Die Schatzkammer der Uni-Bibliothek

Der Schatzmeister und sein Schatz

Jahrelang war er Leiter der Abteilung Handschriften, Alte Drucke, Sondersammlungen. Jetzt ist er zwar seit einem Jahr im Ruhestand, aber so ganz kann er sich noch nicht von „seinen“ Schätzen losreißen. Dr. Günter Hägele heißt der Mann, der den Schatz im Tresor gehütet hat.  Dabei handelt es sich natürlich nicht um Gold und Juwelen, sondern vielmehr um Literatur. Besondere Literatur, die auch unter besonderen Bedingungen gelagert werden muss: 2500 Handschriften und 1500 Drucke aus der Zeit vor 1500. Der älteste Druck stammt aus dem Jahr 1459 – also bereits fünf Jahre nach der Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg. Dieser Tresor befindet sich als Solitär mitten im Magazin der Sondersammlungen, in dem auch noch 150.000 Drucke aus der Zeit zwischen 1500 und 1800 in den Regalen stehen.

Zentralbibliothek © Universität Augsburg

Wie sieht es in der Schatzkammer aus?

Der Tresor ist nicht zu übersehen. Eine große, massive rötliche mannshohe Stahltüre mit einem Entriegelungshebel und einem Doppelbartschloss lässt den Eingang vermuten. Hägele dreht den Schlüssel um, drückt den Hebel nach unten, und langsam öffnet sich die dicke Stahltüre. In einem beleuchteten Raum ohne Tageslicht präsentiert sich eine beeindruckende Sammlung von Büchern aus dem frühen und hohen Mittelalter. Es gibt zahlreiche Gänge mit Bücherregalen, die bis weit nach hinten an die Wand reichen. Die beiden Ebenen im begehbaren Tresor messen jeweils 70 Quadratmeter. Beim Betreten des Tresors spürt man die Gegenwart der Vergangenheit. Eine kleine Treppe führt noch ein Stockwerk höher. Dort lagern die vor 1500 gedruckten Werke. Viele Handschriften und Drucke werden in säurefreien Kassetten zum Schutz der wertvollen Werke aufbewahrt. Hägele präsentiert die „Pamplona Bibel“, die erste Handschrift, die in der UB digitalisiert wurde. Er erklärt: „Dabei handelt sich um eine auf Pergament gemalte Bibel aus der Zeit um 1200. Für die Aufbewahrung der Werke ist nicht nur das richtige Raumklima mit ca. 20 Grad Raumtemperatur und 45-50 Prozent Luftfeuchtigkeit wichtig, sondern auch die Digitalisierung der Handschriften, um häufige Benutzung zu verhindern und damit die Originale zu schonen. So werden sie hoffentlich für die Ewigkeit aufbewahrt“.

Die Tresortüre der Uni-Bibliothek Augsburg © Universität Augsburg

Was sind die wertvollsten Schätze?

Besonders die sehr aufwendig gestalteten biblischen Texte oder die frühen Handschriften berühmter Werke zählen mit zu den wertvollsten Schätzen, die im Tresor lagern. Auch die Drucke vor 1500, die sich im 1. Stock befinden, sind besonders selten und entsprechend wertvoll und gut gesichert. Nicht nur die Handschriften an sich, sondern auch deren Einbände sind sehr beeindruckend. Gleiches gilt für die Inkunabeln, das sind Druckerzeugnisse aus der frühen Zeit des Buchdrucks.

Woher stammen die Schätze?

Ursprünglich gehörten die rund 2500 Handschriften und 1500 Inkunabeln, zur Sammlung des Fürstenhauses Oettingen-Wallerstein im schwäbischen Ries. Geschätzt wurde die Sammlung mit insgesamt 120000 Bänden im Jahr 1980 auf ungefähr 40 Millionen Mark. In diesem Jahr konnte der Freistaat Bayern mit dem Ankauf die Sammlung vor der Zerstreuung in alle Winde retten. „So gelangte sie letztendlich geschlossen nach Augsburg“, führt Hägele aus. Jahrelang hat Günter Hägele den Tresor, in dem die wertvollsten Handschriften der Universität Augsburg liegen, täglich wenigstens einmal aufgesucht.  So ganz aber kann er sich noch nicht von seiner Schatzkammer trennen. „Derzeit arbeite ich in einem Team noch an einem reich bebilderten Katalog mit, der alle Sondersammlungen der UB vorstellen wird. Das hier ist einfach ein besonderer Ort, in dem man von lebendiger Geschichte umgeben ist“, erzählt Hägele und bekommt dabei ein Leuchten in den Augen. Zum Abschied zeigt er noch einen der frühesten Drucke, der stolze 15 Kilogramm wiegt.

Im ersten Stock findet man wertvolle Drucke vor 1500 © Universität Augsburg

Es ist schon ein sehr besonderer Ort, dieser Tresor der Uni-Bibliothek. Eine Schatzkammer, in der einzigartige und faszinierende Handschriften und Drucke lagern. Damit auch für die nächsten Generationen die Faszination der Vergangenheit erhalten bleibt, werden nach und nach alle Handschriften und Drucke digitalisiert. Die massive Tresortüre fällt hinter Hägele ins Schloss. Er dreht den Schlüssel um sagt lächelnd: „Jetzt haben Sie einen kleinen Einblick in diese faszinierende Welt bekommen und verstehen vielleicht besser, warum ich mich immer noch nicht so ganz von meiner Schatzkammer lösen kann“. Und wie gerufen kommt auch schon Hägeles Nachfolger vorbei, um den Tresorschlüssel wieder zu übernehmen und die Alarmanlage zu aktivieren.

Autor: Benjamin Bernotat

 

Werfen Sie doch selbst einen Blick in die Schatzkammer

Es fühlt sich an, als ob man eine Schatzkammer betritt, und sofort wird man in den Bann der alten Bücher gezogen. Aber sehen Sie selbst, wie der Tresor sich öffnet.

 

Ein kleiner Einblick in die Schatzkammer der Uni-Bibliothek

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