Einzigartig: Masterstudiengang Umweltethik

Manche blicken mit Furcht, manche ungläubig und manche gefasst auf die Zukunftsprognosen, die Klimaforscher aufstellen. Die ökologischen Probleme der Erde sind ein zentrales Thema und die wahrscheinlich größte Herausforderung für die Menschheit in diesem und in den kommenden Jahrhunderten. Ein besonders wunder Punkt in der Akzeptanz neuer Erkenntnisse sind dabei Gewohnheiten, Sitten und Werte, die sich manchmal nicht mit Klimawandel und Co. vereinbaren lassen: Können wir angesichts der Klimaschädlichkeit von Massentierhaltung weiterhin so viel Fleisch essen wie bisher? Aus reiner Bequemlichkeit von München nach Frankfurt fliegen? In unserem Konsumrausch ständig alles neu kaufen?

© Frauke Wichmann für a3kultur

Aller Wahrscheinlichkeit nach nicht. Doch vielen mag diese unbequeme Wahrheit nicht recht schmecken. In gewisser Weise hängt unsere Zukunft jedoch gerade davon ab, inwieweit wir bereit sind, unser Verhalten in Bezug auf die Umwelt zu überdenken und wie wir mit den uns gestellten ökologischen Herausforderungen umgehen.

Ein deutschlandweit einzigartiger Studiengang

Der interdisziplinäre Masterstudiengang Umweltethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg setzt genau hier an: „Wo mit einem interdisziplinären Zugriff Lösungen für die ökologischen Probleme gesucht werden, bedarf es zusätzlich einer normativen Kompetenz, die begründen kann, weshalb eine Antwort auf ein bestimmtes Problem als gut und daher auch wirklich als Lösung betrachtet werden kann“, erläutert Dekan Prof. Dr. Dr. Jörg Ernesti. Die Vermittlung der normativen Kompetenz sei daher das Kernanliegen des Masterstudiengangs Umweltethik, der in dieser Art in Deutschland einzigartig ist. Interessierte Studierende kommen von nah und fern, um sich auf die ethische Reflexion ökologischer Herausforderungen zu spezialisieren.

Eine dieser Interessierten ist Allegra Decker, die im April 2019 in die Unistadt zog, um Umweltethik zu studieren. Die aus dem Nordschwarzwald stammende Badenerin widmete sich nach dem Abitur zunächst sechs Jahre lang der katholischen Theologie in Freiburg, wo sie 2017 den Magister Theologiae erlangte. Nach dem Studium reizte die junge Frau das breite Arbeitsspektrum einer Pastoralreferentin. Doch schon damals hatte sie die Umweltethik als weiterführenden Studiengang immer im Hinterkopf. Nach einer kurzen Orientierungsphase schrieb sie sich in Augsburg für den interdisziplinären Master ein, um ihrem persönlichen Umweltengagement zu folgen.

Zunächst kannte sie von der Stadt nicht viel, außer der Augsburger Puppenkiste, wie sie zugibt, doch fand sie bald Gefallen an der historischen Innenstadt und am Campus. In Freiburg sind die Fakultäten über die ganze Stadt verteilt, daher sei es schon etwas Besonderes, dass in Augsburg alles an einem Fleck ist und man Menschen aus verschiedenen Fachrichtungen treffen kann. Gerade die zwei Seen mit ihren Bäumen und Bänken haben es Allegra angetan. Doch ihr Lieblingsplatz ist die „Alte Cafete“, der wahrscheinlich beliebteste Treffpunkt der Uni. Nicht weit entfernt, im Studierendenwohnheim Haus Edith Stein, hat sie ein Zimmer und Anschluss in der Blaskapelle der KHG gefunden. Die Nähe zum Siebentischwald, wo sie ihren Alltag gerne mit Sport ausgleicht, habe ihr gerade in Corona-Zeiten sehr geholfen, als gemeinschaftliche Tätigkeiten mit einem Mal nicht mehr möglich waren.

Das Interesse für den Studiengang wurzelt bei Ihr – neben seiner gesellschaftlichen Relevanz – ganz klar im persönlichen Bezug. Allegra verbindet viel mit Wald und Natur, wo sie, so oft es geht, ihre Freizeit verbringt. Da ihre Familie einige Hektar Forst im Schwarzwald bewirtschaftet, habe sie über die Jahre aber auch beobachten können, wie die Klimakrise immer deutlichere Spuren in den Wäldern hinterlässt. Umso motivierter ist Allegra, dem entgegenzuwirken und die Gesellschaft zu sensibilisieren.

Ein Blick über den Tellerrand der Disziplinen

Besonders die interdisziplinäre Ausrichtung des Studiengangs gefalle ihr, da man Einblicke in andere Fachrichtungen erhalte. »Nicht immer in einem Denkbereich zu bleiben, sondern auch neue Methoden kennenzulernen. Etwa wie in anderen Bereichen, zum Beispiel in den Naturwissenschaften, gearbeitet und gedacht wird«, interessiert die Studentin. Die Interdisziplinarität, das Zusammenwirken von unterschiedlichen Fächern und Disziplinen, wird an der Universität Augsburg, die sich selbst als Netzwerkuniversität versteht, gepflegt und gefördert. Der Schritt von der katholischen Theologie zur Umweltethik erscheint Allegra mit Verweis auf die Umweltenzyklika von Papst Franziskus dabei logisch. Es ist ihre feste Überzeugung, „dass wir keine Sonderstellung außerhalb der Natur haben, sondern ein Teil davon sind und dass wir zwangsläufig – und das sehen wir jetzt – mitleiden, wenn die Erde leidet.“ Ihre Masterarbeit möchte sie aber der Frage widmen, wie wir Natur psychisch, physisch und spirituell wahrnehmen und ob sich daraus für den Menschen normative Konsequenzen ergeben. Wo also unsere Naturwahrnehmung dazu beitragen könnte, Umweltproblematiken in ein anderes Licht zu rücken.

Was danach kommt, stehe noch nicht fest. Ich weiß natürlich, dass ich danach etwas machen möchte, was mir Freude bereitet, was mich persönlich weiterbringt und darüber hinaus auch etwas bewirken kann«, erklärt Allegra. „Ich bin optimistisch. Meist tun sich immer irgendwelche Türen auf“. Augsburg bleibt ihr dabei als Meilenstein in ihrem Werdegang mit Sicherheit positiv in Erinnerung.

 

Max Kretschmann/Michael Hallermayer und Teresa Grunwald (Universität Augsburg)

 

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