Ein Vorbild für Menschlichkeit: Mietek Pemper

Der Mann, der Schindlers Liste schrieb

Mieczysław Pemper, akademischer Ehrenbürger der Universität Augsburg, wäre dieser Tage 101 Jahre alt geworden. Pemper war einer der bekanntesten Zeitzeugen des Holocaust. Er hat den nach ihm benannten Preis der Universitätsstiftung ausgelobt, ein weiterer Preis ehrt sein Vermächtnis.

Mietek Pemper, Ehrenbürger der Stadt und der Universität Augsburg © Universität Augsburg

 „Mut zum Widerstand“ war das Wichtigste. Er sei nötig gewesen, um die Rettung von über 1.000 jüdischen Menschen, die später im Film „Schindlers Liste“ weltweit bekannt wurde, zu planen und gelingen zu lassen. So erzählte es Mieczysław Pemper, genannt Mietek, 2001 vor Studierenden in Augsburg. Gewaltlos und intelligent, „mit dem Kopf, nicht mit der Keule“, beschrieb er seinen Weg des Widerstands, der in einer beispiellosen Rettungsaktion kurz vor Kriegsende so viele Leben rettete. Als unprätentiös und bescheiden beschrieben, hatte Pemper bereits als junger Mann den Mut, in Zeiten eines moralischen Tiefstandes in der deutschen Geschichte gemeinsam mit Oskar Schindler in einer entwürdigenden Situation und unter ständiger Lebensgefahr Zeichen der Humanität zu setzen. Der Ehrenbürger der Universität wäre in diesem Frühling 101 Jahre alt geworden.

Akademischer Ehrenbürger und Preisstifter

„Für die Universität Augsburg ist es eine Ehre und Auszeichnung, mit diesem besonderen Menschen verbunden zu sein“, sagt Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, Präsidentin der Universität. „Mietek Pemper wirkte für Versöhnung und Verständigung zwischen den Menschen, wir erinnern uns seiner mit Bewunderung, Dankbarkeit und bewahren ihm stets ein ehrendes Andenken.“

Um seine beispielhafte Bereitschaft, erlittenes Unrecht zu verzeihen, und sein engagiertes Wirken für die jüdisch-christliche Versöhnung anzuerkennen, nahm die Universität Augsburg Pemper, der ab 1958 in Augsburg lebte, am 28. Juni 2001 in den Kreis ihrer Akademischen Ehrenbürger auf. Eine Ehrung, die bislang nur sechs anderen Männern zuteil wurde.

Die Auszeichnung sah der Geehrte als Verpflichtung und stiftete einen Wissenschaftspreis, gewidmet der Erforschung der Wurzeln der Katastrophen des 21. Jahrhunderts. Seit dem Jahr 2003 wird er an Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen der Universität verliehen, die hier herausragende Forschungsbeiträge vorgelegt haben.

Im Sinne der Versöhnung

Eine weitere Geste der Verbundenheit mit der Universität war Mietek Pempers Bereitschaft, trotz bereits angegriffener Gesundheit dem Kuratorium des im Jahr 2007 erstmals verliehenen Augsburger Universitätspreises für Versöhnung und Völkerverständigung beizutreten. Nach dem Tod des akademischen Ehrenbürgers am 7. Juni 2011 wurde der Preis – in Reminiszenz an die Lebensleistung Pempers – in Mietek Pemper Preis der Universität Augsburg für Versöhnung und Völkerverständigung umbenannt. Er wird alle zwei Jahre verliehen und wurde gestiftet vom Unternehmer Dr. Georg Haindl.

Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel: „Nur durch Verständigung und Begegnung können Vorurteile und Grenzen zwischen verschiedenen Gruppen abgebaut und ein friedliches Zusammenleben aller ermöglicht werden. Die Arbeit unserer Preisträgerinnen und Preisträger zeigt, dass auch in den schwersten Konflikten und angesichts der schrecklichsten Erfahrungen Versöhnung unter den Menschen möglich ist.“

Der Mietek Pemper Preis der Universität Augsburg für Versöhnung und Völkerverständigung ist der Würdigung herausragender aktiver, nachhaltiger und unkonventioneller Leistungen bei der Bearbeitung säkularer Konflikte in Politik und Gesellschaft gewidmet. Erste Preisträgerin war 2007 Carla Del Ponte, die ehemalige Chefanklägerin sowohl des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien, als auch des Internationalen Strafgerichtshofs für Ruanda.

Schindlers berühmte Liste

Mieczysław Pempers persönlicher Einsatz galt der Versöhnung zwischen Juden und Deutschen. Er wurde 1920 in Krakau geboren und lebte seit 1958 in Augsburg. Durch seine Breslauer Großmutter mit der deutschen Sprache vertraut, wurde er nach dem Angriff Hitlers auf Polen von der jüdischen Gemeinde in Krakau als Übersetzer für den Schriftverkehr mit den deutschen Besatzungsbehörden benannt. Im KZ Krakau-Plaszów wurde er dem Lagerkommandanten Amon Göth als persönlicher Schreiber zugewiesen. Unter Lebensgefahr überzeugte er den Unternehmer Oskar Schindler von der Rettungsaktion für jüdische Insassen des Arbeitslagers. Pemper führte die berühmte Liste Oskar Schindlers mit mehr als 1.000 Namen von Mithäftlingen und gab dem Unternehmer den rettenden Hinweis, seine Fabrik als „kriegsentscheidend“ einstufen zu lassen und somit alle Mitarbeiter vor der Vernichtung zu bewahren. Pemper selbst war unter der Nummer 655 auf Schindlers Liste verzeichnet.

In der Nachkriegszeit nahm er als Zeuge und Dolmetscher an den Kriegsverbrecher-Prozessen in Krakau teil und sagte unter anderem gegen Göth aus. Nach seiner Übersiedlung nach Augsburg war Mietek Pemper lange Jahre als Unternehmensberater tätig.

Zeichen der Humanität

Erst in fortgeschrittenem Alter, als er Anfang der 90er Jahre von Regisseur Steven Spielberg zur Beratung bei dessen Film herangezogen wurde, begann Mietek Pemper, öffentlich über seine Erlebnisse zu berichten: in Vortragsveranstaltungen, vor Schülerinnen, Schülern und Studierenden.

Dabei war es ihm stets ein Anliegen, insbesondere der Jugend einen - soweit möglich - objektiven Eindruck der Wirklichkeit und der Leiden einer verfolgten Minderheit in den Kriegsjahren wie der Zeichen der Humanität in einer Welt der Inhumanität zu geben, dadurch zu ihrer politischen und menschlichen Sensibilität beizutragen und den Weg zur Versöhnung zu bahnen. 2002 erhielt Pemper das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

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