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Juden zwischen Kaiser, Landesfürst und lokaler Herrschaft


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Gemeinsamkeiten und Differenzen jüdischen Lebens im
Süden des Alten Reichs in Spätmittelalter und Früher
Neuzeit (1350 – 1800)

Tagung am Institut für Europäische Kulturgeschichte Augsburg
Augsburg, 22. bis 24. Oktober 2004

 

Die Geschichte der Juden im Reich während der Frühen Neuzeit findet erst seit relativ kurzer Zeit intensive Aufmerksamkeit in der historischen Forschung. Im Gegensatz zum Mittelalter mit seinen städtischen Gemeinden und deren kultureller Blüte einerseits sowie den zahlreichen Verfolgungen und Vertreibungen andererseits galten die Jahrhunderte zwischen Reformation und Aufklärung als eine ereignisarme Phase des kulturellen Niedergangs und erst langsamer Rekonsolidierung jüdischen Lebens nach dem Dreißigjährigen Krieg. Jüngste Forschungen am Lehrstuhl für Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte an der Universität Augsburg oder im Rahmen der Projekte „Germania Judaica IV“ und „Austria Judaica“ haben geholfen, dieses Bild zu revidieren.
Nach den spätmittelalterlichen Vertreibungen aus den meisten Reichsstädten und Territorien des Heiligen Römischen Reichs lebten Juden in der Frühen Neuzeit vor allem auf dem Land, in zunächst sehr instabilen Verhältnissen, die sich erst langsam (zeitlich asynchron) festigten. Migrationsbewegungen, die mit dem Umbruch jüdischer Siedlungsstruktur einhergingen, sind bis heute nur in Ansätzen erforscht, die einfache Formel „von der Stadt auf das Land“ erweist sich allerdings als zunehmend problematisch. Neue jüdische Siedlungsschwerpunkte entstanden vor allem im Südwesten (Schwaben) und Südosten (Niederösterreich, Böhmen, Mähren) des Reichs, Regionen, die sich sowohl hinsichtlich ihrer Herrschaftsstruktur, als auch der Dichte der jüdischen Siedlungen stark unterschieden. Dieser Raum wurde mit der Tagung „Juden zwischen Kaiser, Landesfürst und territorialer Herrschaft“ das erste Mal umfassend und vergleichend betrachtet.
Zugleich erschien es sinnvoll, die Frühe Neuzeit als Epoche nicht isoliert zu betrachten, sondern längerfristige Entwicklungen zu berücksichtigen. Besonders die spätmittelalterlichen Verhältnisse sollten mit einbezogen werden, um auch in zeitlicher Hinsicht „Gemeinsamkeiten und Differenzen“ diskutieren zu können.
Ein weiteres Anliegen der Tagung war es, der inzwischen von vielen Seiten geforderten Integration der jüdischen Geschichte in die „allgemeine“ Geschichte Rechnung zu tragen. So wurden auch HistorikerInnen aus anderen Disziplinen eingeladen, aus ihrer Perspektive Fragestellungen und Ansätze zur Positionierung der jüdischen Geschichte formulieren zu helfen.

Diesem Kommunikationsbedarf Rechnung tragend fand unter der Leitung von Dr. Martha Keil, Prof. Dr. Rolf Kießling und Prof. Dr. Stefan Rohrbacher vom 22. bis 24. Oktober 2004 am Institut für Europäische Kulturgeschichte in Augsburg eine dreitägige internationale Fachtagung zur jüdischen Geschichte in der Vormoderne statt. Die Finanzierung der Tagung mit TeilnehmerInnen aus sechs Staaten übernahmen die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und das Kulturforum der Österreichischen Botschaft Berlin.

Die in Kooperation zwischen dem Lehrstuhl für Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte an der Universität Augsburg, dem Institut für Geschichte der Juden in Österreich in St. Pölten und dem Institut für Jüdische Studien an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Forschungsprojekt „Germania Judaica IV“, veranstaltete Tagung hatte sich zum Ziel gesetzt, vor dem Hintergrund laufender Forschungsinitiativen aktuelle Fragestellungen und Ergebnisse zu diskutieren und Perspektiven für die weitere wissenschaftliche Arbeit zu formulieren. Wichtig erschien dabei nicht nur der überregionale Vergleich, sondern auch die Integration verschiedener Disziplinen und Forschungsfelder (Landesgeschichte, jüdische Geschichte, Judaistik, Rechtsgeschichte etc.).
Das Hauptanliegen der Tagung, nämlich eine möglichst intensive Diskussion zu führen, wurde durch eine Gliederung der Tagung in drei Kommunikationsebenen umgesetzt. Den einzelnen Sektionen mit Vorträgen zum aktuellen Forschungsgeschehen wurden ein/e ModeratorIn und zwei bis drei KommentatorInnen zugeordnet, die den Kontext skizzierten und Leitfragen zu formulieren halfen. Ergänzend dazu fanden drei offene Gesprächsrunden mit ausgewiesenen ExpertInnen statt, in denen gezielt Forschungsstand und -perspektiven sowie sich daraus ergebende Fragen reflektiert und die Verortung der jüdischen Geschichte in der „allgemeinen“ Geschichte diskutiert wurden. Um dieses Konzept, das von allen TeilnehmerInnen eine hohen Einsatzbereitschaft forderte, auch umsetzen zu können, wurden bereits vorab einleitende Texte zu den einzelnen Sektionen und Abstracts der Vorträge auf der Tagungshomepage http://www.uni-augsburg.de/institute/iek/ publiziert.
Dass dringender Gesprächsbedarf nach einer gemeinsamen, forschungsperspektivisch weiterführenden Bestandsaufnahme bestand, bewiesen nicht nur die durchwegs ausgesprochen intensiv geführten Debatten, sondern vor allem das rege Besucherinteresse von über 90 TeilnehmerInnen.

 

 

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