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Familiäre Lebensbedingungen und Schulerfolg (Daniel Paasch)



Im deutschen Bildungssystem zeigen sich soziale Disparitäten für den schulischen Erfolg. Schülerinnen und Schüler mit niedrigen familiären sozioökonomischen Status (SES) und/oder Sprachdefiziten in Deutsch erzielen überdurchschnittlich häufig schlechtere Schulleistungen in Lesen, Mathematik und Rechtschreiben. Zudem besuchen Schülerinnen und Schüler mit niedrigem familiären SES unterdurchschnittlich häufig ein Gymnasium.

Ein niedriger familiärer SES und Sprachdefizite können somit als Risiken für den Schulerfolg angesehen werden. Im Bereich der Gesundheitsforschung beschäftigt sich die Resilienzforschung mit Risiko-Schutzfaktoren- Modellen, in denen Risiken durch schützende Faktoren kompensiert oder abgemildert werden können. In der vorliegenden Arbeit wird dieses Modell auf den Bereich der Schule übertragen. Als Risiken für den Schulerfolg werden ein niedriger SES und Sprachdefizite angenommen. Als so genannte „schützenden Faktoren“ in der familiären Umwelt werden das Familienklima und die elterlichen Bildungsaspirationen getestet. Zusätzlich wird davon ausgegangen, dass sich Schülermerkmale wie ein hohes fachliches Selbstkonzept, hohe kognitive Fähigkeiten, ein hohes Vorwissen und hohe Ausprägungen in den Persönlichkeitsmerkmalen Gewissenhaftigkeit und Stabilität ebenfalls schützend auswirken.

Dieses Risiko-Schutzfaktoren-Modell des schulischen Erfolgs wurde für mehr als 2.000 Bremer Schülerinnen und Schüler an Schulen in schwieriger Lage in den 5. und 7. Jahrgängen querschnittlich und längsschnittlich überprüft. Die Ergebnisse aus Regressionsanalysen zeigen, dass Vorwissen, hohe kognitive Fähigkeiten, hohe Bildungsaspirationen sowie hohe fachliche Selbstkonzepte sich kompensierend auf den Risikoeinfluss eines niedrigen familiären SES auswirken. Für Sprachdefizite hingegen fanden sich keine kompensierenden Faktoren. Der negative Einfluss eines niedrigen familiären SES auf den Übertritt von der Grundschule in die Sekundarstufe wurde durch hohe elterliche Bildungsaspirationen und hohe kognitive Fähigkeiten abgemildert.

Die Arbeit erscheint in der Reihe Empirische Erziehungswissenschaft im Waxmann-Verlag.