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Vortrag in Würzburg am 26.01.2012


Auf Einladung des ZfL der Universität Würzburg beteiligten sich Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden und Dr. Wiebke Waburg mit Ihrem Vortrag: „Mädchen und Jungen in der Schule: Monoedukation oder Koedukation?“ an der dort stattfindenden Vorlesungsreihe: "Genderkonstruk­tionen im schulischen Bildungssystem". Die Pressemeldung informiert Sie über den erfolgreichen Vortrag:

Mädchen profitieren von Mädchenschulen

Augsburger Forscherin: Ohne Jungs wächst zum Beispiel das Interesse an Physik

 

Würzburg. Ob sie tatsächlich freiwillig auf dieser Schule sind? Und wie sie das „aushalten“? Das werden Schülerinnen aus Mädchenschulen oft gefragt. Denn monoedukativer Unterricht ist nicht mehr „normal“. Dabei bietet er viele Vorteile. Was das Augsburger Forscherduo Professorin Dr. Leonie Herwartz-Emden und Dr. Wiebke Waburg am Beispiel des Fachs Physik aufzeigen konnte. In der Vorlesungsreihe „Genderkonstruktionen“ des Würzburger Zentrums für Lehrerbildung (ZfL) stellten sie ihre Studienergebnisse vor.

Im Vergleich zu ihren Geschlechtsgenossinnen aus gemischten Schulen sind Mädchen aus Mädchenschulen Gewinnerinnen, vor allem wenn es um Physik geht, legte Waburg dar: „Sie nennen Physik zum Beispiel häufiger ihr Lieblingsfach.“ Gleichzeitig wird es auf Nachfrage sehr viel seltener als das unbeliebteste Fach genannt. Das ist in koedukativen Klassen anders. Dort bezeichnet nahezu jede dritte Schülerin Physik als das Fach, dem sie am wenigsten von allen Unterrichtsfächern abgewinnen kann. Schließlich fühlen sich Mädchen aus Mädchenschulen der Augsburger Studie zufolge während des Physikunterrichts wohler als ihre koedukativ unterrichteten Altersgenossinnen.

Doch es gibt für Mädchen aus Mädchenschulen auch spezielle Hindernisse zu überwinden. So stehen die meisten von ihnen unter mehr oder weniger starkem „Legitimationszwang“, fanden die beiden Augsburger Wissenschaftlerinnen heraus. Das liegt daran, dass reine Märchenschulen etwas Exotisches geworden sind. Herwartz-Emden: „Ihr Anteil ist heute verschwindend gering.“ Knapp 38.000 allgemeinbildende Schulen gibt es in Deutschland. Nur noch 163 davon sind reine Mädchenschulen. Bundesweit am höchsten ist der Anteil in Bayern: Mehr als jede zweite Mädchenschule befindet sich im Freistaat. Bei den meisten handelt es sich um Privatschulen in kirchlicher Trägerschaft.

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Intensiveres Miteinander, das ist laut der Augsburger Pädagogin Dr. Wiebke Waburg ein Kennzeichen monoedukativer Beschulung. Foto: Birgit Hoyer

 

Bei ihren Forschungen interessierte die beiden Pädagoginnen auch, inwiefern sich Mädchen in reinen Mädchenklassen und Jungen in Jungenklassen anders verhalten als ihre Altersgenossen aus koedukativem Kontext. Zahlreiche Beobachtungen ergaben, dass sowohl die Mädchen als auch die Jungs untereinander offenbar mehr Körperkontakt haben, als normalerweise üblich. Waburg: „Gerade in Mädchenklassen nimmt dies enorm viel Platz ein.“ Mädchen schätzen es den Untersuchungsergebnissen zufolge auch, dass sie in reinen Mädchenklassen intensivere Freundschaften zu anderen Mädchen pflegen können, als dies in gemischten Klassen möglich wäre.

Die Augsburger Ergebnisse sollten laut Herwartz-Emden Konsequenzen haben angesichts der nach wie vor geringen Begeisterung von Mädchen für Technik und Naturwissenschaft. Dass sich das weibliche Interesse an den sogenannten MINT-Fächern gegenüber dem Jahr 2005 weiter verschlechtert hat, findet die Professorin „erschreckend“. Eine punktuelle Förderung, zum Beispiel mit Girls-Days, bringt also offensichtlich nicht viel. Ebenso wie eine kurzfristige monoedukative Beschulung nicht viel bringen würde. Den Forschungsergebnissen zufolge muss Monoedukation langfristig angelegt sein, damit sie die positiven Effekte zutage fördert, die in den Augsburger Studien belegt sind.

 Birgit Hoyer

 

Informationen der Würzburger Vorlesungsreihe "Genderkonstruktionen im schulischen Bildungssystem":

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Für weitere Informationen besuchen Sie die Homepage des ZfL.

Meldung vom 30.01.2012