig sein an das Vorwissen, die Erfahrungen und sprachlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Das bedeutet, dass sowohl allgemeindidaktische und fachdidaktische Auseinandersetzungen darüber zu führen sind, wie Unterricht unter diesem Vorzeichen optimiert werden kann. Verlangt sind spezifische Konzepte, die unter dem Begriff der ‚interkulturellen Didaktik‘ subsumiert werden können. Lehrerfortbildung und universitäre Lehrerbildung müssen reflektiert und verändert werden, wobei die Frage nach den personalen und sozialen Kompetenzen von Lehrpersonen, die in einem multikulturellen und multilingualen Kontext vorhanden sein müssen, von vordringlichem Belang ist. Die Vermittlung der Unterrichtssprache in den Fächern bzw. die Förderung von Mehrsprachigkeit verlangt ein Abrücken von dem Diktum der Monolingualität der deutschen Schule.
Der aktuelle Arbeitsbericht gibt einen Einblick in die Aktivitäten des ZdFL seit dem Jahr 2008. Vorgestellt werden die Forschungsprojekte, die Vortragsreihen, die Lehrerweiterbildungsangebote und die Forschungsworkshops für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Das Promotionskolleg fließt ebenfalls in die Darstellung ein.
Weitere Informationen unter 0821/ 598 - 5522