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Das Peutinger-Projekt


Konrad Peutinger: Kaiserlicher Rat, Stadtschreiber, Humanist
Die Bibliothek Konrad Peutingers

Die Edition der Bibliothekskataloge
Erhältliche Bände

 

Kurzbeschreibung

Der Stadtschreiber, kaiserliche Rat und Humanist Konrad Peutinger (1465-1547) trug im Laufe seines Lebens eine außergewöhnlich große Bibliothek zusammen. Von Peutingers Büchern ist bis heute noch mindestens die Hälfte im Original vorhanden und über die andere Hälfte liegen dank überlieferter alter Kataloge recht präzise Informationen vor.

Es ist eine seltene Chance für die Forschung, eine Bibliothek solchen Ranges nahezu komplett in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung wiedererstehen zu lassen. Das von der DFG geförderte Peutinger-Projekt hat sich dieser Aufgabe angenommen. Erste Ergebnisse wird eine bald erscheinende Edition der Bibliothekskataloge Konrad Peutingers in der Reihe Studia Augustana (Max Niemeyer Verlag, Tübingen) präsentieren.

 


Jedem Hinweis auf den Verbleib von Peutingers Büchern, Handschriften oder Briefen würden wir mit nicht geringer Freude nachgehen.

Bitte wenden Sie sich an:

Dr. Hans-Jörg Künast
Professur für Buchwissenschaft
Universität Erlangen- Nürnberg
hans-joerg.kuenast@buchwiss.uni-erlangen.de

Dr. Helmut Zäh
Germanistisches Seminar
Universität Heidelberg
helmut.zaeh@gs.uni-heidelberg.de


 

Konrad Peutinger: Kaiserlicher Rat, Stadtschreiber, Humanist
(1465-1547)

Konrad Peutinger wurde in einer Zeit des Umbruchs geboren. Nach der Erfindung des Buchdrucks vermehrte sich die Verbreitung von gelehrten Schriften enorm. Die Berufung auf eine von der Mehrzahl der Gelehrten anerkannte Autorität, wie es im Mittelalter z.B. Augustinus gewesen war, konnte im Wissensstreit immer weniger als Argument akzeptiert werden, zumal umwälzende Ereignisse, wie die Entdeckung Amerikas oder später die Reformation, das Weltbild komplett veränderten. Deswegen suchten humanistische Gelehrte nach neuen Wegen der Informationsverdichtung, etwa durch Frühformen der Textkritik oder das Ordnen der Büchermassen.

Aus einer angesehenen Kaufmannsfamilie der Reichsstadt Augsburg stammend, schlug Konrad Peutinger mit dem Studium in Bologna und Padova, wo er zum Doktor sowohl des römischen als auch des kirchlichen Rechts promovierte, eine absehbare Laufbahn als Jurist ein. Dabei lernte er die Bewegung des Humanismus intensiver kennen, die ihn lebenslang begleiten sollte. Die juristischen Kenntnisse und humanistischen Kontakte kamen Peutinger in seinem späteren Amt als Augsburger Stadtschreiber - d.h. als Chef der Stadtverwaltung - wie als Rechtsberater sowohl Kaiser Maximilians als auch zahlreicher Reichsstädte sehr zugute.

Neben der Pflege der Kontakte zu anderen humanistischen Gelehrten wie z.B. Erasmus von Rotterdam erhielt sich Peutinger die Verbindungen nach Italien, um sich weiterhin zahlreiche neue juristische oder humanistische Bücher, z.B. aus der legendären Presse von Aldo Manuzio, kommen zu lassen. Peutinger interessierte sich aber nicht nur für Bücher aus Italien, er hatte Kontakte zu Druckern in seiner Heimatstadt Augsburg, in Basel oder in Straßburg. Im Laufe der Jahre sammelte Peutinger so eine überaus beachtliche Bibliothek an.

 

Die Bibliothek Konrad Peutingers

Mit rund 10000 Titeln in 2200 Bänden war die Bibliothek Konrad Peutingers zur damaligen Zeit die größte Privatbibliothek nördlich der Alpen und übertraf vergleichbare humanistische Büchersammlungen wie die von Beatus Rhenanus oder Willibald Pirckheimer um mehr als das Doppelte. Dabei besaß Peutinger im Grunde zwei Bibliotheken, die er in zwei verschiedenen Räumen seines Hauses unterbrachte:

  • eine bestens sortierte juristische Teilbibliothek, die seinen vielfältigen beruflichen Aufgaben als Augsburger Stadtschreiber sowie als Rechtsberater des Kaisers, des städtischen Patriziats und zahlreicher schwäbischer Reichsstädte diente;
  • die humanistische Teilbibliothek, mit den libri humanitatis, wie er sie selbst nannte, die seine breitgefächerten gelehrten Interessen von der Theologie und Philosophie über Rhetorik und Geschichte bis hin zur Medizin widerspiegeln und kaum ein namhaftes Werk eines antiken oder zeitgenössischen Autors vermissen lassen. Einen besonders großen Teil nehmen darunter die Werke des Erasmus von Rotterdam ein

Nach Peutingers Tod waren seine Bücher zunächst in Familienbesitz verblieben, gelangten aber, nachdem zuvor bereits die kostbarsten Zimelien veräußert worden waren, zu Beginn des 18. Jahrhunderts an das Augsburger Jesuitenkolleg und zusammen mit dessen Bibliothek schließlich Anfang des 19. Jahrhunderts in die Augsburger Stadtbibliothek. Deshalb ist die mit Abstand größte Zahl der erhaltenen Titel dort zu finden, freilich nicht separat aufgestellt, sondern mit dem übrigen Bestand vermischt. Eine Reihe weiterer Bibliotheken, allen voran die Bayerische Staatsbibliothek München und die Studienbibliothek Dillingen, verfügt über größere Gruppen von Peutinger-Bänden, während einzelne Stücke von New York bis St. Petersburg fast überall auftauchen können.

 

Die Edition der Bibliothekskataloge

Peutingers Bibliothek enthielt zu einem großen Teil Sammelbände, von denen die Mehrzahl unglücklicherweise durch Bibliothekare des 19. Jahrhunderts aufgelöst wurde, um die Einzeltitel am 'richtigen' Ort aufstellen zu können. Eine Zusammenführung der einzelnen Faszikel zum ursprünglichen Sammelband wäre nicht mehr möglich, wenn Peutinger sich aufgrund des Umfangs seiner Büchersammlung nicht selbst bereits veranlaßt gesehen hätte, die Bestände seiner Bibliothek zu katalogisieren. So entstand ein älteres Verzeichnis bald nach dem Einzug in sein 1515 erworbenes Haus unweit des Doms und wurde in den folgenden Jahren laufend ergänzt (München, BSB, Clm 4021b), bis Peutinger 1523 einen wesentlich umfangreicheren und detaillierteren neuen Katalog begann, den er bis etwa 1540 weiterführte (Clm 4021c).

Allerdings ist in den beiden erhaltenen eigenhändigen Katalogen Peutingers nicht einmal die Hälfte des Gesamtbestandes seiner Bibliothek erfaßt, so daß für alle übrigen Bände auf ein 1597 von einem Notar erstelltes Inventar zurückgegriffen werden muß, in dem nicht nur sein Bücherbesitz verzeichnet ist, sondern auch sein gesamter übriger Nachlaß einschließlich seiner nicht weniger bedeutenden Sammlungen von Kunstgegenständen, Münzen und Naturalien sowie darüber hinaus die Bibliothek und der Nachlaß seines Sohnes Christoph (Clm 4021d). Als wertvolle Ergänzung zu den Katalogen Peutingers und dem Nachlaßinventar erweisen sich die umfangreichen Exzerpte, die der Münchener Hofbibliothekar Andreas Felix von Oefele Mitte des 18. Jahrhunderts anlegte, als er die damals im Besitz der Augsburger Jesuiten befindliche Peutinger-Bibliothek Band für Band durchsehen konnte (München, BSB, Oefeleana). Alle diese Verzeichnisse werden die Grundlage für die in der Reihe Studia Augustana (Max Niemeyer Verlag, Tübingen) geplante Edition sein.

  • Band 1,1 der Edition der historischen Kataloge wird die beiden autographen Kataloge Peutingers enthalten (erschienen)
  • Band 1,2 parallel dazu die bibliographischen Aufnahmen der in Band 1,1 verzeichneten Titel nebst einer Kurzbeschreibung der im Original erhaltenen Bücher mit knappen Angaben zu heutigem Bibliotheksstandort, Einband und Einträgen Peutingers
  • Band 2,1 wird die Edition des Nachlaßinventars sowie der Exzerpte Oefeles umfassen
  • Band 2,2 wiederum parallel dazu die bibliographischen Aufnahmen der dort verzeichneten Titel
  • Ein Registerband wird das komplette Material erschließen und damit einen Gesamtüberblick über die Bibliothek Konrad Peutingers ermöglichen

Über ihren Quellenwert hinaus stellen die eigenen Kataloge Peutingers zugleich einzigartige kulturgeschichtliche Zeugnisse dar. Peutinger erkannte bald die Unzulänglichkeit der bis dahin üblichen inventarmäßigen Kurzverzeichnung der Titel und wandte als einer der ersten neue Formen der Katalogisierung an: alphabetisch nach den Namen der Verfasser oder systematisch nach bestimmten Fächern und Rubriken. Seine Kataloge sind ein herausragendes Beispiel für das Bemühen, das sich seit der Erfindung des Buchdrucks explosionsartig vermehrende verfügbare Wissen in eine Ordnung zu bringen, die einen raschen Zugriff gewährleistet. Darin unterscheidet sich Peutingers Konzept qualitativ nicht von modernen Strategien zur Bewältigung der Textmassen.

 

Erhältliche Bände

Hans-Jörg Künast / Helmut Zäh (Hg.)
Die Bibliothek Konrad Peutingers. Edition der historischen Kataloge und Rekonstruktion der BeständeBand 1: Die autographen Kataloge Peutingers. Der nicht-juristische Bibliotheksteil
Studia Augustana 11, Tübingen 2003, ISBN : 3-484-16511-1. IX, 755 Seiten, 27 Abbildungen, Leinen

Mit rund 10.000 Einzeltiteln in annähernd 2.200 Bänden, darunter etwa 200 Handschriften, stellte die Bibliothek des Augsburger Stadtschreibers und Humanisten Konrad Peutinger (1465-1547) die wohl umfangreichste Gelehrtenbibliothek ihrer Zeit nördlich der Alpen dar. Obwohl die Bibliothek im 18. Jahrhundert aufgelöst wurde, ermöglicht ein erstmals angewandtes Verfahren, das sich nicht auf eine Verzeichnung der erhaltenen Bücher beschränkt, sondern auf der Basis der überlieferten historischen Kataloge auch die verschollenen Teile erschließt, die nahezu vollständige Rekonstruktion des ursprünglichen Bestands. Die umfassende Dokumentation einer nach ihrem Umfang wie ihrer inhaltlichen Spannweite singulären Bibliothek eröffnet neue Einblicke in die Arbeitsweise und Wissensorgansiation einer der führenden Persönlichkeiten des deutschen Humanismus.