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Rahmenkonzept der Lehrerbildung an der Universität Augsburg


 

1. Grundlinien der Lehrerbildung

•    Die Notwendigkeit einer Reform der Lehrerbildung in Bayern war dringend geboten und kann - stichpunktartig - mit folgenden Argumenten begründet werden:

(1.1) Umfeldbedingungen: Situationsanalyse

•    Gesellschaftliche Veränderungen (geänderte familiäre Verhältnisse, Berufstätigkeit beider Eltern u.a.) verändern die erzieherische Arbeitsteilung zwischen Familie und Schule.

•    Veränderte Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen (Familie, Gleichaltrige, Medien) beeinflussen die Lerndispositionen der Schülerschaft.

•    Neue Forschungsergebnisse aus dem Bereich der Lehr-Lern-Forschung (Hirnforschung, Lernpsychologie, handlungsorientiertes Lernen, Konzepte für lebenslanges Lernen) schaffen veränderte Grundlagen für die Moderation von Lernprozessen.

•    Arbeitslosigkeit und internationale Arbeitsteilung erfordern Orientierungshilfen.

•    Wegen der anhaltenden Zuwanderung sind Integrationskonzepte erforderlich

•    Globale Bedrohung der natürlichen Grundlagen menschlicher Existenz erzwingen ein Um- und Weiterdenken im Hinblick auf "Nachhaltigkeit".

•    Extremismus und Gewaltbereitschaft muß verstärkt durch Förderung von Konflikt- und Konsensfähigkeit begegnet werden.

•    Angesichts der zunehmenden Globalisierung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gilt es Kompetenzen zu schärfen, die Komplexität und Verantwortlichkeiten besser durchschauen und beurteilen lassen.

•    Wertewandel und Individualisierungstendenzen verlangen nach begründeten Orientierungsangeboten.

•    Die Prozesse der deutschen Einheit und der europäischen Integration (aber auch jene der "Einen Welt") müssen in ihren Hoffnungen und Unsicherheiten nachhaltig begleitet werden.

(1.2) Organisationsstrukturen/-bedingungen

•    Bildungspolitische Neuentwicklungen (internationale Orientierung, neue Aufgabenstellungen für die Schule u.a.) sind in den Ausbildungskonzepten zu berücksichtigen.

•    Neue hochschuldidaktische Konzepte (Projektunterricht, Multimedia, EDV-gestützter Literaturzugriff u.a.) führen teilweise zu veränderten Ausbildungsformen.

•    Technische und institutionelle Bedingungen der Massenkommunikation bedingen erhöhte Qualifikationen für möglichst eigenständige Informationsgewinnung, -bewertung und -nutzung.

•    Aus den vorgenannten Änderungen ergeben sich völlig neue berufliche Herausforderungen für Lehrer (interkulturelle Erziehungsaufgaben, sozialpädagogische Aufgaben, Gewalt an den Schulen, Entwicklung einer neuen Lernkultur, Schule als lernende Organisation).

•    Die aufgeführten gesellschaftlichen und bildungspolitischen Erfordernisse auf nationaler und internationaler Ebene verlangen von der schulischen Ausbildung eine Stärkung von drei Kompetenzbereichen:

1.    einer Fachkompetenz, die nicht nur statische Wissensbestände sondern flexibel einsetzbare und weiter entwickelbare Fähigkeiten mit einer begleitenden Lernkompetenz beinhaltet,

1.    einer Persönlichkeitskompetenz, die das Spannungsfeld zwischen Stabilität und Entwicklungsfähigkeit zu bewältigen vermag,

2.    einer Sozialkompetenz, die Kommunikationsfähigkeit und Verantwortungsbereitschaft als wichtige Werte einschätzt und pflegt.

•    Dazu sind Lernkulturen zu entwickeln, die in synergetischen Prozessen diese Kompetenzbereiche entwickeln.

Eine zukünftige Lehrerbildung muss auf diese umfassende Anforderung unter erschwerten erzieherischen Randbedingungen vorbereiten. Dabei sind auch strukturelle Defizite zu überwinden und Fragen der Zugangsberechtigung neu zu überlegen.

2. Forderungen an eine berufsfeldorientierte Lehrerbildung

•    Für eine zukunftsfähige Lehrerbildung muß jene neue umfassende Allgemeinbildung mit der je spezifischen fachwissenschaftlichen Ausbildung koordiniert und integriert werden, damit das notwendige Problembewußtsein zum Tragen und die erforderlichen Sachkenntnisse zur Wirkung gelangen können. Künftig sind Studiencurricula zu entwickeln, die z.B. solide, fachwissenschaftlich gesicherte und aufeinander abgestimmte Grundlagen bereitstellen und diese nach didaktischen-methodischen Kriterien der beteiligten Didaktikdisziplinen reflektiert umsetzen.

(2.1) Lehrerbildung und Schule

•    Innovationen in den Schulen und im Schulsystem können durch eine innovative Lehrerbildung eingeleitet und vorangebracht werden. Didaktische Forschung und Lehre, erziehungs- und sozialwissenschaftliches Studium wie auch fachwissenschaftliches Studium sind curricular miteinander zu verbinden. Ihr Bezugsfeld ist die Schule.

Universitäre Lehrerbildung braucht eine enge Verzahnung mit der Schule durch neue institutionalisierte Lösungen wie z.B. Kooperationsschulen.

(2.2) Wissenschaftlichkeit

•    Die Wissensgesellschaft ist darauf angewiesen, daß Forschung nicht nur für den Wissenstransfer verantwortlich ist, sondern auch für die Vermittlung von "intelligentem Wissen" (zur Bewältigung zukünftiger Herausforderungen). Alle drei Säulen des Lehramtsstudiums, Erziehungswissenschaft/ Fachdidaktik/ Fachwissenschaft, sehen sich in der Pflicht für diese Aufgabe. Nur durch eine konsequente universitäre Verankerung der Lehrerbildung im Prozeß von Forschung und Lehre kann dies sichergestellt werden.

(2.3) Schulartenorientierung / Fächerorientierung

•    Durch eine angemessene Differenzierung der Studienrichtung und der Studieninhalte ist der Bezug zu den Schularten sicherzustellen.

Deshalb muß durch das Wahlsystem der Studieninhalte sichergestellt werden, daß die Fächer, so wie sie später in der Schule unterrichtet werden, bereits auch in der Lehrerbildung verankert sind.

(2.4) Schulpraxisorientierung/ Berufsorientierung

•    Eine intensive Orientierung der Lehrerbildung an der Schulpraxis zu Studienbeginn und studienbegleitend ist erforderlich, damit die Studienmotivation und Studienleistung der Lehramtsstudierenden selbstkritisch reflektiert werden kann.

Studienbegleitende Schulpraxiserfahrungen sind wesentliche Voraussetzung für die Verzahnung und inhaltliche Ausrichtung aller anderen Studienanteile auf die beruflichen Anforderungen des späteren Lehrberufs. Erst dadurch kann die Relevanz fachlich-genetischer, fachdidaktischer und erziehungswissenschaftlicher Ausbildungsanteile ermessen werden.

(2.5) Verbindung von theoretischen und berufspraktischen Aufgaben

•    Eine systematische und wissenschaftlich reflektierte Verzahnung der theoretisch ausgerichteten Studienanteile und der schulpraktischen Studien ist für die Lehrerbildung unverzichtbar. Dies erfordert eine theoriegeleitete Vor- und Nachbereitung der verschiedenen Schulpraktika und deren planmäßige Einbindung in den Studienablauf. Die Analyse des konkreten Verhaltens der Lehramtsstudierenden bei Unterrichtsversuchen spielt eine zentrale Rolle. Ziel der Verbindung von Theorie und Praxis muß die Förderung eines explorativen Verhaltens gegenüber dem komplexen Unterrichtsgeschehen und die Anleitung zu dessen gezielter Reflexion sein.

(2.6) Lehrerbildung und Hochschuldidaktik

•    Neue Lehr-Lern-Formen in der Schule bedürfen einer angemessenen und beispielhaften Realisiserung in den Lehrveranstaltungen des Lehrerstudiums. Lehrerstudium muß Raum bieten für forschendes Lernen (Projektunterricht, Lernwerkstätten u.a.)

Fächerübergreifende Ansätze, die Fachwissenschaft, Fachdidaktik, Pädagogik und Psychologie koordinieren, bedürfen einer verbindlichen Verankerung innerhalb der Lehrerbildung.

(2.7) Fachwissenschaften

•    Ein wesentlicher Umfang der Studieninhalte entfällt auf die Fachwissenschaften. Bezugspunkte und Auswahlkriterien für fachwissenschaftliche Inhalte sind vor allem:

•    die inhaltlichen Schwerpunkte in der didaktischen Theorie der einzelnen Unterrichtsfächer.

•    Charakteristische, auch für die Zukunft bedeutsame Inhalte der jeweiligen Fachwissenschaft.

•    Fachwissenschaftliche Inhalte mit Modellcharakter; auch hinsichtlich der Forschungsmethoden, Arbeitsmethoden, u.a.

•    Inhalte die geeignet sind, instrumentelle Fähigkeiten zu vermitteln zum selbständigen Erarbeiten und Lösen von Fragen und Problemen.

•    Während des Studiums müssen in den Fachwissenschaften (möglichst an konkreten Projektbeispielen) die Voraussetzungen für die berufsbegleitende Kompetenzerweiterung geschaffen werden; auch hinsichtlich schulinterner Weiterbildung und Supervision.

(2.8) Professionalität

•    Vorbedingung für ein erfolgreiches Handeln des Lehrers ist seine Professionalität; diese zeigt sich in seiner Kompetenz zum Unterrichten und Erziehen, zur Diagnose und Förderung, zur Beratung und Konfliktlösung sowie in seiner Fachkompetenz. Zum Erwerb dieser Kompetenzen muß der Anteil der erziehungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Studien erhöht werden und das Fachstudium in ökonomischer Weise auf den Erwerb benötigter Fähigkeiten zugeschnitten werden.

(2.9) Internationalisierung/ Globalisierung/ Multikulturalität

•    Die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Änderungen bedürfen einer angemessenen Berücksichtigung in der Lehrerbildung durch ausreichende Auslandserfahrungen und ein kompetenten Auseinandersetzung mit medienpädagogischen Fragen.

Die strukturellen Ansätze des Lehrerstudiums sind so zu lösen, daß die internationale Anerkennung durch einen eigenen akademischen Abschluß gewährleistet ist.

Das Zusammenwachsen Europas in der Europäischen Union und die tatsächliche Multikulturalität in Schulen haben eine zunehmende Bedeutung als Erziehungs- und Bildungsaufgabe. Die exemplarische Einführung in fremde Kulturen während des Studiums (z.B. im Rahmen eines Auslandssemesters) gehört zum Pflichtbestandteil jedes Lehramtsstudiums.

(2.10) Modularisierung

•    Lehramtsstudiengänge sind in Module zu gliedern, damit Studienleistungen für andere Studiengänge angerechnet werden können. Studienmodule bieten den Vorteil, daß Studienleistungen studienbegleitend abgelegt werden können.

3. Kennzeichen des Augsburger Rahmenkonzeptes

•    Die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern an der Universität Augsburg verpflichtet sich dem Bildungsgedanken (europäisch-humanistischer Provenienz) und übernimmt insofern eine kulturtragende Aufgabe.

Sie basiert auf der anthropologischen Grundannahme, daß Studienbewerberinnen und -bewerber mit Interesse am Lehramtsstudium selbstbestimmte, reflektierende, lernfähige und -bedürftige Individuen in einer bestimmten Entwickungsphase sind, die ihre Fähigkeiten und Interessen in einem beruflichen Tätigkeitsfeld aufgabenbezogen entfalten wollen und können.

Unter gegebenen Rahmenbedingungen (Umfeldbedingungen und organisatorische Ausgestaltung der Bildungsinstitutionen) ermöglicht "berufsfeldorientierte" Lehrerbildung in Augsburg professionelle, forschungsorientierte fachliche sowie fach- und fakultätsübergreifende Bildungsangebote, die von den Studierenden im Lehramt in größtmöglicher Selbstverantwortung (jedoch mit Beratungsangeboten) berufsfeldorientiert genutzt werden können.

Zeitgemäße Erklärungen zum Aufbau von Wissen und Werthandlungen, zur Förderung von Denken und von entsprechendem Handeln sind in Verbindung mit den Forschungsergebnissen der geisteswisssenschaftlichen Pädagogik erkenntnistheoretische Wurzeln der kontinuierlich kooperativ aktualisierten und überprüften Bildungsangebote.

Qualitätsstandards, Vielfalt in den Vermittlungskonzeptionen und Qualitätssicherung durch Evaluation ermöglichen in Zusammenarbeit mit der Praxis und ergänzt durch virtuelle Bildungsangebote einen erfolgreichen Studienverlauf im Rahmen der universitär erforderlichen Studienzeiten.

 

(3.1) Leitbild

•    Ein unstrittiges Ergebnis didaktischer Forschung ist die Erkenntnis, daß die Person der Lehrerin/des Lehrers eine gesellschaftstragende Funktion und Bedeutung einnimmt. Ihr gilt daher die ungeteilte Aufmerksamkeit.

Die beruflichen Aufgaben von Lehrerinnen und Lehrern stehen im Spannungsfeld von

•    erzieherischen Aufgaben (Orientierung ermöglichen in einer wertpluralistischen Zeit, in der familiäre Sozialisationsbedingungen diese Funktion nicht immer individuellen und gesellschaftlichen Erwartungen entsprechend wahrnehmen)

•    der Förderung von Lernprozessen, die nicht nur im Unterricht angeregt werden (vor allem aufgrund der zunehmenden Bedeutung virtueller Lernwelten) sondern die auch zum Aufbau von fundiertem Begriffs- und Zusammenhangwissen dienen, das permanent aktualisiert werden muß und zu problemlösendem Denken befähigen soll

•    der Förderung von reflektiertem Handeln, das aus wissensbasierten Grundlagen resultiert und einen Bildungsstand erkennen läßt.

•    In diesem Kontext zielt die Ausbildung von künftigen Lehrerinnen und Lehrern an der Universtität Augsburg im Ergebnis darauf ab, Bildungsangebote zu ermöglichen, die den Weg zur Entwicklung einer gebildeten Persönlichkeit, die über Werthaltungen, Wissen und Handlungsstrategien verfügt, erworbene Kompetenzen selbstorganisiert weiterentwickelt (Fort- und Weiterbildungsangebote - auch virtuelle - kennt und nutzt), kulturell interessiert und engagiert ist, einige Zeit begleiten und in dieser Zeit bestmöglich fördern können. Absolventinnen und Absolventen sollen überprüfbar erkennen lassen, daß sie (auf der Grundlage ihrer Persönlichkeitsstruktur) die notwendigen Voraussetzung besitzen, um Balance zwischen dauerhaft zu bewältigenden beruflichen Aufgaben und privatem Wohlbefinden zu halten und damit auch als Modell dienen können.

 

(3.2) Studienorganisation

•    Ein Orientierungspraktikum in Kombination mit einer verbindlichen Studienberatung vor und zu Beginn des Studiums sind wesentliche Elemente, um Lehramtsstudierenden eine realistische Vorstellung von den beruflichen Anforderungen und den Eingangsvoraussetzungen für das Lehramtsstudium zu vermitteln.

•    Bereits zu Beginn des Studiums (im 2. Studiensemester) ist ein integriertes sog. Schulpraxissemester vorgesehen, das in enger Zusammenarbeit mit Schulen durch die Universität vorbereitet, durchgeführt und ausgewertet wird.

•    Zur Verzahnung der Studieninhalte werden parallel und durchgehend bis zum 1. Staatsexamen neben den fachwissenschaftlichen Studienanteilen erziehungswissenschaftliche und fachdidaktische Studieninhalte sowie durchgehend Praktika angeboten.

•    Die inhaltlichen Schwerpunkte im Bereich des fachwissenschaftlichen Studiums, der erziehungswissenschaftlichen und der fachdidaktischen Studienanteile wie auch der schulpraktischen Studien / Praktika berücksichtigen verstärkt die schulartspezifischen Bedürfnisse und Besonderheiten.

•    Die Modularisierung des Studienangebotes im Bereich der Lehramtsstudiengänge ermöglicht die studienbegleitende Ablegung von (Teil)Prüfungen nach dem ETCS-Punktesystem. (Für Studienfach-Wechsler können bereits erfolgreich abgelegte Studienmodule für Nicht-Lehramtsstudiengänge wie z.B. Magister oder Diplom angerechnet werden.)

•    Die Kooperation von 1. und 2. Ausbildungsphase kann durch folgende (beispielhafte) Einzelmaßnahmen verbessert und effektiver gestaltet werden:

o    Dozenten unterrichten in beiden Ausbildungsphasen

o    verbindliches Festlegen von sog. "Kerncurricula" sowohl für den ersten wie auch den zweiten Ausbildungsabschnitt

o    Auswertung von Ergebnissen der Evaluation von Lehrveranstaltungen mit dem Ziel der Verbesserung der inhaltlichen Absprachen und der Koordination des Studienangebots

o    Förderung der Zusammenarbeit von Praktikumsschulen, Kooperationsschulen und Seminarschulen sowie regelmäßige Überprüfung des Studienerfolges bzw. Ausbildungserfolges unter Berücksichtigung von Standards für Lehrkompetenzen

 

4. Grundstruktur des Rahmenkonzepts für das Lehramtsstudium

(4.1) Eignung

•    Bereits vor Studienbeginn muß durch geeignete Vorerfahrungen sichergestellt werden, daß sich die Studienentscheidung an realistischen und qualitativen Anforderungen des späteren Lehrberufs orientieren kann. Auch während des Studiums muß gewährleistet sein, daß - nach geänderter Selbsterkenntnis des Studierenden - ein Studienwechsel ohne großen Verlust erbrachter Studienleistungen möglich sein kann.

Häufig wird argumentiert, daß bereits vor Studienbeginn sog. Studieneingangsvoraussetzungen nachzuweisen sind. Mit solchen Überlegungen wird die Absicht verfolgt, daß Bewerber für ein Lehramtsstudium sich von vorneherein (also schon vor Studienbeginn) der besonderen Aufgabe und Verantwortung aber auch der besonderen Belastungen ihres künftigen Berufsfeldes bewußt sein sollen. Die dazu vorgeschlagenen Auswahlverfahren sollten der Auswahl der Studienbewerber dienen und Anstöße zu einer selbstkritischen Einschätzung der Berufseignung für Lehramtsstudierende geben. Damit sollte zu einem früheren Zeitpunkt die Orientierung für berufliche Alternativen und eventuell die Wahl anderer Studienfächer angeboten werden.

Die Vorschläge zum "Abitur-Test-Interview-Modell" (ATIM) zeigen zwar Anwendungsmöglichkeiten auf, jedoch ist grundsätzlich zu hinterfragen, ob die Übertragbarkeit auf die speziellen Bedürfnisse bei der Auswahl von Bewerbern für Lehramtsstudien überhaupt möglich ist.

Besonders abschreckend bei solchen mehrstufigen Auswahlverfahren ist jedoch der hohe personelle und zeitliche Aufwand bei der praktischen Durchführung.

Für das mit diesem Rahmenkonzept stimmige Verfahren sollte auf folgende Einzelelemente zurückgegriffen werden zur stufenweisen Abklärung der Berufseignung von Lehramtsbewerbern / Lehramststudierenden:

•    Orientierungspraktikum (ca. 4 Wochen) vor Studienbeginn

•    Studienberatung zu Beginn des Studiums

•    begleitende Studienberatung während des Studiums insbesondere in Verbindung mit fachdidaktischen und schulpädagogischen Lehrveranstaltungen. Eine besondere Bedeutung haben eigene (erste) Unterrichtserfahrungen im Rahmen der Praktika, von denen gezielte Impulse ausgehen können zur selbstkritischen Prüfung und Reflexion der Eignung für den späteren Lehrberuf

•    wesentliche Anstöße hinsichtlich der Berufseignung sind von den studienbegleitend zu erbringenden Leistungsnachweisen zu erwarten. Die Modularisierung des Studiums und die Vergabe von entsprechenden Punkten nach dem ETCS-System geben - studienbegleitend - den Studierenden Rückmeldungen über den Studienerfolg. Die Qualität und Wirksamkeit solcher Rückmeldungen wird unter dem Aspekt zukünftiger Berufseignung umso größer sein, je stärker schulpraktische Anteile in die Bewertung und bei der Vergabe von Leistungspunkten mit einfließen. Unter diesem Aspekt wird die Frage nach der Berufseignung als studienbegleitender und im Studium anzustoßender Prozess der Selbstreflexion der Studentin/des Studenten gesehen.

 

(4.2) Koordination der Studieninhalte

•    Erziehungs-/ Sozialwissenschaftliche Studienmodule, Studienmodule der Fachwissenschaften, der Fachdidaktik und der Praktika sind über das gesamte Studium verteilt. Die Koordination der Studieninhalte ist dann gewährleistet, wenn sie transparent und in ein Rahmencurriculum integriert sind.

Entscheidend für den hier vertretenen Ansatz ist, daß die o.g. Studienanteile nicht nacheinander, sondern nebeneinander studiert werden, somit also wesentlich besser verzahnt und koordiniert werden können.

 

(4.3) Berufsfeld

•    Bereits ab dem 2. Semester sind regelmäßig im gesamten Studium Praktika/ schulpraktische Studien integriert. Auf dieser Grundlage ist eine enge Verzahnung mit Fachdidaktik, Fachwissenschaft und Erziehungs- und Sozialwissenschaft möglich und erforderlich. Berufsfeldorientierung schließt ein, daß vor allem in den schulpraktischen Studien/Praktika Fragen der spezifischen beruflichen Anforderungen und Belastungen wie auch die hohe Verantwortung des Lehrberufs für Gesellschaft und Kultur herausgestellt werden. Vor dem Hintergrund solcher Prozesse der Bewußtmachung ist es für Lehramtsstudierende wesentlich leichter bereits während des Studiums die sich entwickelnden Fähigkeiten selbstkritischer einzuschätzen. Die studienbegleitend angebotene Studienberatung kann hierzu eine wesentliche Hilfe sein. Damit soll einerseits eine falsche oder einseitige Studienentscheidung korrigiert werden und andererseits das Lehramtsstudium in seinem Stellenwert und Image aufgewertet werden.

 

5. Die zweite Ausbildungsphase

•    Die vielfältigen Möglichkeiten zur Koordination von 1. und 2. Ausbildungsphase sind intensiv auszuschöpfen z.B. durch personelle Verbindung des Einsatzes in der 1. und 2. Ausbildungsphase, regelmäßige Qualitätssicherung durch Evaluation der Lehre in beiden Ausbildungsphasen, wechselseitige Supervision und Austausch von Bewertungsergebnissen mit den Vertretern beider Ausbildungsabschnitte, gemeinsame Durchführung von Lehrveranstaltungen, Organisation von Studientagen, Projektwochen unter Beteiligung von Vertretern aus beiden Ausbildungsabschnitten u.a.m. Die Koordination aller inhaltlichen, strukturellen und organisatorischen Aufgaben des Lehramtsstudiums (einschließlich der 2. Ausbildungsphase) ist durch die Einrichtung universitärer Zentren für Lehrerbildung zu lösen.

6. Lehrerfort- und -weiterbildung

•    Nur durch regelmäßige Fort- und Weiterbildung kann ein hoher fachlicher Standard von Lehrern sichergestellt werden.

Die strukturellen Lösungen der Lehrerbildung und die Auswahl ihrer Studieninhalte sind so auszurichten, daß sie die Voraussetzungen schaffen für die Fort- und Weiterbildung im späteren Beruf als Lehrer. Fortbildungsbedürfnisse und die Einsicht in die Notwendigkeit einer berufsbegleitenden (auch schulinternen) Weiter-und Fortbildung (auch unter Einbeziehung von Dozenten aus dem Universitätsbereich) ist durch entsprechende strukturelle Verzahnung vorzubereiten.