Alles ... ist Kultur

Von A bis V reicht das umfassende Studienangebot der Philologisch-Historischen Fakultät der Universität Augsburg – von Anwendungsorientierter Interkultureller Sprachwissenschaft bis zur Vergleichenden Literaturwissenschaft. Dazwischen findet sich eine überraschende Vielzahl an Bachelor- und Masterstudiengängen mit sprachlichen, geschichtlichen und kulturellen Schwerpunkten. Die Wahl von Theresa Ulbricht fiel auf das E, die Europastudien.

Theresa Ulbricht auf dem Campus. Foto: Frauke Wichmann

Die Nähe zur Heimat war ein wichtiger Faktor für ihre Entscheidung, in Augsburg zu studieren, doch der Weg zum richtigen Studiengang war mit einem kleinen Schlenker versehen: Theresa schrieb sich für ein Lehramtsstudium ein, wie viele ihrer Freund*innen. Es war eine Vernunftentscheidung, erklärt sie, denn ihr eigentliches Wunschfach habe sie sich damals nicht zu studieren getraut. Nach zwei Semestern wagte Theresa es aber doch und wechselte zum ersehnten Kulturstudium. Gehemmt habe sie die Frage, was man mit so einem Studium denn eigentlich so mache. Einen konkreten Plan hatte Theresa zwar nicht, doch für sie war klar: „Ich muss etwas studieren, was mir Spaß macht, wofür ich wirklich brenne.“

Eine abwechslungsreiche Studienzeit

Die Studienzeit war für Theresa sehr abwechslungsreich. Während des Bachelors lag der Fokus auf Europäischer Kulturgeschichte; der Studiengang sieht ein Auslandssemester vor: Im schwedischen Göteborg lernte sie andere Perspektiven auf ihre Studien kennen, machte neue Erfahrungen und verliebte sich in Skandinavien. In ihrem vorletzten Semester wurde Theresa schwanger. Ihr gutes Zeitmanagement im Studium zahlte sich aus, denn bei der Geburt ihres ersten Sohnes waren alle Prüfungen zum Bachelor bestanden.

Für Theresa stand schon früh fest, auch einen Masterabschluss zu erlangen, und so entschied sie sich anschließend für Interdisziplinäre Europastudien, ebenfalls an der Universität Augsburg: Mit ihren Kommiliton*innen hatte sie sich gut verstanden und die Dozent*innen und ihre Lehrstile bereits während des Bachelors kennengelernt. Bei der Wahl ihrer Kurse waren diese für Theresa oft entscheidend, manchmal sogar wichtiger als das Kursthema. Überhaupt legt Theresa viel Wert auf die soziale Komponente des Studiums. Gerade in kleinen Studiengängen wie dem ihren sei es normal, sich untereinander zu kennen und zusammenzuhalten. Oft bleibt Theresa nach Kursen länger an der Uni, um noch gemeinsam mit Kommiliton*innen in der Mensa zu essen oder einen Kaffee zu trinken. Auch gibt es an der Uni ein großes Angebot an Veranstaltungen, die Theresa gut gefallen: Das Sprachtandem mit einer ausländischen Studentin, der Salsakurs im Hochschulsport und das KLeVer-Programm zum Thema, wie sich Karriere und Beruf für Akademiker*innen gut vereinbaren lassen. Schon während des Bachelors hat sie viel Unterstützung erfahren, besonders auch in Bezug auf ihre Schwangerschaft hat die Studentin nur positive Erfahrungen gemacht. Die Dozent*innen brächten viel Verständnis auf und zeigten ehrliches Interesse an dem Erfolg ihrer Schützlinge.

Charakteristische Vielfalt der Fächerkulturen

Und das, obwohl die Philologisch-Historische Fakultät mit über 4.000 Student*innen die größte Fakultät der Universität ist, allerdings im Verhältnis sehr viele Studiengänge anbietet, von denen es manche auch nicht überall gibt. Zum Beispiel Anwendungsorientierte Interkulturelle Sprachwissenschaft, Ethik der Textkulturen oder Nordamerika-Studien. „Charakteristisch für die ›Phil.-Hist.‹ ist die Vielfalt der Fächerkulturen“, bestätigt die Dekanin der Fakultät, Prof. Dr. Christiane Fäcke. Ein besonderer Schwerpunkt, und das schon seit Unigründung, sei die Lehrer*innenbildung. „Die Ausbildung zukünftiger Lehrer*innen ist eine wichtige Aufgabe, ebenso wie die Forschung in diesem Bereich.“

Zu Beginn ihrer Studienzeit interessierte sich Theresa für Kunstgeschichte und Museumsarbeit, zwischenzeitlich hat sie erkannt, wie breit gefächert ihre Möglichkeiten nach dem Kulturstudium sind. Denn: „Alles, was wir machen, ist Kultur!“ Ihr Ansatz ist es, dem Vorurteil, Kultur sei langweilig oder gar elitär, entgegenzuwirken und zu zeigen, wie sehr unser Alltag davon beeinflusst ist. Auf Instagram und in einem eigenen Blog widmet sie sich kulturellen Themen. Dort teilt sie als „Kulturmadame“ Wissenswertes über die Herkunft von Bräuchen, die Bedeutung von Feiertagen und die Entstehung von heute selbstverständlichen Dingen, wie dem Bikini. Außerdem stellt sie Ausstellungen und Veranstaltungen vor. Während ihres Masterstudiums machte sich die junge Mutter selbstständig und arbeitet in Medienagenturen als Social-Media-Managerin. Für sie ist die Verbindung des Berufs im Social-Media- Bereich und der Kulturbranche, auch mit ihrem Blog, ideal.

Nun steht Theresa kurz vor ihrem Abschluss. Vor allem das »Corona-Semester« stimmt sie wehmütig, denn es wäre das letzte gewesen, in dem sie ihr Studentenleben an der Uni hätte genießen können. Bald erwartet Theresa ihr zweites Kind. Sorgen darum, was nach dem Studium kommt, macht sie sich nicht.

 

Juliana Hazoth (A3kultur)/Michael Hallermayer und Teresa Grunwald (Universität Augsburg)

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