Akzeptanz und Mitmenschlichkeit

An der Universität Augsburg werden jedes Jahr ganz unterschiedliche Preise vergeben – einer davon ist der DAAD-Preis für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender an deutschen Hochschulen. Mit ihm werden ausländische Studierende oder Doktorand*innen ausgezeichnet, die sich sowohl durch besondere akademische Leistungen als auch bemerkenswertes gesellschaftliches oder interkulturelles
Engagement hervorgetan haben. 2019 wurde Nino Nakhutsrishvili geehrt. Sie studierte bis vor Kurzem an der Universität Augsburg den Bachelor „Medien und Kommunikation“.

© Frauke Wichmann für a3kultur

Aus Tiflis nach Deutschland

Nino kam aus Tiflis nach Deutschland. In der georgischen Hauptstadt lernte sie die deutsche Sprache und das Land dank ihrer Deutschlehrerin kennen und lieben. Sie entschied sich, nach Deutschland zu gehen, um sich persönlich zu entwickeln und da sie neue Chancen suchte.

Die junge Frau wählte Augsburg als Studienort und schrieb sich für den Bachelorstudiengang „Medien und Kommunikation“ ein. Ihr Start ins Studierendenleben war zu Beginn holprig: Das Zusammentreffen unterschiedlicher Bildungssysteme, Mentalitäten und Erwartungen ließ Reibungspunkte entstehen. So musste sich Nino anfangs mit ihr unbekannten Formalitäten auseinandersetzen, jedes Detail und jede Handlung durchdenken. In dieser Zeit fand sie viele Freunde und Bekannte, die ähnliche Probleme zu bewältigen hatten; zusammen konnte man schnell Lösungen und Auswege finden. Damals entdeckte Nino auch ihren Lieblingsort an der Universität: die Zentralbibliothek.

Ihr Studium brachte die junge Frau dazu, die Medienlandschaft im Kontext der politischen Theorie zu erkunden. Zu einer der wichtigsten Erfahrungen zählt für sie der Besuch der Vorlesungen über die politische Philosophie von der
Antike bis zur Gegenwart, was sie unter anderem zum Lesen von Texten der Philosophin Hannah Arendt bewegte. Das Thema ihrer Abschlussarbeit wählte sie aufgrund ihres Interesses für Politik: „Gehört der Islam zu Deutschland? Eine kritische Diskursanalyse der Debatte um die Zugehörigkeit des Islam zu Deutschland
am Beispiel einer Ausgabe der Talkshow ›Hart aber fair‹ vom 10. April 2018“. Darin beschäftigte sie sich mit der Frage, inwieweit Medien ein Spiegel der Gesellschaft sind und umgekehrt.

Ein breites Fächerspektrum

Mit ihren vielfältigen Interessen war sie an der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg genau richtig. Die Fakultät vereint ein breites Fächerspektrum, das bildungs- und sozialwissenschaftliche, philosophische, theologische und künstlerische Disziplinen umfasst. Im Fokus stehen gesellschaftliche Handlungsfelder von zentraler Relevanz und Aktualität in Bildung und Kultur, Politik und
Gesellschaft, Medien und Kunst. „Diese Vielfalt und Heterogenität in der Fakultät ist zugleich Herausforderung und Chance“, meint Dekan Prof. Dr. Reiner Keller. Dies sei aufgrund der unterschiedlichen fachlichen Grundlagen,
Arbeitsweisen und Perspektiven eine Herausforderung. Darin liege umgekehrt aber auch eine besondere Stärke der Fakultät, weil sie bereits in ihrem Inneren sehr viel davon abbilden könne, was „draußen“ an gesellschaftlicher Heterogenität besteht, und da der Austausch zwischen den Fächern Diskussionen und Vernetzungen hervorbringe,
die insbesondere der dynamischen Entwicklung von Wissensgebieten zugutekomme. Besonders hervorzuheben sind hier beispielsweise aktuelle Forschungen zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung oder des Schulunterrichts sowie zu aktuellen Fragen von Konflikten, Unsicherheiten und massenmedialen Vermittlungsprozessen.

Im Fokus stehen gesellschaftliche Handlungsfelder von zentraler Relevanz

Zusammenarbeit wird aber nicht nur bei Forschung und Lehre gelebt, auch mit der Stadtgesellschaft gibt es zahlreiche gemeinsame Projekte. Mit vielen Lehreinheiten in der Lehramtsausbildung ist die Fakultät ein wichtiger
Bestandteil der Lehrer*innenbildung an der Universität, hier gibt es viele Kooperationen mit Schulen in der Region. Aktuelle Forschung, zum Beispiel wie mit Heterogenität im Unterricht umgegangen werden kann, fließt so schnell in
die Praxis ein. Musikalische Projekte – auch mit Schülerinnen und Schülern – initiiert das Leopold-Mozart-Zentrum. Die Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät beteiligt sich an vielen kulturellen und gesellschaftlichen Initiativen in Augsburg – beispielsweise beim Augsburger Friedensfest mit der „Peace City Summer School Augsburg“.

Ihrer Herzensangelegenheiten ist das Thema Akzeptanz

Bei dieser hat sich Nino 2019 ehrenamtlich engagiert, ebenso bei „Studenten treffen gleichaltrige Flüchtlinge“ oder als Referentin bei „Europa macht Schule“. Eine ihrer Herzensangelegenheiten ist das Thema Akzeptanz. „Die Menschen können viel gewinnen“, so die Studentin, „wenn sie einander in ihrer Stärke und in ihrem Können
akzeptieren und schätzen.“ In einem der Gutachten, die Nino für den Preis vorschlugen, heißt es: „Dass sie sich für andere, ihr bisher Unbekannte mit vollem persönlichen Einsatz engagiert, zeichnet Frau Nakhutsrishvili als
einen besonderen Menschen aus. Sie hält am hohen Ideal der Mitmenschlichkeit fest und ist bereit, mit anderen zu fühlen und für sie zu kämpfen.“

Nach dem Bachelorabschluss wechselt Nino nun nach München, um dort ein Masterstudium zu beginnen. Jedoch wird sie sich immer gerne an ihre Zeit in Augsburg erinnern.

Sarvara Urunova/ Teresa Grunwald, Michael Hallermayer (Universität Augsburg)

 

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