Katzen an der Universität Augsburg

Längst ist die „Campus Cat“ integraler Teil des sozialen Gefüges der Universitätsgemeinschaft geworden. Aber hätten Sie gewusst, dass wenige Jahre nach der Eröffnung der Universität Augsburg in der Teilbibliothek Jura bereits eine Katze aufgenommen wurde? Eine kurze Geschichte rund um die Universität Augsburg und ihre „vierpfotigen“ Begleiter.

© Universität Augsburg

Campus Cat

Ein orange-getigerter Kater ist regelmäßig auf dem Campus der Universität Augsburg anzutreffen. „Campus Cat“ sind Social-Media-Auftritte privater Hand gewidmet, sie ist in regelmäßigen Abständen in den Tageszeitungen präsent, es gibt eigenen Merchandise im Uni-Shop und eine Petition seitens der Studierenden forderte gar, den Kater in den Staatsdienst aufzunehmen.

Wie „Forschung & Lehre“ berichtete, ist das Tier jedoch nicht Eigentum der Universität und diese trägt auch nicht für seine Unterbringung, Versorgung und Pflege mit Haushaltsmitteln Sorge. Jedoch wurde zuletzt erwogen, Kater Leon den Ehrentitel „Dienstkater honoris causa“ zu verleihen.

Der Nachrichtenwerttheorie nach Johan Galtung und Mari H. Ruge gemäß, die zwölf bzw. acht kulturunabhängige Faktoren für die Selektion eines Ereignisses innerhalb des Journalismus unterscheidet, ist wohl der Faktor der Überraschung maßgeblich für den Erfolg der Campus Cat – würden Sie eine Katze an einer staatlichen Einrichtung erwarten?

Ein Blick zurück

Einem Archivartikel der Augsburger Allgemeinen lässt sich entnehmen, dass im Juni 1974 eine Katze, die sich vor dem Eingang zur Bibliothek durch Miauen bemerkbar gemacht hatte, von Bibliotheksangestellten der Universität Eintritt gewährt wurde. Ihr Aufenthalt in der juristischen Teilbibliothek erstreckte sich über mindestens eine Woche. Zwei Mitarbeiter nahmen die Katze in persönliche Obhut: Der Abenddienstangestellte Stefan Sztabinski und der Oberregierungsrat des juristischen Fachbereichs Manfred Braun. Beide konnten das Tier nicht dauerhaft aufnehmen. Der weitere Verbleib der Katze ist ungewiss: Nach einer zweiten Rückkehr an die Universität sollte sie solange umsorgt werden, bis jemand sie zu sich nehmen würde.

Tierethik an der Universität Augsburg

Der Aufenthalt der Katze 1974 und das mediale Phänomen „Campus Cat“ werfen spannende Fragen für die Tierethik auf. Tierethisches Fragen ist in der Wissenschaft omnipräsent: Neben den einschlägigen tierethischen Forschungsfeldern innerhalb der Disziplinen der Philosophie und Theologie können sich Studierende auch im Masterstudiengang Umweltethik an der Katholisch-theologischen Fakultät interdisziplinär mit Fragen nach dem moralischen Umgang mit Tieren beschäftigen. Innerhalb des seit 2005/6 bestehende Studiengangs Ethik der Textkulturen wird die sprachliche Verfasstheit der Tierethik erforscht, wobei – aufbauend auf den die Forschungslandschaft prägenden Erkenntnissen der Human-Animal-Studies - die Grenzziehung zwischen dem Menschen und Tieren ebenfalls interdisziplin rädiskutiert wird: 2019 erschien im Zuge dessen der Band „Von armen Schweinen und bunten Vögeln. Tierethik im kulturgeschichtlichen Kontext.“

Aber auch viele andere Disziplinen ermöglichen die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema, wie etwa eine Beschäftigung mit dem Tierschutzgesetz in der Rechtswissenschaft. Anhand von Kater Leon wurde nicht zuletzt der Personenstatus des nichtmenschlichen Tiers implizit verhandelt.

 

Autor: Axel Grimmeißen

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