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Bildung im Zeichen kultureller und sprachlicher Heterogenität (Teil II)
WS 2011/2012


Für die Formulierung von Bildungszielen und die Gestaltung von Bildungsprozessen sind der multilinguale und multikulturelle Kontext unserer Gesellschaft zunehmend von Bedeutung. Den Schulalltag und den Unterricht unter diesen Vorzeichen zu optimieren, verlangt neben strukturellen Veränderungen vor allem neue Konzepte und (fach-)didaktische Auseinandersetzungen. Zu den großen Herausforderungen des bundesdeutschen Bildungssystems gehört es, Konzepte für den Umgang mit Vielfalt zu finden. Heterogenität wird in diesem Zusammenhang zunehmend mehr zum Leitbegriff der Beschreibung und Analyse dieser Vielfalt im Spannungsverhältnis von individuellen Voraussetzungen für Bildungserfolg und den Dimensionen sozialer, kultureller und sprachlicher Herkunft sowie Geschlecht und Alter.

Die Komplexität der Thematik, die einen mehrperspektivischen Zugriff erfordert, kommt im Programm der Veranstaltungsreihe in zweierlei Weise zum Ausdruck:

Die fünf Vorträge von ausgewiesenen Expertinnen und Experten zielen darauf ab, interdisziplinäre Perspektiven zusammenzuführen und diese mit aktuellen Fragen zu konfrontieren – ausgehend von den Potenzialen und Grenzen geschlechtsbezogener Pädagogik über die Perspektive der Lehrkräfte auf Heterogenität im jahrgangsgemischten Unterricht und die 'Lehren' aus den großen Schulleistungsstudien hin zu den interkulturellen Dimensionen der Erwachsenenbildung und den Herausforderungen sprachlicher und kultureller Heterogenität für den Geschichtsunterricht. Die beiden praxisbezogenen Tagesworkshops zur interkulturellen und zur geschlechtsbezogenen Pädagogik sind zudem auf die konkreten Bedürfnisse von Lehrkräften aller Schulformen sowie von Schulsozialpädagog(inn)en und -psycholog(inn)en ausgerichtet. Ziel ist die Vermittlung von Fähigkeiten für einen 'gelingenden' Umgang mit Heterogenität in der pädagogischen bzw. fachdidaktischen Praxis.

Flyer und Poster zu den Veranstaltungen


Vortragsreihe (Fortsetzung vom Sommersemester)

"Bildung im Zeichen kultureller & sprachlicher Heterogenität – Herausforderungen für Forschung und Praxis" (Teil II)

12. Oktober 2011
Jungen in der Schule: Potenziale und Grenzen geschlechtsbezogener Pädagogik und Didaktik (PDF)
Dr. Jürgen Budde,
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

9. November 2011
Lehrersicht auf Heterogenität im jahrgangsgemischten Unterricht
(PDF)
Prof. Dr. Andreas Hartinger,
Universität Augsburg, Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und Grundschul-didaktik

7. Dezember 2011
Migrationsbedingte Disparitäten im allgemeinbildenden Schulsystem: Lehren aus den großen Schulleistungsstudien.

Prof. Dr. Olaf Köller,
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Geschäftsführender Direktor am IPN

11. Januar 2012
Die Herausforderung der Interkulturalität für die Erwachsenenbildung

Prof. Dr. Elisabeth Meilhammer,
Universität Augsburg, Lehrstuhl für Pädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenen- und Weiterbildung

1. Februar 2012
Herausforderungen sprachlicher und kultureller Heterogenität für den Geschichtsunterricht

Prof. Dr. Susanne Popp,
Universität Augsburg, Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte


Workshop I

Interkulturelle Pädagogik in Schule und Lehrerbildung – Transkulturelle Kompetenz im Bildungswesen (Aufbauseminar)

Bildungseinrichtungen stehen heute vor der Herausforderung, Kindern und Familien mit unterschiedlichen religiösen, kulturellen, sozioökonomischen und sprachlichen Hintergründen gerecht werden zu müssen. Transkulturelle Kompetenz wird damit zu einer Schlüsselqualifikation für Lehrende. Wie schon im vorangegangenen Seminar nähern wir uns dem Thema Vielfalt in bewährter Weise über eine Simulationsübung an. Dabei geht es um das Erkennen von kulturellen Orientierungen, um daraus Strategien zum Lösen von Problemen in multikulturellen Gruppen bspw. Schulklassen abzuleiten. Eine wichtige Grundlage dazu ist das Wahrnehmen von Stereotypen und die Bereitschaft zur Reflexion von Vorurteilen. Auf der inhaltlichen Ebene wird das Wissen über Familien aus Osteuropa und aus arabischsprachigen Ländern vertieft. Viel Zeit für einen kollegialen Austausch eigener Erfahrungen im Umgang mit kultureller Differenz ist vorgesehen. Der Einbezug der Methode der 'critical incidents' ermöglicht es dabei, erlebte Konflikte einer neuen Lernerfahrung zugänglich zu machen.

Ziel dieser Fortbildung ist es, durch die didaktische Anregung zur Selbstreflexion und der Vermittlung von Hintergrundwissen die transkulturellen Kompetenzen von Pädagoginnen und Pädagogen zu stärken. Die Teilnahme an der vorausgegangenen Fortbildung ist keine Voraussetzung, auch neuen Interessierten wird ein inhaltlicher Einstieg ermöglicht. Die Fortbildung wird im Team-Teaching von zwei erfahrenen Trainerinnen durchgeführt. In allen inhaltlichen Blöcken kommen Übungen und Methoden aus der interkulturellen Didaktik zum Einsatz, die auch im Schulunterricht Anwendung finden können.

Die Dozentinnen:

Yvonne Adam, Ethnologin (M.A.), und Dr. phil. Magdalena Stülb, Ethnologin (M.A.), gründeten gemeinsam AMIKO, das Institut für Migration, Kultur und Ge-sundheit in Freiburg. Seit dem Jahr 2000 führen sie Schulungen und Trainings zu Transkultureller Kompetenz für Berufstätige im Gesundheits- und Sozialwesen durch und forschen zu Migrationsthemen.


Workshop II

Jungen in der Schule: Potentiale und Grenzen geschlechtsbezogener Pädagogik und Didaktik

Die Debatte um Jungen im Bildungssystem wird zunehmend intensiv geführt. Im Vordergrund stehen dabei oftmals negative Perspektiven. Je nach Kontext werden Leistungsdefizite, Motivationsmängel oder unliebsames soziales Verhalten mit Verweis auf die individuelle Geschlechtszugehörigkeit erklärt. Gefordert werden im Gegenzug Strategien, mit denen Jungen in besonderer Weise in Schule und Unterricht angesprochen werden können. Die Vorschläge reichen von männlichen Lehrkräften, Jungenarbeit und Monoedukation bis hin zu einer jungenorientierten Didaktik, die meisten sind jedoch in der Praxis nur bedingt einsetzbar. Dies liegt u.a. daran, dass Jungen (ebenso wie Mädchen) höchst unterschiedlich sind. Dabei bieten Männlichkeitsvorstellungen Jungen Orientierung und Zugehörigkeit, können sich jedoch gleichzeitig in der Schule als problematisch erweisen. Besonders der Peer-Group kommt aus Perspektive der Jungen eine besondere Bedeutung zu.

Ziel des Workshops ist es, mit einem theoretischen Überblick zum Stand der Jungenforschung sowie durch praktische Übungen Anregungen und Impulse zur Verwirklichung einer geschlechtersensiblen Schule zu geben. Für dieses Ziel bieten insbesondere ein individualisierender Unterricht und eine anerkennende Schulkultur Perspektiven jenseits traditioneller Männlichkeitsvorstellungen.

Der Referent:

Dr. Jürgen Budde, Promotion am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg, seit 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Schul- und Bildungsforschung der Universität Halle. Forschungsprojekte, Weiterbildungen und Publikationen zu Jungenforschung, Peer-Interaktionen in der Schule, Bildung und Geschlecht sowie dem Übergang von der Schule in den Beruf.


Beide Workshops werden im Rahmen des Programms "SchulePlus" finanziell und organisatorisch unterstützt vom Bildungs- und Schulreferat der Stadt Augsburg.