Zu den großen Herausforderungen des bundesdeutschen Bildungssystems gehört es, Konzepte für den Umgang mit Vielfalt zu finden. Heterogenität wird in diesem Zusammenhang zunehmend mehr zum Leitbegriff der Beschreibung und Analyse dieser Vielfalt im Spannungsverhältnis von individuellen Voraussetzungen für Bildungserfolg und den Dimensionen sozialer, kultureller und sprachlicher Herkunft sowie Geschlecht und Alter.
Die Veranstaltungsreihe „Bildung im Zeichen kultureller und sprachlicher Heterogenität – Herausforderungen für Forschung und Praxis“ widmet sich dem Thema mit verschiedenen Zugängen. Die fünf Vorträge von ausgewiesenen Expert(inn)en zielen darauf ab, interdisziplinäre Perspektiven zusammenzuführen und diese mit aktuellen Fragen zu konfrontieren – ausgehend von Interkulturalität in der empirischen Forschung über die Bedeutung der Professionalisierung von Lehrkräften und deren Grenzen mit Blick auf die Relevanz von Sozialisationseinflüssen hin zu theoretischen Ansätzen und method(olog)ischen Aspekten im Feld von Bildung und Schule. Der praxisbezogene Tagesworkshop zur interkulturellen Pädagogik ist zudem auf die konkreten Bedürfnisse von Lehrkräften aller Schulformen sowie von Schulsozialpädagog(inn)en und -psycholog(inn)en ausgerichtet. Ziel ist die Vermittlung von Fähigkeiten für einen ‚gelingenden‘ Umgang mit Heterogenität in der pädagogischen bzw. fachdidaktischen Praxis.
Den Flyer mit weiteren Informationen finden Sie hier.
Programm - Vorträge
18.05.11:
Interkulturalität in der empirischen Forschung (PDF)
Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden
Universität Augsburg, Professur für Pädagogik der Kindheit und Jugend; Geschäftsführende Direktorin des Zentralinstituts für didaktische Forschung und Lehre, Sprecherin des Promotionskollegs‚ Heterogenität und Bildungserfolg
25.05.11:
Lehren neu denken – professionelle Kompetenzen von Lehrkräften (PDF)
Prof. Dr. Drs. h.c. Jürgen Baumert
Direktor (em.) am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin, Forschungsbereich Erziehungswissenschaft und Bildungssysteme

Fotos: Klaus Satzinger-Viel, Universität Augsburg
08.06.11:
Mehr als Kompetenz – Sozialisationseinflüsse auf Disparitäten bei der Motivation und der Leistung von Schüler(inne)n (PDF)
Prof. Dr. Markus Dresel
Universität Augsburg, Lehrstuhl für Psychologie
06.07.11:
Anmerkungen zur Theorie und methodischen Praxis der Dispositivforschung im Feld von Bildung und Schule (PDF)
Prof. Dr. Werner Schneider
Universität Augsburg, Professur für Soziologie mit Berücksichtigung der Sozialkunde
20.07.11:
Interaktionsanalysen zu Zweitspracherwerb, Unterrichtskontexten und interkultureller Kommunikation. Konversations- und gesprächsanalytische Perspektiven (PDF)
Prof. Dr. Martina Rost-Roth
Universität Augsburg, Lehrstuhl Deutsch als Zweit- und Fremdsprache und seine Didaktik
Programm - Fortbildung für Lehrkräfte (Workshop)
Freitag, 27.05.2011, 09.30 Uhr bis 16.30 Uhr
Interkulturelle Pädagogik in Schule und Lehrerbildung – Transkulturelle Kompetenz im Bildungswesen
Neben anderen Entwicklungen hat auch die Zuwanderung nach Deutschland eine große Pluralität der Lebensweisen und damit auch der für die Schule relevanten Familien- und Erziehungskonzepte hervorgebracht. Lehrerinnen und Lehrer stehen vor der Herausforderung, Kindern mit unterschiedlichen religiösen, kulturellen, sozioökonomischen und sprachlichen Hintergründen gerecht werden zu müssen. Auch die Zusammenarbeit mit deren Familien bringt neue Anforderungen mit sich. Transkulturelle Kompetenz ist damit zu einer Schlüsselqualifikation im Lehramt geworden.
Ziel dieser Fortbildung ist es, die transkulturellen Kompetenzen von Pädagoginnen und Pädagogen zu stärken. Eine wichtige Grundlage dazu ist die Auseinandersetzung mit dem alltäglichen und wissenschaftlichen Kulturbegriff. Dazu werden exemplarisch Studien und Forschungsergebnisse zu Spätaussiedler-Familien und Familien mit türkischem Migrationshintergrund herangezogen. Das Konzept der Transkulturalität ermöglicht es, die Komplexität der Lebenswelten von Menschen mit Migrationshintergrund sichtbar zu machen. Die Schwerpunktthemen Erziehungskonzepte und Geschlechterrollen werden anhand ausgewählter Aspekte aus dem Modell der kulturellen Orientierungen diskutiert. Eigen- und Fremdwahrnehmungen, Stereotype und Vorurteile werden transparent und regen zur Selbstreflexion an. In der abschliessenden Themeneinheit beschäftigt sich der Workshop mit eigenen Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Umgang mit kultureller Differenz. Unter Einbezug der Methode der critical incidents werden erlebte Konflikte einer neuen Lernerfahrung zugänglich gemacht, wobei der kollegiale Austausch hierbei im Vordergrund steht.
Die Fortbildung wird im Team-Teaching von zwei erfahrenen Trainerinnen durchgeführt. In allen inhaltlichen Blöcken kommen Übungen und Methoden aus der interkulturellen Didaktik zum Einsatz, die auch im Schulunterricht Anwendung finden können.
Die Dozentinnen
Yvonne Adam, Ethnologin (M.A.), und Dr. phil. Magdalena Stülb, Ethnologin (M.A.), gründeten gemeinsam AMIKO – das Institut für Migration, Kultur und Gesundheit in Freiburg. Seit dem Jahr 2000 führen sie Schulungen und Trainings zu Transkultureller Kompetenz für Berufstätige im Gesundheits- und Sozialwesen durch und forschen zu Migrationsthemen, so bspw. zur Schwangerschaft, Geburt und dem Muttersein von Migrantinnen in Deutschland.
Hinweise
Alle Veranstaltungen sind als Fortbildungen für bayerische Lehrkräfte anerkannt.