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Wie kam es zur allgemeinen Wehrpflicht?


Kronenbitter
Derzeit wird diskutiert, ob die Wehrpflicht in Deutschland nicht abgeschafft werden soll. Historiker Prof. Dr. Günther Kronenbitter erklärt, wie es überhaupt zur Einführung der Wehrpflicht kam.



Nach der Revolution 1789 konnte Frankreichs neue Regierung den Schutz des Staates nicht mehr der alten Armee anvertrauen und griff erstmals zu dem Mittel, alle Franzosen zur Verteidigung des Vaterlandes aufzurufen. Die Massenmobilisierung der jungen Männer verschaffte Frankreich ab 1793 einen entscheidenden militärischen Vorteil. Gleichzeitig wurde nun der politisch mündige Bürger mit dem Soldaten und Männlichkeit mit Wehrhaftigkeit gleichgesetzt. In Preußen gewannen nach der katastrophalen Niederlage gegen die Franzosen 1806/07 die Befürworter einer grundlegenden Militärreform schließlich die Oberhand. Im Krieg gegen Napoleon führte Preußen 1814 die allgemeine Wehrpflicht ein und behielt sie auch in den friedlichen Jahrzehnten nach dem Wiener Kongress bei. Politische Mitsprache ging für breite Teile der männlichen Bevölkerung damit nicht einher. Nach den militärischen Erfolgen Preußens 1866 und 1870/71 übernahmen die meisten Großmächte Europas das Wehrpflichtsystem, auch dann, wenn sie, wie das Zarenreich, den Bürgern politische Mitwirkung verwehrten. Ein Reservoir von Millionen ausgebildeter Reservisten ließ sich eben nicht anders sicherstellen.